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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Wir sind Diener


Freitag
, 2. Juni 2017
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 25, 23. Juni 2017)

 

»Mit dem Kopf nach unten«: so wie Petrus gekreuzigt werden wollte, im Bewusstsein, »der größte Sünder unter den Aposteln« zu sein – was so weit ging, dass er den Herrn verleugnete – und doch erwählt worden zu sein, »um das Volk mit Liebe zu weiden«. Das ist eines der Bilder, die Papst Franziskus in der Frühmesse am Freitag, den 2. Juni, in der Kapelle von Santa Marta skizzierte. Der Papst ging dabei vom Dialog zwischen Jesus und Petrus aus, wie ihn Johannes im Abschnitt aus dem Evangelium vom Tag berichtet (21,15-19).

»Dieser Dialog zwischen dem Herrn und Petrus ist ein ruhiger Dialog unter Freunden, ein friedlicher, zurückhaltender Dialog am Ufer des Sees, wo Petrus am Anfang berufen worden war.« Ihn beseelen, so der Papst, »Worte« wie »Liebe, weiden, meine Schafe, folge mir nach: zuversichtliche Worte, Worte jener Atmosphäre der Auferstehung«, die »der Herr bringt«. So stehen wir vor »einem Dialog unter Freunden und des Dienstes, der nach der Mahlzeit stattfindet, die Jesus selbst hergerichtet hatte«. Es ist ein Dialog, unterstrich der Papst erneut, »in dem Jesus, der große Hirt, seine Schafe dem Petrus anvertraut«. »Ein Dialog unter Freunden« also. Und tatsächlich sagt Jesus: »Liebst du mich? Liebe. Willst auch du mein Freund sein? Bist du mein Freund?« Gerade »das ist die Atmosphäre dieses Dialogs, dieser so friedvollen, so zurückhaltenden Begebenheit des Evangeliums«.

Franziskus wies gerade hinsichtlich »dieses Dialogs« »auf drei Dinge« hin. »Das Erste« besteht in »jenem ›Folge mir nach‹«. Jesus »wählt den sündigsten der Apostel, die anderen sind weggerannt, dieser da hat ihn verleugnet: ›Ich kenne ihn nicht.‹« Doch »Jesus fragt ihn: ›Liebst du mich mehr als diese?‹ Jesus »wählt also den größten Sünder«. Diesbezüglich, so Franziskus, »kommt mir der Dialog eines Heiligen aus dem 18. Jahrhundert mit Jesus in den Sinn, es war ein Heiliger, dem Jesus sehr viele Gnaden geschenkt hatte. Es war eine Frau, eine Heilige: ›Aber Herr, mir, die ich so klein bin, eine so große Sünderin.‹ Und der Herr sagt zu ihr: ›Wenn ich einen noch größeren Sünder als dich gefunden hätte, dann hätte ich es ihm gegeben.‹« Deshalb, so der Papst weiter, »wurde der Sündigste erwählt, um das Volk Gottes zu weiden, um das Volk Gottes zu ›hüten‹: das macht uns nachdenklich«.

Der zweite Punkt, den der Papst ansprach, war »das Wort ›Liebe‹, das uns in diesem Dialog mehrfach begegnet: ›Weide, weil du mich liebst, weide‹, denn du bist mein Freund, ›weide."‹« Also »weiden mit Liebe«. Und »Petrus nimmt das in seinem ersten Brief wieder auf: er hat gelernt«. Man darf nicht »erhobenen Hauptes weiden, wie der große Herrscher, nein: mit Demut weiden, mit Liebe, wie dies Jesus tat«. Und »das ist die Sendung, die Jesus dem Petrus überträgt. Ja, mit den Sünden, mit den Fehlern.« Das »geht so weit, dass Petrus genau nach diesem Gespräch ein Ausrutscher passiert, ein Fehler. Er wird von der Neugier versucht und sagt zum Herrn: ›Dieser andere Jünger da – wohin wird er gehen, was wird er tun?‹« Doch »mit Liebe, inmitten all seiner Fehler, seiner Sünden, aber mit Liebe«. Denn »›diese Schafe gehören nicht dir, das sind meine Schafe‹, sagt der Herr«. Also: »Liebe! Wenn du mein Freund bist, dann musst du der Freund von diesen sein.«

Das dritte Element, das dem Dialog zwischen Jesus und Petrus entspringt, ist in »zwei Bildern« enthalten. Da ist das Bild »des Gründonnerstags, als Petrus – seiner selbst sicher, mit derselben Sicherheit, mit der er gesagt hatte: ›Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes‹ – zur Dienerin des Hohenpriesters sagt: ›Ich kenne diesen Mann nicht, ich gehöre nicht zur Gruppe von diesem da.‹« Petrus also, »der Jesus verleugnet, und dann treffen sich ihre Blicke: Als Jesus hinausgeht, schaut er ihn an, und der mutige Petrus – mutig auch dabei, den Herrn zu verleugnen – ist fähig, bitter zu weinen.« Und »dann – nach einem ganzen Leben im Dienst des Herrn«, fügte Franziskus hinzu, »endete er wie der Herr. Am Kreuz. Doch er rühmt sich dessen nicht«, indem er sagt: »›Ich ende wie mein Herr!‹ Nein, er bittet: ›Bitte, kreuzige mich mit dem Kopf nach unten, damit man wenigstens sieht, dass ich nicht der Herr bin. Ich bin der Diener.‹«

»Das ist es, was wir diesem Dialog entnehmen können, diesem so schönen Dialog, diesem so frohen, freundschaftlichen, zurückhaltenden Dialog«, so Papst Franziskus, der abschließend die Bitte aussprach: »Der Herr schenke uns immer die Gnade, im Leben mit geneigtem Haupt zu gehen: das Haupt erhoben aufgrund der Würde, die Gott uns gibt, doch mit geneigtem Haupt, das heißt mit dem Kopf nach unten, in dem Wissen, dass wir Sünder sind und dass Jesus der einzige Herr ist: wir sind Diener.«



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