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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN STEFÁN LÁRUS STEFÁNSSON,
NEUER BOTSCHAFTER VON ISLAND BEIM HL. STUHL*

Freitag, 1. Juni 2007

 

Exzellenz!

Mit besonderer Freude heiße ich Sie im Vatikan willkommen und nehme das Beglaubigungsschreiben entgegen, mit dem Sie zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Islands beim Heiligen Stuhl ernannt werden. Ich bitte Sie, Seiner Exzellenz Präsident Olafur Ragnar Grimsson, der Regierung und der Bevölkerung Ihres Landes meine Dankbarkeit für ihre guten Wünsche zu vermitteln, die ich meinerseits von Herzen erwidere, und sie meines Gebets für das geistliche Wohl der Nation zu versichern.

Die diplomatischen Beziehungen der Kirche sind Teil ihrer Sendung im Dienst an der internationalen Gemeinschaft. Diese Verpflichtung gegenüber der Zivilgesellschaft ist in ihrer Überzeugung verankert, daß die Hoffnung, eine gerechtere Welt aufzubauen, die übernatürliche Berufung des Menschen anerkennen muß. Es ist Gott, der den Menschen ihre grundlegende Würde verleiht und mit ihr die Fähigkeit und die Berufung, ihre Schritte auf das Wahre und das Gute zu lenken (vgl. Fides et Ratio, 5). Im Rahmen dieser breiten Perspektive können wir der heute so vorherrschenden pragmatischen Tendenz entgegenwirken, die dazu neigt, sich lediglich mit den Symptomen sozialer Zersplitterung und moralischer Verwirrung zu beschäftigen. Wo immer die transzendente Dimension der Menschheit ans Licht gebracht wird, öffnet sich der Mensch in Herz und Geist für Gott und das eigentliche Wesen des menschlichen Lebens – die Wahrheit, die Schönheit, die sittlichen Werte, die Mitmenschen und das Sein selbst – (vgl. ebd. 83) und wird zum sicheren Fundament und zu einer Perspektive der Hoffnung für die Gesellschaft geführt.

Wie Eure Exzellenz betont hat, ist das Evangelium Jesu Christi, einschließlich seiner missionarischen Dimension, ein Bestandteil isländischer Geschichte. Über tausend Jahre lang hat das Christentum die isländische Kultur geprägt. In jüngster Zeit haben diese geistlichen Wurzeln eine gewisse Resonanz in den Beziehungen Ihres Landes zu Europa gefunden. Diese von den universalen Werten des christlichen Glaubens geformte gemeinsame kulturelle und moralische Identität ist nicht allein von historischer Bedeutung. Grundlegend wie sie ist, kann sie als ein »Ferment« der Zivilisation bestehen bleiben. In dieser Hinsicht lobe ich die offene Anerkennung Ihrer Regierung bezüglich der fundamentalen Rolle des christlichen Glaubens im Leben Ihrer Nation. Wenn das öffentliche moralische Urteilsvermögen nicht durch einen Säkularismus entleert wird, der die Wahrheit vernachlässigt und hingegen bloße Meinungen hervorhebt, dann können sowohl staatlich wie religiös Verantwortliche jene absoluten Werte und Ideale aufrechterhalten, die der Würde jeder Person eigen sind. Gemeinsam können sie so unserer Jugend eine glückliche und erfüllte Zukunft bieten.

Islands bedeutender Beitrag zur Sicherheit und die soziale Entwicklung der Menschheitsfamilie weltweit steht im Gegensatz zu seiner Größe und der Anzahl seiner Bürger. Der Einsatz Ihrer Nation zur Unterstützung von Aktionen zur Friedenssicherung und von Hilfsprojekten findet die bereitwillige Anerkennung des Heiligen Stuhls und die Achtung der internationalen Gemeinschaft. Ihr Status als Gründungsmitglied der NATO sowie ihre langjährige Mitgliedschaft der Vereinten Nationen sind wohlbekannt. Möglicherweise weniger bekannt ist hingegen die effiziente Arbeit des »Islandic Crisis Response Unit«. Dieser geschätzte Dienst ist im Bereich internationaler Beziehungen ein außerordentliches Beispiel von Männern und Frauen, die im Glanz der Wahrheit erleuchtet den Weg des Friedens einschlagen (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 2006, 3). Solche Initiativen verdeutlichen auf treffende Art und Weise, daß es möglich ist, Konflikte auf friedliche Weise zu lösen und entschlossen und zielstrebig mit Gerechtigkeit, Integrität und im Dienst für das Gemeinwohl zu regieren.

Die Wahrung der Umwelt und die Förderung einer vertretbaren Entwicklung sind Anliegen, die in zunehmendem Maße allen große Sorge bereiten. Wie die Ergebnisse von Reflexionen und Studien im Bereich der Ökologie mehr und mehr verdeutlichen, besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen dem Frieden mit der Schöpfung und dem Frieden unter den Menschen. Die volle Bedeutung dieser Verbindung findet sich in der natürlichen und moralischen Ordnung, mit der Gott den Menschen erschaffen und die Erde ausgestattet hat (vgl. Botschaft zum Weltfriedenstag 2007, 8–9).

Die enge Verbindung zwischen diesen beiden Ökologien tritt deutlich hervor, wenn es um die Fragen der Nahrungsmittelbestände und der Energieversorgung geht. Die internationale Gemeinschaft erkennt, daß die Ressourcen der Welt begrenzt sind. Doch die Pflicht, eine Politik zu stärken, die die Zerstörung dieses natürlichen Kapitals verhindert, wird nicht immer erfüllt. Jede unverantwortliche Ausbeutung der Umwelt oder das Horten der Land- und Meeresressourcen verdeutlicht ein unmenschliches Entwicklungskonzept, dessen Folgen vor allem die ärmeren Länder betreffen. Island, das sich dieser Probleme zutiefst bewußt ist, hat zu Recht die Beziehung zwischen den Millenniumsentwicklungszielen, Umweltschutz und der vertretbaren Nutzung der Ressourcen hervorgehoben und es hat lobenswerterweise auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß die überwiegende Mehrheit derer, die vom Fischfang leben, Familien der Entwicklungsländer sind.

Herr Botschafter, die kleine Gemeinde der katholischen Kirche Ihres Landes geht mit helfender Hand der gesamten isländischen Gesellschaft entgegen. Den Glauben der Kirche an die »unlösliche Verschränkung von Gottes- und Nächstenliebe« (Deus Caritas Est, 16) zum Ausdruck bringend verpflichtet sie sich zu Werken der Nächstenliebe in ihren kleinen aber dynamischen Pfarrgemeinden. Ein ganz besonders schönes Beispiel hierfür finden wir in der Klostergemeinschaft der kontemplativen Karmelitinnen in Hafnarfjordur, wo die Schwestern täglich für die Bedürfnisse aller Isländer beten.

Exzellenz, gewiß wird die Mission, die Sie heute antreten, zur weiteren Festigung der herzlichen Bande des Einvernehmens und der Kooperation zwischen Island und dem Heiligen Stuhl beitragen. Bitte seien Sie versichert, daß die verschiedenen Einrichtungen der Römischen Kurie Sie bei der Erfüllung Ihrer Aufgaben bereitwillig unterstützen werden. Für Sie, Ihre Familie und Ihre Mitbürger erbitte ich den reichen Segen des allmächtigen Gottes.


*L'Osservatore Romano n. 30-31 p. 12.

 

© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

   

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