Der Heilige Stuhl
           back          up     Hilfe

Katechismus der Katholischen Kirche

1997
IntraText - Text

  • VIERTER TEIL DAS CHRISTLICHE GEBET
    • ERSTER ABSCHNITT DAS GEBET IM CHRISTLICHEN LEBEN
      • ZWEITES KAPITEL DIE ÜBERLIEFERUNG DES GEBETES
        • ARTIKEL 4 AN DEN QUELLEN DES GEBETES
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

ARTIKEL 4

AN DEN QUELLEN DES GEBETES

 

2652 Der Heilige Geist ist „das lebendige Wasser", das im betenden Herzen „zur sprudelnden Quelle" wird, „deren Wasser ewiges Leben schenkt" (Joh 4,14). Er lehrt uns, an eben dieser Quelle Christus zu empfangen. Im christlichen Leben gibt es Quellen, an denen Christus uns erwartet, um uns mit dem Heiligen Geist zu tränken.

 

 

Das Wort Gottes

 

2653 Die Kirche ermahnt alle Christgläubigen „besonders eindringlich, durch häufige Lesung der göttlichen Schriften ‚die überragende Erkenntnis Christi‘ zu erlangen". Sie sollen daran denken, „daß Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muß, damit sie zu einem Gespräch zwischen Gott und Mensch werde; denn ‚ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir die göttlichen Aussagen lesen‘ (Ambrosius, off. 1,88)" (DV 25).

 

2654 Die Väter des geistlichen Lebens fassen in ihrer Deutung von Matthäus 7,7 die Haltungen des Herzens, das im Gebet vom Wort Gottes genährt wird, zusammen: „Wenn ihr lest, sucht, und ihr werdet im Nachsinnen finden; wenn ihr betet, klopft an, und es wird euch durch die Betrachtung geöffnet".

 

 

Die Liturgie der Kirche

 

2655 Die Sendung Christi und des Heiligen Geistes, der in der sakramentalen Liturgie der Kirche das Heilsmysterium verkündigt, vergegenwärtigt und mitteilt, setzt sich im betenden Herzen fort. Die geistlichen Väter vergleichen zuweilen das Herz mit einem Altar. Das Gebet nimmt die Liturgie während und nach ihrer Feier in sich auf und eignet sie sich an. Selbst wenn das Gebet „im Verborgenen" geschieht (Mt 6,6), bleibt es Gebet der Kirche und Gemeinschaft mit der heiligsten Dreifaltigkeit [Vgl. IGLF{ 9.].

 

 

Die göttlichen Tugenden

 

2656 Wir treten in das Gebet ein wie in die Liturgie: durch die enge Pforte des Glaubens. In den Zeichen der Gegenwart des Herrn suchen und ersehnen wir sein Angesicht. In ihnen wollen wir sein Wort hören und es bewahren.

 

2657 Der Heilige Geist lehrt uns, die Liturgie in Erwartung der Wiederkunft Christi zu feiern; so erzieht er uns zum Gebet in der Hoffnung. Das Gebet der Kirche und das persönliche Gebet stärken in uns die Hoffnung. Besonders die Psalmen mit ihrer konkreten und reichen Sprache lehren uns, unsere Hoffnung auf Gott zusetzen: „Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien" (Ps 40,2). „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes" (Röm 15,13).

 

2658 „Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5,5). Das Gebet, das vom liturgischen Leben geformt ist, schöpft alles aus der Liebe, mit der wir in Christus geliebt sind. Sie läßt uns darauf antworten, indem wir lieben, wie er uns geliebt hat. Die Liebe ist die Quelle des Gebetes; wer aus ihr schöpft, erreicht den Höhepunkt des Betens:

„Ich liebe dich, mein Gott, und mein einziger Wunsch ist, dich bis zum letzten Atemzug meines Lebens zu lieben. Ich liebe dich, o du mein unendlich liebenswürdiger Gott, und ich möchte lieber in Liebe zu dir sterben, als ohne Liebe zu dir leben. Ich liebe dich, Herr, und die einzige Gnade, um die ich dich bitte, ist die, dich ewig lieben zu dürfen ... Mein Gott, wenn meine Zunge nicht in jedem Augenblick sagen kann, daß ich dich liebe, so will ich, daß mein Herz es dir so viele Male wiederholt, wie ich atme" (Jean Marie Baptiste Vianney, Gebet). „Heute"

 

2659 Wenn wir das Wort des Herrn hören und an seinem Pascha-Mysterium teilnehmen, lernen wir zu bestimmten Zeiten beten. Doch sein Geist wird uns zu jeder Zeit, in den Ereignissen eines jeden Tages, als Quelle des Gebetes geschenkt. Die Unterweisung Jesu über das Beten zu unserem Vater und über die Vorsehung [Vgl. Mt 6.1.1.34] liegen auf der gleichen Linie: Die Zeit liegt in den Händen des Vaters; wir begegnen ihm in der Gegenwart, nicht gestern oder morgen, sondern heute: „Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! Verhärtet euer Herz nicht!" (Ps 95,7-8).

 

2660 Eines der Geheimnisse des Reiches Gottes, die den „Kleinen", den Dienern Christi, den Armen der Seligpreisungen geoffenbart worden sind, ist es, in den Ereignissen jeden Tages und jeden Augenblickes zu beten. Es ist gut und richtig, dafür zu beten, daß das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens sich auf den Gang der Geschichte auswirkt; es ist ebenso wichtig, die schlichten und alltäglichen Situationen mit Hilfe des Gebetes zu durchdringen. Alle Gebetsformen können der Sauerteig sein, mit dem der Herr das Gottesreich vergleicht [Vgl. Lk 13,20-21].

 

 





zurück - vor

Copyright © Libreria Editrice Vaticana