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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN DIE TEILNEHMER DER V. INTERNATIONALEN TAGUNG
DER MILITÄRORDINARIATE

Clementina-Saal
Donnerstag, 26. Oktober 2006

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt!

Es ist mir eine Freude, euch anläßlich der V. Internationalen Tagung der Militärordinariate zu begegnen, und ich begrüße jeden von euch. Insbesondere begrüße ich Kardinal Giovanni Battista Re und danke ihm für seine herzlichen Worte. Vor 20 Jahren, genauer gesagt am 21. April 1986, veröffentlichte der geliebte Johannes Paul II. die Apostolische Konstitution Spirituali militum curae, durch die die kanonische Regelung in bezug auf den geistlichen Beistand der Angehörigen des Militärs im Lichte des II. Vatikanischen Konzils erneuert wurde, unter Berücksichtigung der Veränderungen, die die Streitkräfte und ihre Mission auf nationaler und internationaler Ebene betrafen. Tatsächlich hat sich aber die heutige Welt in den letzten Jahrzehnten noch mehr gewandelt. Deshalb ist es notwendig, das päpstliche Dokument – das dennoch seine ganze Aktualität behält, denn die pastorale Ausrichtung der Kirche ändert sich nicht – den Bedürfnissen des gegenwärtigen Augenblicks immer besser anzupassen. Eben das wolltet ihr im Rahmen dieser Tagung, die von der Kongregation für die Bischöfe organisiert wurde, auf sehr angemessene Weise tun.

Vor allem ist es wichtig, das Vorwort der Apostolischen Konstitution noch einmal zu lesen: Es enthält die Beweggründe der lehramtlichen Äußerung und bringt den pastoralen Geist zum Ausdruck, der alle normativen Bestimmungen beseelt, sie inspiriert und ihnen Orientierung gibt. Das Dokument hebt zwei Grundwerte hervor: den Wert der Person und den Wert des Friedens. Die gesamte strukturelle Erneuerung, die die Militärordinariate den Diözesen angleicht – den Militärordinarius dem Diözesanbischof und den Militärseelsorger dem Pfarrer –, geschieht nach dem Kriterium des Dienstes an der Person des Soldaten, der »einer konkreten und besonderen Form der Seelsorge« bedarf (Vorwort). Zugleich aber wird gesagt, daß die Personen, an die das Ordinariat sich wendet, weiterhin auch Gläubige jener Teilkirche sind, der sie aufgrund des Wohnortes oder Ritus zugehören (vgl. IV). Das erfordert Gemeinsamkeit und Koordinierung zwischen den Militärordinariaten und den anderen Teilkirchen (vgl. II,4). All dies unterstreicht das vorrangige Ziel der Fürsorge für die »Christifideles«, das darin besteht, ihnen die Möglichkeit zu geben, die in der Taufe gründende Berufung und die Zugehörigkeit zur Kirche in Fülle zu leben. Damit befinden wir uns auf derselben Linie, wie sie der Diener Gottes Johannes Paul II. anläßlich der III. Tagung der Militärbischöfe im Jahre 1994 vorgegeben hat (vgl. Ansprache an die Militärbischöfe; in O.R. dt., Nr. 15, 15.4.1994, S. 11). Die Personen an die erste Stelle zu setzen heißt, der christlichen Formung des Soldaten den Vorrang zu geben, ihn und seine Familie auf dem Weg der christlichen Initiation, der Berufung, des Heranreifens im Glauben und im Zeugnis zu begleiten. Gleichzeitig bedeutet es, die Formen der Brüderlichkeit und der Gemeinschaft sowie des liturgischen und nichtliturgischen Gebets zu fördern, die dem Umfeld und den Lebensbedingungen der Soldaten angepaßt sein müssen.

Als zweiten Aspekt möchte ich die grundlegende Bedeutung des Wertes des Friedens hervorheben. Das Dokument Spirituali militum curae zitiert dazu im Vorwort ausdrücklich die Konzilskonstitution Gaudium et spes mit dem Hinweis, daß derjenige, der Militärdienst leistet, sich »als Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker« betrachten soll, denn »indem er diese Aufgabe recht erfüllt, trägt er wahrhaft zur Festigung des Friedens bei« (Gaudium et spes, 79). Wenn das Konzil also die Soldaten als Diener des Friedens bezeichnet, wieviel mehr sind es dann die Hirten, denen sie anvertraut sind! Ich fordere deshalb euch alle auf, dafür zu sorgen, daß die Militärseelsorger wirkliche Kenner und Lehrer dessen seien, was die Kirche in bezug auf den Aufbau des Friedens in der Welt lehrt und tut. Die Apostolische Konstitution von Papst Johannes Paul II. stellt einen wichtigen Teil dieser Lehre dar, und ihr Beitrag dazu läßt sich in den Worten zusammenfassen, die ihr zu Recht aufgegriffen und als Thema dieser Tagung gewählt habt: »Ministerium pacis inter arma – Dienst am Frieden unter Waffen«. Mein Vorgänger bezeichnete diesen Dienst als »neue Verkündigung des Evangeliums in der Welt des Militärs, und die christlichen Soldaten sowie ihre Gemeinschaften müssen deren erste Herolde sein« (Ansprache an die Militärbischöfe; in O.R. dt., Nr. 15, 15.4.1994, S. 11).

Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, und ihre erste Aufgabe ist die Evangelisierung, deren Ziel es ist, Christus zu verkünden und zu bezeugen und sein Evangelium des Friedens und der Liebe in jedem Umfeld und in jeder Kultur zu fördern. Auch in der Welt des Militärs ist die Kirche aufgerufen, »Salz«, »Licht« und »Sauerteig « zu sein – um in den Bildern zu sprechen, die Jesus selbst gebraucht –, damit das Denken und die Strukturen in immer größerer Fülle auf den Aufbau des Friedens ausgerichtet seien, das heißt auf jene »von der Liebe Gottes entworfene und gewollte Ordnung«, in der die Personen und die Völker sich ganzheitlich entwickeln können und ihre Grundrechte anerkannt werden (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2006; in O.R. dt. Nr. 51/52, 23.12.2005, S.9).

Das Lehramt der Kirche zum Thema des Friedens ist ein wesentlicher Aspekt ihrer Soziallehre und hat sich aus uralten Wurzeln heraus im vergangenen Jahrhundert in einer Art »Crescendo« entwickelt, das seinen Höhepunkt fand in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes, in den Enzykliken des sel. Johannes XXIII. und der Diener Gottes Paul VI. und Johannes Paul II. sowie in ihren Ansprachen vor der UNO und in den Botschaften zu den Weltfriedenstagen. Diese ständige Ermahnung zum Frieden hat auf die westliche Kultur eingewirkt und das Ideal gefördert, daß die Streitkräfte »im ausschließlichen Dienst der Verteidigung von Sicherheit und Freiheit der Völker« stehen sollen (vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Militärbischöfe; in O.R. dt., Nr. 15, 15.4.1994, S. 11). Leider bewirken manchmal andere Interessen – die wirtschaftlicher und politischer Natur sind und geschürt werden durch internationale Spannungen –, daß diese konstruktive Tendenz auf Hindernisse und Verzögerungen stößt, wie es auch in den Schwierigkeiten deutlich wird, denen die Entwaffnungsprozesse begegnen. Aus dem Inneren der Welt des Militärs heraus wird die Kirche weiterhin ihren Dienst zur Gewissensbildung anbieten, in der Gewißheit, daß das Wort Gottes, wenn es großzügig ausgesät und mutig vom Dienst der Nächstenliebe und der Wahrheit begleitet wird, zur rechten Zeit seine Frucht bringt.

Liebe und verehrte Mitbrüder, um den Menschen eine angemessene Seelsorge zu bieten und den Evangelisierungsauftrag zu erfüllen, benötigen die Militärordinariate motivierte und ausgebildete Priester und Diakone sowie Laien, die aktiv und verantwortungsbewußt mit den Hirten zusammenarbeiten. Deshalb bitte ich gemeinsam mit euch den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in diese Ernte sende, in der ihr schon mit bewundernswertem Eifer arbeitet. Die leuchtenden Vorbilder so vieler Militärgeistlicher, wie der sel. Don Secondo Pollo, die Gott und den Brüdern mit heroischer Hingabe gedient haben, mögen die jungen Menschen ermutigen, ihr ganzes Leben in den Dienst des Reiches Gottes, des Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens, zu stellen. Die Jungfrau Maria wache stets über euren Dienst, und es begleite euch mein Segen, den ich von Herzen euch allen und euren kirchlichen Gemeinschaften erteile.

 

© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana

   

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