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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN
DEN NEUEN BOTSCHAFTER VON TANSANIA
BEIM HL. STUHL ALI ABEID A. KARUME*

Donnerstag, 1. Dezember 2005

 

Herr Botschafter!

Mit Freude empfange ich Sie heute zur Übergabe des Beglaubigungsschreibens, durch das Sie zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Vereinigten Republik Tansania beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich versichere Sie meines Gebetsgedenkens für das Wohlergehen und Gedeihen Ihrer Nation und bitte Sie, dem Herrn Präsidenten Benjamin Mkapa für seine herzlichen Grüße zu danken.

Tansania ist wie so viele Teile Afrikas für die Schönheit seiner Natur bekannt und mit einer reichen Vielfalt an Kulturen und Traditionen gesegnet. Es handelt sich dabei um Bräuche, welche die Bedeutung der Gemeinschaft, der gegenseitigen Achtung und der Würde des Menschen hervorheben und die der ganzen Menschheit viel zu bieten haben. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Tansania und dem Heiligen Stuhl sind Ausdruck unserer gemeinsamen Überzeugung, daß diese Werte in hohem Maße zur Völkerverständigung und zum Frieden in der Welt beitragen. Zugleich unterscheidet sich die Rolle des Heiligen Stuhls innerhalb der internationalen Diplomatie von der anderer Staaten, da sie gekennzeichnet ist von der Hingabe im Dienst an der Entwicklung des einzelnen und der Gesellschaft, durch die Bekräftigung der Werte des Friedens, der Solidarität, der Gerechtigkeit und der Freiheit (vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die 50. Generalversammlung der UNO, New York, 5. Oktober 1995, 18).

Diese grundlegenden Werte, die in der einem jeden Menschen angeborenen Würde ihren Urgrund haben, sind zugleich die Schlüssel zum Aufbau und Erhalt lebendiger und funktionierender Demokratien. Ich möchte Ihre Regierung diesbezüglich in ihren Bemühungen bestärken, dem Land auch weiterhin die Offenheit gegenüber dem Reichtum, den die politische Vielfalt bietet, zu garantieren. Eine echte Demokratie verlangt Widerstand gegen Eigeninteressen und gegen Bestrebungen zum Ausbau von Machtpositionen, damit jeder Bürger das Recht genießt, die politische Führung in freien und durchschaubaren Mehrparteienwahlen zu wählen. Die Achtung der Würde des Menschen macht es erforderlich, daß »die öffentliche Verwaltung auf allen Ebenen – national, regional und kommunal – sich am Dienst gegenüber dem Bürger orientiert«, der wiederum als echter Partner im Regierungsgeschäft einen wertvollen Beitrag zur Nation leistet (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, 412).

Ferner freue ich mich darüber, daß Ihre Nation als Gründungsmitglied der Ostafrikanischen Gemeinschaft sich dazu verpflichtet hat, zusammen mit anderen Nationen der Region einen gemeinsamen Markt zu schaffen. Die Einrichtung einer Zollunion für die Mitgliedsstaaten ist wirklich ein gutes Zeichen für den Fortschritt, der in dieser wichtigen Initiative gemacht worden ist. Eine gemeinschaftsbezogene Solidarität auf dieser Ebene fördert nicht nur eine ganzheitliche Entwicklung der Region, sondern sie schafft gleichzeitig eine Dimension gemeinsamer Interessen und Anliegen, die sehr hilfreich sein kann beim Umgang mit Streitigkeiten, die eventuell aufkommen können. Äußerst lobenswert ist darüber hinaus die Großherzigkeit, die Ihr Land bewiesen hat durch die Aufnahme von fast einer Million Flüchtlinge, die vor der Gewalt und dem Blutvergießen, das die Kriege in ihren Heimatländern hervorgerufen haben, geflohen sind. Die Nation kann gewiß stolz sein auf eine derartige Sorge um das Gemeinwohl, und diese wertvollen Gesten machen Tansania zu einem Vorbild für Afrika und für die Welt. Ich bin mir auch der großen finanziellen Belastung bewußt, die Ihr Land durch seinen Großmut auf sich geladen hat, und ich rufe die internationale Gemeinschaft auf, Sie auch weiterhin in Ihren Hilfsbemühungen für ausgegrenzte und verdrängte Völker zu unterstützen.

Herr Botschafter, Ich sichere Ihnen zu, daß die katholische Kirche auch weiterhin Ihrem Land helfen wird, seinen zahlreichen Bedürfnissen zu entsprechen. Sie hat in der Tat viel zu geben in ihrer Soziallehre, durch die sie bemüht ist, das moralische Bewußtsein für die Anforderungen der Gerechtigkeit und Solidarität zu vertiefen – Anforderungen, die auf dem unschätzbaren Wert und der zentralen Stellung der menschlichen Person gründen. Aus diesem Grund versucht sie, die Armen und Leidenden zu trösten und die Solidarität und Zusammenarbeit im tansanischen Volk zu fördern. In Initiativen, die von den katholischen Bischöfen getragen werden, gilt die Aufmerksamkeit der Mobilisierung der Armen selbst im Kampf gegen die Armut und für eine Förderung der Entwicklung. Die Bestrebungen der Bischöfe sind mehr als nur ein beredter Ausdruck der Fürsorge der Kirche für die Armen. Sie sind ein Beispiel für das lebhafte Verlangen der Kirche, zusammen mit den staatlichen Autoritäten für das geistliche und materielle Wohl aller Bürger zu arbeiten, ungeachtet der Rasse, der Religion oder der gesellschaftlichen Zugehörigkeit.

Eure Exzellenz, während Ihrer Amtsperiode als Vertreter Tansanias beim Heiligen Stuhl werden die verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie alles in ihrer Macht Stehende tun, um Ihnen bei der Erfüllung Ihrer Pflichten zur Seite zu stehen. Ich spreche Ihnen meine besten Wünsche aus, daß Ihre Bemühungen, die bereits bestehenden guten Beziehungen zwischen uns weiter auszubauen, erfolgreich sein mögen, und bitte darum, daß Gott der Allmächtige Ihnen und dem geliebten tansanischen Volk reichen Segen schenken möge.


*L'Osservatore Romano 2006 n. 5 p. 10.

 

© Copyright 2005 - Libreria Editrice Vaticana

 

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