Der Heilige Stuhl
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Katechismus der Katholischen Kirche

1997
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  • VIERTER TEIL DAS CHRISTLICHE GEBET
    • ZWEITER ABSCHNITT DAS GEBET DES HERRN: „VATER UNSER!"
        • ARTIKEL 1 „DIE ZUSAMMENFASSUNG DES GANZEN EVANGELIUMS"
          • III Das Gebet der Kirche
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III Das Gebet der Kirche

 

2767 Seit ihrem Anfang empfängt die Kirche die untrennbar verbundene Gabe der Worte des Herrn und des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist gibt den Worten des Herrn im Herzen der Gläubigen Leben. Die ersten Gemeinden beteten das Gebet des Herrn „dreimal am Tag" (Didaché 8,3) anstelle der „achtzehn Preisungen", die in der jüdischen Liturgie üblich waren.

 

2768 Der apostolischen Überlieferung entsprechend ist das Gebet des Herrn seinem Wesen nach in der Liturgie verwurzelt.

„Der Herr lehrt uns, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Denn er sagt nicht: ‚Mein Vater‘ im Himmel, sondern: ‚Vater unser‘, damit unser Gebet wie aus einer Seele für den ganzen Leib der Kirche eintrete" (Johannes Chrysostomus, hom. in Mt. 19,4).

In allen liturgischen Überlieferungen ist das Gebet des Herrn ein wesentlicher Bestandteil der großen Horen des Stundengebetes. Vor allem aber tritt sein kirchlicher Charakter in den drei Sakramenten der christlichen Initiation zutage:

 

2769 Die Übergabe [traditio] des Herrengebetes bei der Tauft und der Firmung ist ein Zeichen der Wiedergeburt im göttlichen Leben. Das christliche Gebet bedeutet Reden zu Gott mit Gottes Wort. So lernen jene, die „neu geboren" wurden „aus Gottes Wort, das lebt" (1 Petr 1,23), mit dem einzigen Wort, das ihr Vater stets erhört, ihn anzurufen. Und das können sie fortan, da das Siegel der Salbung mit dem Heiligen Geist unauslöschlich eingeprägt ist in ihrem Herzen, in ihren Ohren, auf ihren Lippen, in ihrem ganzen Sein als Söhne Gottes. Deshalb richten sich die meisten Kommentare der Kirchenväter zum Vaterunser an Katechumenen und Täuflinge. Wenn die Kirche mit den Worten des Herrn betet, ist es immer das „wiedergeborene" Volk, das betet und Barmherzigkeit erlangt [Vgl. 1 Petr 2,1-10].

 

2770 In der Eucharistieftier stellt das Herrengebet das Gebet der ganzen Kirche dar. Hier offenbart sich sein voller Sinn und seine Wirkkraft. Eingefügt zwischen Hochgebet [Anaphora] und Kommunionspendung faßt es einerseits alle Bitten und Fürbitten, die in der Epiklese geäußert werden, zusammen, andererseits bittet es um Einlaß zum himmlischen Hochzeitsmahl, welches in der sakramentalen Kommunion vorweggenommen wird.

 

2771 In der Eucharistie bezeugt das Herrengebet auch die endzeitliche Eigenart seiner Bitten. Es ist das Gebet der „letzten Zeiten", der Zeiten des Heils, die mit der Ausgießung des Heiligen Geistes begonnen haben und sich mit der Wiederkunft des Herrn vollenden werden. Die Bitten des Vaterunsers stützen sich im Unterschied zu den Gebeten des Alten Bundes auf das Mysterium des Heiles, das sich im gekreuzigten und auferstandenen Christus ein für allemal verwirklicht hat.

 

2772 Aus diesem unerschütterlichen Glauben entspringt die Hoffnung, die aus jeder der sieben Bitten spricht. Diese bringen das Seufzen der Gegenwart zum Ausdruck, dieser Zeit der Geduld und des Wartens, in der das, „was wir sein werden ... noch nicht offenbar geworden" (1 Joh 3,2) [Vgl. Kol 3,4.] ist. Die Eucharistiefeier und das Vaterunser sind auf das Kommen des Herrn hin ausgerichtet, „bis er kommt" (1 Kor 11,26).

 

 





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