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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN DIE MITGLIEDER DER BAYERISCHEN STAATSREGIERUNG
UND DES BAYERISCHEN LANDTAGES

Donnerstag, 3. November 2005

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
verehrte Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung
und des Bayerischen Landtages,
meine Damen und Herren!

Eine so hohe Abordnung aus der geliebten bayerischen Heimat hier im Apostolischen Palast begrüßen zu können, ist für mich ein Grund zu großer Freude. Seien Sie alle herzlich willkommen!

Mit Ihrem Besuch geben Sie der langen und in vielerlei Hinsicht fruchtbaren Verbundenheit Bayerns mit der Kathedra Petri zum Ausdruck. Bayern kann nicht nur auf eine mehr als 1200-jährige Geschichte zurückblicken; es ist auch ein Land, in dem modernste Forschung und Technik seit Jahrzehnten eine bevorzugte Heimstatt gefunden haben. Es zeichnet Bayern aus, daß sich auf seinem Boden zukunftsgerichtete Wissenschaft, Technik und Industrie mit einer überaus reichen kulturellen und religiösen Überlieferung harmonisch verbinden. Gerade in dieser Harmonie liegt auch die Verheißung einer wahrhaft menschenfreundlichen Zukunft.

Gewiß nehmen besonders die schwierigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Dazu kommen auch jene immer komplizierteren Fragen neuer wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen, vor die sich die politischen Entscheidungsträger gestellt sehen. Aus dem Fortschritt der Wissenschaften können ebenso Segen wie Verderben erwachsen. Hier kommt es darauf an, ob jene, die über rechten Gebrauch oder Mißbrauch zu entscheiden haben, dabei bloß den Gesetzen vordergründigen Nutzens oder aber den Gesetzen Gottes folgen. Männer und Frauen, die sich ihrer Verantwortung vor Gott, dem Geber allen Lebens, bewußt sind, werden ihr Bestes tun, damit die unantastbare Würde des Menschen, dessen Leben in allen Phasen heilig ist, den Umgang mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt.

Damit die höchsten Güter unserer abendländischen Kultur auch in Zukunft geachtet und gefördert werden, bedarf es freilich einer Formung der Jugend nicht bloß nach technokratisch-ökonomischen Maßstäben, sondern durch jenes geistige Erbe, das durch die Namen Athen, Jerusalem und Rom charakterisiert wird. In diesem Zusammenhang möchte ich den besonderen und unersetzlichen Beitrag erwähnen, den die Theologischen Fakultäten an den Universitäten des Landes dazu leisten. Ich selbst hatte die Ehre, an der Theologischen Fakultät der Universität Regensburg als Professor für Dogmatik einige Jahre zu forschen und zu lehren. An diese Zeit denke ich gerne zurück.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, verehrte Damen und Herren! Im Herzen Münchens, meiner unvergessenen Bischofsstadt, erhebt sich die Mariensäule, die das Bild der Patrona Bavariae trägt. Möge die Gottesmutter Maria weiterhin einen Ehrenplatz auch in den Herzen der Bayern einnehmen! Dann wird sie mit ihrer Fürsprache unser Beten begleiten: „Gott mit dir, du Land der Bayern, ... über deinen weiten Gauen walte seine Segenshand“. Mit diesem Gebetsruf vereine ich mich im Geiste mit meiner Heimat und erteile Ihnen allen von Herzen den Apostolischen Segen.

 

© Copyright 2005 - Libreria Editrice Vaticana

    

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