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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
BEI DER MAIANDACHT IM "CAMPO SANTO TEUTONICO"

Dienstag, 24. Mai 2005

 

Verehrter, lieber Herr Rektor,
verehrter Herr Botschafter und Gattin,
verehrte liebe Mitglieder der Bruderschaft,
des Priesterkollegs,
liebe Schwestern und Brüder!

Ich möchte ganz einfach danken, daß diese schöne Begegnung hier in der Kirche des »Campo Santo Teutonico« möglich geworden ist.

Wir sind der Mutter des Herrn, dem Herrn selbst und so einander begegnet. Der Rektor hat schon darauf hingewiesen, wie viel mich mit dieser Kirche, mit diesem Haus, mit seinen Gemeinschaften, die es innerlich und äußerlich tragen, verbindet. Als ich im November 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt war und dann im Februar mein Amt praktisch übernehmen konnte, habe ich die ersten Monate hier gewohnt. Es ist eine schöne Erinnerung, zum einen weil es wie eine Rückkehr in meine Jugend war, wieder einfach in einem Zimmer wohnen, nur mit dem nötigsten um sich herum, wieder von vorne und frisch beginnen. Aber eine schöne Erinnerung vor allem dadurch, daß diese Gemeinschaft des Priesterkollegs, diese Kirche und dieses Haus als lebendiges Haus Gottes und so als rechtes Haus der Menschen hält. Und dann bin ich selbstverständlich der Bruderschaft begegnet, der Herr Rektor hat uns ja eben geschildert, wie sie die eigentlich tragende Kraft des ganzen ist, und so mit großer Selbstverständlichkeit ihr auch beigetreten und freue mich, daß ich auf diese Weise sozusagen allen Dimensionen dieser Gemeinschaft des »Campo Santo Teutonico« zugehören darf. Ich möchte die Gelegenheit benützen, Ihnen, Herr Rektor, herzlich zu danken, daß Sie nun schon seit, ich glaube, zweieinhalb Jahrzehnten dieses Haus innerlich beseelen und führen und tragen, für alles, was Sie dafür tun. Ich möchte der Bruderschaft dafür danken, daß sie dieses lebendige Haus ist, das dieses Kolleg von innen her unterhält, trägt, und möchte natürlich dem Priesterkolleg meine Dankbarkeit aussprechen, das mir damals diese Gemeinschaft geschenkt hat, die ja geblieben ist. Immer wieder durfte ich hier die heilige Messe feiern und dabei immer wieder Pilgern aus allen Teilen Deutschlands begegnen und so die Gemeinschaft mit der Heimat geistlich und menschlich pflegen.

Ich finde es sehr wichtig, daß hier Priestergemeinschaft und wissenschaftliche Arbeit ineinandergehen, daß gerade historische Arbeit geleistet wird. Die Erneuerung der Theologie im 20. Jahrhundert, die sich dann im Zweiten Vaticanum konkretisiert hat, kam ja aus einem neuen Studium der Väter, aus einer neuen Zuwendung zu den lebendigen Wurzeln, die uns tragen, zu der ursprünglichen Rezeption des Glaubens, die dann immer wieder befruchtend weiter einwirkt. Nur wenn wir von den Wurzeln leben, können auch die Bäume neu wachsen und Frucht tragen.

Und so auch mein Dank an das Institut der Görres-Gesellschaft, der ich in der Tat seit meinen frühen Freisinger Jahren, also seit den 50er Jahren, zugehören darf.

Wir haben, ich hatte es schon gesagt, diese Begegnung miteinander als Maiandacht, als Begegnung mit der Mutter des Herrn gefeiert, und das war von selbst dann auch eine eucharistische Andacht, denn beides gehört zusammen. Wir gehen in diesen Tagen auf das Fronleichnamsfest zu, wir stehen in dem großen Kontext des Eucharistischen Jahres, und dies mag uns Anlaß sein, die inneren Zusammenhänge, die da stehen, tiefer zu bedenken, um sie auch tiefer leben zu können.

»Ave verum corpus natum ex Maria virgine«, singt und betet die Kirche. »Wahrer Leib, sei uns gegrüßet, den Maria uns gebar.« Maria hat dem lebendigen, dem ewigen Wort Gottes ihr Fleisch und ihr Blut geschenkt. Sie ist, wie die Väter sagen, die »heilige Erde Israels«, aus der der neue Adam geformt werden konnte. Und auch in der verwandelnden Verklärung, die durch die Auferstehung geschehen ist, ist es dieser Leib geblieben. Leib, der aus Maria, der Jungfrau genommen worden ist, und diesen Leib hat er in die Ewigkeit Gottes hineingetragen. Nun schenkt er uns, wie Maria ihm Fleisch und Blut gegeben hatte, sein Fleisch und Blut. Und so wie er dieses ihm geschenkte menschliche Fleisch und Blut umgewandelt hatte, daß es Leib Christi in die Ewigkeit hinein wurde, will er, indem er uns nun Fleisch und Blut zu essen und zu trinken gibt, uns umwandeln, uns verwandeln, daß wir gottesfähig werden und in die Gottesgemeinschaft hineinreichen können, daß wir mit ihm ein Leib werden und so ein Leib untereinander, Glieder, die einander dienen, von ihm her auf ihn hin, und so füreinander leben.

Dabei bleibt aber doch die doppelte Bewegung bestehen: Maria hat ihm Fleisch und Blut gegeben, er gibt es uns zurück, um uns wieder hinaufzuwandeln in das neue Leben Gottes. Aber er will zugleich doch auch durch uns immer wieder neu leibhaftig in der Geschichte gegenwärtig sein. Er will, daß wir sein Zelt werden, daß er durch uns, in uns sich neu inkarnieren und in der Welt leibhaftig Tag um Tag, Generation um Generation gegenwärtig sein kann. So ist dieser doppelte Kreislauf der Kommunion, den uns das marianische Geheimnis anzeigt, der Kern der eucharistischen Realität, und dabei wird zugleich sichtbar, wie Eucharistie weit über ein rituelles Geschehen, über einen liturgischen Vorgang hinaus das Ganze unseres Lebens, das Ganze der Geschichte umgreift.

Wir wollen in diesen Tagen dem Herrn danken, daß er uns in diesen großen Kreislauf von Mensch zu Gott, von Gott zu Mensch hineingenommen hat, und wir wollen Maria, die gleichsam den Anfang bilden durfte, darum bitten, daß sie uns immer wieder hilft, wirklich unser Fleisch und Blut ihm zu geben und von ihm her sein Fleisch und Blut zu empfangen und so neue Menschen zu werden.

In der Maiandacht schauen wir vor allen Dingen hin, während wir hier das Bild der Schmerzhaften Mutter in einer Friedhofskirche, in einer Kirche, in der Kranke auch immer wieder sich versammelt haben, schauen wir hin auf Maria, die immer jugendliche Jungfrau. Und wir erfahren und bedenken dabei, daß sie deswegen immer jung bleibt und immer wieder neu jung vor den Menschen steht, weil sie aus der Ewigkeit Gottes ist, die den Quell allen Lebens bildet. Und so lädt sie uns ein, gleichsam an diesen Quell zu gehen, der uns immer wieder verjüngt, der die Kirche verjüngt und der die Menschheit verjüngt.

Danke noch einmal für dieses Zusammensein. Ich möchte auch noch sagen, daß ich mich sehr freue, daß sich ein Chor gebildet hat – das war mir ein ganz neues Erlebnis –, der uns noch eine weitere Dimension dieser festlichen Begegnung geschenkt hat. Ihnen allen wünsche ich einen schönen Abend, ein schönes Fronleichnamsfest und gesegnete Zeit.

 

© Copyright 2005 - Libreria Editrice Vaticana   

 

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