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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN DIE NEUE BOTSCHAFTERIN VON UGANDA,
PRINZESSIN ELIZABETH BAGAYA*

Donnerstag, 14. Dezember 2006

 

Exzellenz!

Mit Freude heiße ich Sie im Vatikan willkommen und nehme das Beglaubigungsschreiben entgegen, mit dem Sie als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin der Republik Uganda beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich danke Ihnen für die Grüße, die Sie im Namen des Präsidenten der Republik, Seiner Exzellenz Yoweri Museveni, übermittelt haben und die ich gerne erwidere, mit guten Wünschen und der Versicherung meines Gebets für Seine Exzellenz und die Bevölkerung Ugandas.

Ihr Land, das im Herzen der Region der Großen Seen liegt, hat Teil an zahlreichen charakteristischen Eigenschaften der afrikanischen Kultur. Einige dieser wunderbaren Werte haben wir deutlich vor Augen: die Achtung, die jedem menschlichen Leben entgegengebracht werden sollte, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, die Rolle der Familie als Eckpfeiler der Gesellschaft und ein inspirierender Sinn für das Heilige.

Ich habe die Herausforderungen, denen der afrikanische Kontinent gegenübersteht, intensiv verfolgt. Einige von ihnen haben sich auch in Ihrem Heimatland mit unterschiedlich großer Dringlichkeit bemerkbar gemacht. Bedauerlicherweise sind es häufig menschlicher Stolz und Gewalt, die diese Probleme verursachen. Während die Bevölkerung Ihrer Nation nach einer von Frieden und Stabilität geprägten Zukunft strebt, ist Ihre Regierung mit der dringenden Pflicht konfrontiert, auf die Nöte all jener maßgeblich zu antworten, die unter den tragischen Folgen der anhaltenden Gewalt im Norden leiden. Die internationale Gemeinschaft ist gezwungen, der schweren humanitären Krise, von der über eine Million Menschen in der Region betroffen sind, gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Zahlreiche Ugander und einige internationale Organisationen haben sich, oft unter starker Gefährdung des eigenen Lebens, intensiv dafür eingesetzt, diesen vertriebenen und ausgegrenzten Menschen zu helfen, aber die Situation erfordert verstärkte Zusammenarbeit, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Sicherheit und Stabilität herrschen.

Uganda kann fortschreiten in Richtung einer wahren ganzheitlichen Entwicklung, wenn das Land seinen eigenen Wurzeln treu bleibt. In dieser Hinsicht muß Ihre Nation um eine ausgewogene Mischung des Alten mit dem Neuen bemüht sein und stets die Achtung für die Familie und für die größere Gemeinschaft, materiellen Fortschritt und kulturelle Bereicherung zusammen mit persönlicher Freiheit und nationaler Solidarität fördern. Einer der Schlüssel für die Gewährleistung des Erfolgs einer Demokratie ist die Teilnahme an einem aufrichtigen und fruchtbaren Dialog und die Ermutigung dazu. Der gegenseitige Austausch von Meinungen und Ideen ist nicht immer einfach. Gutes Regieren erfordert jedoch, daß auch die, die anderer Meinung sind, gehört, geachtet und in den Prozeß zur Entscheidungsfindung einbezogen werden. Allein in einer solchen Atmosphäre der Verständigung und der Zusammenarbeit kann wahrer und dauerhafter Fortschritt verwirklicht und aufrechterhalten werden. In diesem Zusammenhang hoffe ich, daß die Verantwortlichen alles tun werden, was in ihrer Macht steht, um zu gewährleisten, daß die Kirche ein wichtiger Partner in diesem Gedankenaustausch bleibt, indem ihr die rechtlichen Garantien gegeben werden, die ihre Freiheit zur Erfüllung der ihr anvertrauten göttlichen Sendung anerkennen. Es ist ihr Wunsch, Hoffung und Mut zu fördern, indem sie dem ganzen Gottesvolk die Frohbotschaft verkündet (vgl. Ecclesia in Africa, 14).

Ich möchte Sie versichern, daß die katholische Kirche aufrichtig bemüht ist, alle Anstrengungen zur Förderung des Friedens zu unterstützen. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert uns daran, daß die Kirche beauftragt ist, alles Wahre, Gute und Schöne in der menschlichen Gemeinschaft zu fördern und zu überhöhen, indem sie zur Ehre Gottes den Frieden unter den Menschen festigt (vgl. Gaudium et Spes, 76). In dieser Hinsicht ist der Heilige Stuhl zuversichtlich, daß das heute beginnende Zweite Gipfeltreffen der »Internationalen Konferenz Große Seen« Hoffnungen auf eine sichere Zukunft, die auf Dialog und Zusammenarbeit gründet, bringen wird. In den verschiedenen Konflikten wurden einige Übereinkommen erreicht, und ein Teil der Soldaten ist, das neue Klima der Versöhnung nutzend, nach Hause zurückgekehrt. Ich vertraue weiterhin darauf, daß dieser regionale Impuls erhalten bleibt und daß die Machthaber alles tun werden, damit die in den Herzen so vieler Menschen geweckten Erwartungen erfüllt werden. Ich bete, daß der allmächtige Gott den Verantwortlichen neue Weisheit und neuen Mut schenken möge, sodaß alle Parteien zum Dialog und zur Suche nach friedlichen und dauerhaften Lösungen zurückkehren werden.

Es ist ermutigend, von dem Fortschritt zu hören, den Ihr Land bei der Förderung langfristiger Entwicklung durch die Verringerung der Armut und die Zunahme von Bildungsmöglichkeiten macht. Der hohe Anteil junger Menschen innerhalb der Bevölkerung Ihres Landes gibt der Nation Lebenskraft und neue Hoffnung. Die Zusammenarbeit zwischen der Kirche und der Zivilgesellschaft war für Uganda sehr segensreich, vor allem in der Erziehung, im Gesundheitswesen und beim Kampf gegen HIV/Aids, wo Statistiken den praktischen Wert einer auf Enthaltsamkeit und der Förderung der ehelichen Treue gründenden Präventionspolitik bestätigen. Es ist meine aufrichtige Hoffnung, daß die Bevölkerung Ugandas weiterhin in zunehmendem Maße aus dieser Unterstützung Nutzen ziehen wird.

Exzellenz, ich versichere Sie meines Gebets für den Erfolg Ihrer Mission als Vertreterin Ihres Landes beim Heiligen Stuhl. Seien Sie versichert, daß die verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie Ihnen bereitwillig zur Seite stehen werden. Ich rufe den reichen Segen des allmächtigen Gottes auf Sie und auf die geliebte Bevölkerung Ugandas herab.


*L'Osservatore Romano 2007 n. 4 p. 11.

 

© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana

 

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