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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN PIO BOSCO TIKOISUVA,
NEUER BOTSCHAFTER DER REPUBLIK FIDSCHI-INSELN
BEIM HL. STUHL

Donnerstag, 18. Dezember 2008

 

Exzellenz!

Ich freue mich, Sie im Vatikan willkommen zu heißen und das Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen, durch das Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Fidschi-Inseln akkreditiert werden. Für die guten Wünsche von seiten des Staatspräsidenten, Ratu Josefa Iloilo, und des Premierministers, Frank Bainimarama, möchte ich meinen Dank zum Ausdruck bringen. Bitte übermitteln Sie beiden meinen Gruß und versichern Sie sie meines ständigen Gebets für das ganze Volk der Fidschi- Inseln.

Der Heilige Stuhl ist stets ermutigt, wenn er Zeichen des Fortschritts auf größeren Frieden und auf Stabilität hin sieht, in der Hoffnung daß die Schritte, die unternommen wurden, um eine demokratisch gewählte Regierungsform auf den Fidschi-Inseln wiederherzustellen, mit Hilfe der Gaben und Kräfte aller Einwohner Frucht tragen werden.

In der Tat ist einer der wichtigsten Grundsätze des christlichen Verständnisses gesellschaftlicher und politischer Organisation die Tugend der Solidarität, durch die die verschiedenen Elemente der Gesellschaft zusammenwirken, um zum Gemeinwohl aller zu gelangen. So wird das hervorgebracht, was mein Vorgänger Papst Paul VI. so schön als »Zivilisation der Liebe« beschrieben hat (Predigt zum Abschluß des Heiligen Jahres 1975). Aus diesem Grund schätzt die Kirche das demokratische System, da es all den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft eine Stimme verleiht und zur gemeinsamen Verantwortung ermutigt.

Eines jedoch ist immer der Fall: »Das Gutsein der Welt kann nie einfach durch Strukturen allein gewährleistet werden, wie gut sie auch sein mögen« (Spe salvi, 24). Die Demokratie allein ist nicht genug, wenn sie nicht durch Werte geführt und erleuchtet wird, die in der Wahrheit über die menschliche Person verwurzelt sind (vgl. Centesimus annus, 46).

Hier können die diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls zu den Staaten einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Während die Regierungen für die politische Staatsordnung Verantwortung tragen, verkündet die Kirche ohne Unterlaß ihre Sicht von der Würde und den Rechten der menschlichen Person, die von Gott gegeben sind. Auf dieser Grundlage hält sie die politisch Verantwortlichen dazu an sicherzustellen, daß das ganze Volk ihres Landes in Frieden und Freiheit leben kann, ohne Furcht vor Diskriminierung oder Ungerechtigkeit irgendeiner Art. Sie hält die zivilen Obrigkeiten an, das grundlegendste aller Rechte zu gewährleisten: das Recht auf Leben vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.

Daraus folgt das Recht, in einer geeinten Familie und in einem sittlichen Milieu zu leben, das dem persönlichen Wachstum zuträglich ist, das Recht, durch Bildung die Wahrheit zu suchen und zu erkennen, das Recht zu arbeiten und die Früchte der eigenen Arbeit zu genießen, das Recht, eine Familie zu gründen und Kinder in verantwortlicher Weise aufzuziehen. Die Synthese all dieser Rechte findet sich in der Religionsfreiheit, verstanden als »Recht, in der Wahrheit des eigenen Glaubens und in Übereinstimmung mit der transzendenten Würde der eigenen Person zu leben« (Centesimus annus, 47).

Die katholische Gemeinschaft der Fidschi- Inseln ist eifrig darauf bedacht, bei der Förderung der Achtung der menschlichen Person ihre Rolle zu spielen, besonders durch das Engagement im Bereich der Erziehung und Bildung und der karitativen Tätigkeit. Die angemessene Ausbildung der jungen Menschen und der Dienst an den Notleidenden gehört wesentlich zur Sendung der Kirche in der Welt; beide sind entscheidende Elemente ihres Beitrags zum Gemeinwohl der Gesellschaft. Dank der Anwesenheit von Christen verschiedener Traditionen sowie von Anhängern anderer Religionen bieten die Fidschi- Inseln einen fruchtbaren Boden für die Entwicklung ökumenischer Initiativen und für den interreligiösen Dialog. Die katholische Kirche freut sich, ihr Wissen und ihre Erfahrung in diesen Bereichen beizutragen und mit allen Männern und Frauen guten Willens zusammenzuarbeiten, um auf diese Weise für die Werte ein gemeinsames Zeugnis abzulegen, die einer »Zivilisation der Liebe« zugrunde liegen müssen. Diejenigen, die Gott verehren, müssen sich besonders für die Anliegen der Armen, der Geringen und der Wehrlosen einsetzen, denn diese werden seit jeher als Gott besonders nahestehend erkannt.

Herr Botschafter, wie Sie wissen, steht der Pazifikraum zur Zeit vielen Herausforderungen gegenüber: nicht zuletzt den Auswirkungen des Klimawandels, besonders auf die Inselbewohner, und der Notwendigkeit, die natürlichen Ressourcen zu bewahren. Die Schönheit von Gottes Schöpfung ist für jene, die im Südpazifik leben, besonders deutlich. Ich hoffe aufrichtig, daß durch regionale und globale Zusammenarbeit »ein annehmbares Entwicklungsmodell gemeinsam vereinbart werden « kann, »das unter Beachtung des ökologischen Gleichgewichts das Wohlergehen aller gewährleistet« (Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2008, 7). Auf diese Weise werden auch zukünftige Generationen der Bewohner der Pazifikinseln noch die Wunder von Gottes Schöpfergeist genießen und in wahrem Frieden und Eintracht mit der Natur leben können.

Exzellenz,

ich entbiete Ihnen meine besten Wünsche für den Erfolg Ihrer Mission und möchte Ihnen versichern, daß die verschiedenen Abteilungen der Römischen Kurie bereit sind, Hilfe und Unterstützung bei der Erfüllung Ihrer Pflichten anzubieten. Auf Sie, Exzellenz, Ihre Familie und das ganze Volk der Republik der Fidschi- Inseln rufe ich von Herzen Gottes reichen Segen herab.

 

© Copyright 2008 - Libreria Editrice Vaticana

 

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