Der Heilige Stuhl
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Katechismus der Katholischen Kirche

1997
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  • VIERTER TEIL DAS CHRISTLICHE GEBET
    • ZWEITER ABSCHNITT DAS GEBET DES HERRN: „VATER UNSER!"
        • ARTIKEL 2 „VATER UNSER IM HIMMEL"
          • II „Vater!"
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II „Vater!"

 

2779 Bevor wir uns diesen ersten Ruf des Herrengebetes zu eigen machen, sollten wir unser Herz demütig von falschen Bildern „dieser Welt" reinigen. Die Demut läßt uns erkennen: „Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will"; das sind die „Unmündigen" (Mt 11,25-27). Die Reinigung des Herzens betrifft die Bilder von Vater und Mutter, die aus unserer persönlichen und der kulturellen Entwicklung hervorgegangen sind und unsere Beziehung zu Gott beeinflussen. Gott unser Vater steht über den Begriffen dieser geschaffenen Welt. Wer in diesem Bereich seine eigenen Vorstellungen auf Gott überträgt oder ihm entgegenstellt, schafft sich damit Götzen, die er entweder anbetet oder verwirft. Zum Vater beten heißt in sein Mysterium eintreten, so wie er ist und wie der Sohn ihn uns geoffenbart hat.

„Der Ausdruck ‚Gott Vater‘ war nie jemandem geoffenbart worden. Als Mose selbst Gott fragte, wie er heiße, bekam er einen anderen Namen zu hören. Uns ist dieser Name geoffenbart worden im Sohn, denn im Namen ‚Sohn‘ liegt bereits der neue Name ‚Vater" (Tertullian, or. 3).

 

2780 Wir können Gott als „Vater" anrufen, weil sein menschgewordener Sohn ihn uns geoffenbart hat und weil sein Geist ihn uns zu erkennen gibt. Wir glauben, daß Jesus der Christus ist und daß wir aus Gott geboren [Vgl. 1 Joh 5,1] sind. Dadurch läßt uns der Geist des Sohnes an der persönlichen Beziehung des Sohnes zum Vater [Vgl. Joh 1,1] teilhaben. Menschen können sich das nicht vorstellen, die Engel es nicht erahnen.

 

2781 Wenn wir zum Vater beten, sind wir in Gemeinschaft mit ihm und mit seinem Sohn Jesus Christus [Vgl. 1 Joh 1,3.]. Dabei kennen und erkennen wir ihn mit immer neuem Staunen. Das erste Wort im Gebet des Herrn ist eine lobpreisende Anbetung, noch bevor es zu einem flehenden Ruf wird. Denn es ist zur Ehre Gottes, daß wir ihn als „Vater" und als wahren Gott bekennen. Wir danken ihm, daß er uns seinen Namen geoffenbart hat und daß er uns geschenkt hat, an ihn zu glauben und Wohnstätte seiner Gegenwart zu sein.

 

2782 Wir können den Vater anbeten, weil er uns durch die Annahme an Kindes Statt in seinem eingeborenen Sohn die Wiedergeburt zu seinem Leben geschenkt hat. Durch die Taufe gliedert er uns dem Leib seines Christus, des Gesalbten, ein, und durch die Salbung mit seinem Geist, die sich vom Haupt über die Glieder ergießt, macht er auch uns zu „Gesalbten".

„Da uns Gott zur Annahme an Kindes Statt vorherbestimmt hat, hat er uns dem verherrlichten Leibe Christi gleichförmig gemacht. Nachdem ihr nun an dem Gesalbten Anteil erhalten habt, werdet ihr mit Recht Gesalbte genannt" (Cyrill v.Jerusalem, catech. myst. 3,1).

„Der neue, wiedergeborene und seinem Gott durch dessen Gnade wiedergegebene Mensch sagt zuerst ‚Vater‘, weil er sein Sohn geworden ist" (Cyprian, Dom. orat. 9).

 

2783 Im Gebet des Herrn werden wir uns selbst geoffenbart [Vgl. GS 22,1.], weil uns zugleich der Vater geoffenbart wird. „O Mensch, du wagtest nicht, das Antlitz zum Himmel zu erheben, du senktest den Blick zur Erde, und plötzlich hast du die Gnade Christi erhalten: alle deine Sünden wurden dir vergeben. Aus einem schlimmen Knecht bist du ein guter Sohn geworden ... Erhebe also deinen Blick zum Vater, ... der dich durch seinen Sohn erlöst hat, und sage: ‚Vater unser‘ ... Berufe dich aber auf kein Vorrecht. Eigentlicher Vater ist er nur in bezug auf Christus, während wir von ihm erschaffen sind. Sage also aus Gnade auch du: ‚Vater unser‘, um zu verdienen, sein Sohn zu sein" (Ambrosius, sacr. 5,19).

 

2784 Dieses Geschenk der Gnade der Annahme an Kindes Statt verlangt von uns eine fortwährende Bekehrung und ein neues Leben. Das Gebet des Vaterunsers soll zwei Grundhaltungen in uns entwickeln. Das Verlangen und der Wille, uns ihm anzugleichen. Da wir nach seinem Bild geschaffen sind, wurde uns aus Gnade die Ähnlichkeit mit ihm wieder verliehen. Ihr sollen wir entsprechen.

„Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten" (Cyprian, Dom. orat. 11).

„Ihr könnt euren Vater nicht den Gott alles Guten nennen, wenn ihr ein unmenschliches und grausames Herz behaltet. Denn in diesem Fall habt ihr nicht mehr das Kennzeichen der Güte des himmlischen Vaters in euch" (Johannes Chrysostomus, horn. in Mt. 7,14 3).

„Wir sollen unablässig die Schönheit des Vaters betrachten und unsere Seele von ihr durchdringen lassen" (Gregor v. Nyssa, or. dom. 2).

 

2785 Ein demütiges und vertrauendes Herz. Dieses läßt uns wieder „wie die Kinder" werden (Mt 18,3), denn der Vater offenbart sich den „Unmündigen" (Mt 11,25).

„[Das Vaterunser] ist ein Aufblick zu Gott allein, ein großes Feuer der Liebe. Die Seele schmilzt darin, versinkt in die heilige Liebe und unterhält sich mit Gott wie mit dem eigenen Vater, sehr vertraut, in ganz besonderer, zärtlicher Kindesliebe" (Johannes Cassian, coll. 9,18).

„Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung ... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten ... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?" (Augustinus, serm. Dom. 2,4,16).

 

 





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