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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN ISAAC CHIKWEKWERE LAMBA,
NEUER BOTSCHAFTER VON MALAWI
BEIM HL. STUHL

Donnerstag, 18. Dezember 2008

 

Exzellenz!

Zur Überreichung des Beglaubigungsschreibens, durch das Sie als bevollmächtigter Botschafter der Republik Malawi beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden, heiße ich Sie herzlich willkommen. Ich bitte Sie höflichst, dem Staatspräsidenten Dr. Bingu wa Mutharika meinen Gruß zu übermitteln, verbunden mit meinem Gebet und meinen guten Wünschen, auf daß der allmächtige Gott die Nation und ihr Volk mit Wohlergehen und Frieden segnen möge.

Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Erwähnung des Beitrags, den die Kirche zur geistlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Malawis leistet, besonders durch ihr Apostolat im Bereich der Erziehung, der karitativen Unterstützung und der Gesundheitsfürsorge. Quelle und Inspiration dieser Sendung ist der Wunsch der Kirche, von der Liebe Gottes Zeugnis zu geben (vgl. Deus caritas est, 20). Sie kennt als solche keine Grenzen der Rasse oder des Glaubens, sondern strebt danach, jedem Menschen die volle Entfaltung als Individuum und als Glied einer Gesellschaft zu ermöglichen, die von Solidarität und einer wirklichen Sorge um die Nöte anderer geprägt ist. Die kürzlich erfolgte Gründung der Katholischen Universität in Blantyre ist ein Zeichen für die Bemühungen der Kirche um die intellektuelle und menschliche Ausbildung jener jungen Menschen, die in der nächsten Generation eine tragende Rolle spielen werden und denen die Verantwortung zukommen wird, die Zukunft Ihres Landes und des Kontinents, zu dem es gehört, zu gestalten.

In der Tat hat Afrika ein zunehmendes Bewußtsein dafür, daß Einheit und Zusammenarbeit dringend notwendig sind, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen und seinem Volk eine solide und ganzheitliche Entwicklung zu gewährleisten. Das erfordert eine weise und weitblickende Politik, die kluge Verwaltung der Ressourcen und die Entschlossenheit, Korruption und Ungerechtigkeit einzudämmen und die zivile Verantwortung und brüderliche Solidarität auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern (vgl. Ecclesia in Africa, 92). Insbesondere die politisch Verantwortlichen müssen sich ihrer Pflicht, das Gemeinwohl zu fördern, zutiefst bewußt und daher dem Dialog und der Bereitschaft, Einzelinteressen im Dienst einer ganzheitlichen Politik zu überwinden, fest verbunden sein.

Wie viele seiner Nachbarn hat Malawi die Schwierigkeiten und Kämpfe erfahren, die den Bemühungen um den Aufbau einer freien, modernen und demokratischen Gesellschaft entspringen. Ich hoffe, daß die wichtigen Schritte, die die Personen, die in Ihrem Land im religiösen und gesellschaftlichen Bereich Verantwortung tragen, gegenwärtig unternehmen, um breitere Kommunikationswege und eine größere Zusammenarbeit im politischen Leben der Nation zu schaffen, in einer erneuerten Entschlossenheit Frucht tragen werden, die kritischen Fragen, denen Malawi gegenwärtig gegenübersteht, gemeinsam zu lösen.

Der Kampf gegen die Armut, die Notwendigkeit, Ernährungssicherheit zu gewährleisten, und das ständige Bemühen um die Bekämpfung von Krankheiten, besonders der Geißel der Aids- Krankheit, sind Entwicklungsprioritäten, die nicht aufgeschoben werden dürfen. Zusätzlich zu ihrem notwendigen wirtschaftlichen Aspekt muß wahre Entwicklung auch zur intellektuellen, kulturellen und sittlichen Förderung von Menschen und Völkern beitragen. Die Kirche ist überzeugt, daß das Evangelium das bestätigt und adelt, was in der überlieferten Weisheit und in den Werten der Völker, denen sie begegnet, wahr und gut ist (vgl. Nostra aetate, 2). Aus diesem Grund ist sie darauf bedacht, ganzheitliche Entwicklungsmodelle zu fördern, und lehnt Fortschrittsmodelle ab, die diesen überlieferten Werten zuwiderlaufen. Wenn Malawi ein gesundes Wirtschaftswachstum anstrebt, müssen die Erfüllung der Grundbedürfnisse des Menschen und die Gewährleistung eines menschenwürdigen Lebensstandards, besonders für die ärmsten Bevölkerungsschichten, auch weiterhin wesentliche Prioritäten bleiben. Ebenso müssen wirtschaftlich und ethisch gesunde Entwicklungsmodelle auch eine besondere Verpflichtung einschließen, die natürliche Umwelt zu achten. Sie ist ein der ganzen Menschheit anvertrauter Schatz, der zum Wohl zukünftiger Generationen verantwortungsvoll bewahrt und geschützt werden muß (vgl. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2008, 7).

Ihren Hinweis auf die religiöse Toleranz, die das Leben Ihrer Nation prägt, sowie auf die Bedeutung respektvoller und harmonischer Beziehungen zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen habe ich mit Anerkennung entgegengenommen. Die Religionsfreiheit, die durch Malawis Verfassung gewährleistet wird, hat die Kirche in die Lage versetzt, ohne Druck und Beeinträchtigungen ihre Botschaft zu verkündigen und ihrer erzieherischen und karitativen Arbeit nachzugehen. Sie hat es der katholischen Gemeinschaft auch erlaubt, frei am zivilen Leben teilzunehmen, zur Gewissensbildung beizutragen und die moralische Dimension der verschiedenen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen, die das Leben der Nation betreffen, hervorzuheben. Bei der Durchführung ihrer Aktivitäten sucht die Kirche in Malawi keine Privilegien für sich selbst, sondern nur die notwendige Unabhängigkeit, um ihre Sendung im Dienst Gottes und des Menschen zu verwirklichen. Da die Achtung des Gewissens und die Religionsfreiheit der Eckstein des ganzen Gebäudes der Menschenrechte sind (vgl. Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps, 7. Januar 2008), muß die sichere Gewährleistung dieser Rechte als Grundvoraussetzung für den Aufbau einer wirklich gerechten, freien und brüderlichen Gesellschaft betrachtet werden.

Exzellenz, während Sie sich anschicken, Ihre Mission im Dienst Malawis und seines Volkes aufzunehmen, entbiete ich Ihnen meine guten Wünsche, verbunden mit meinem Gebet, und versichere Ihnen, daß die verschiedenen Ämter des Heiligen Stuhls stets bereit sind, Ihnen bei der Erfüllung Ihres hohen Amtes zur Seite zu stehen. Ich bin zuversichtlich, daß Ihre Mission dazu dienen wird, die guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Malawi weiter zu festigen. Auf Sie und Ihre Familie sowie auf alle Ihre Mitbürger rufe ich von Herzen den Segen des allmächtigen Gottes herab, der Freude und Frieden schenken möge.

 

© Copyright 2008 - Libreria Editrice Vaticana

 

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