1. Ich möchte das Neue Jahr mit euch zusammen beginnen, liebe Brüder
und Schwestern, die ihr dieses gemeinsame Gebet zur Mittagsstunde zusammen mit
dem Papst liebt. Ich möchte das Jahr des Herrn 1980 mit der Anbetung des
dreieinigen Gottes beginnen. Er ist wirklich der Anfang und das Ende von allen
Dingen. Ihm sei Ehre und Lob in Ewigkeit. Kein Abschnitt unserer Zeit und kein
Teil unseres Seins können ihm entzogen werden, "der das All ganz und gar
beherrscht" (Eph 1, 23). Und auch dieses Jahr, das wir heute beginnen,
kann der Ehre des lebendigen Gottes nicht entzogen werden. Wenn der Mensch das
Kreuzzeichen macht und die Worte "Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes" spricht, dann bringt er damit zum Ausdruck, daß er
ganz aus Gott lebt und daß er seinen Geist, sein Herz, seine Arme, sein ganzes
Menschsein zu ihm hinwendet. So macht es der Mensch vor dem Gebet und vor der
Arbeit. So beginnt er jeden Tag. Wir tun dasselbe. Und wir wollen mit dem
Zeichen des Heiles dieses ganze Jahr, im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes umfangen, damit es uns nicht von Gott entfernt, sondern uns
näher zu ihm hinbringt.
2. Das Zeichen des Kreuzes ist das Zeichen Christi. Ihm gehört die Zeit
und ihr ganzes Maß, denn er hat uns erlöst und für die unvergleichliche Würde
der Menschen aller Generationen den Preis seines Blutes bezahlt.
Möge dieses Jahr 1980 ein neuer Abschnitt in der Geschichte unseres
Heils werden. Möge es mehr Wahrheit und mehr Liebe in die Herzen der Menschen
bringen, in den großen Kämpfen unserer Zeit die Waagschale des Guten überwiegen
lassen und das Gewicht auf der schrecklichen Seite des Bösen verringern. Mögen
doch in den internationalen Spannungen, die gerade in den letzten Wochen und
noch mehr in diesen Tagen, besonders im asiatischen Kontinent, sich zu
verstärken scheinen, das Verantwortungsbewußtsein und die Berücksichtigung des
höchsten Interesses, des Friedens, die Oberhand behalten, in Achtung der
Grundsätze, die das internationale Zusammenleben und vor allem die Rechte aller
Völker regeln.
Möge dieses vorletzte Jahrzehnt unseres. Jahrhunderts gut beginnen!
Möge es das Jahr des Friedens sein! Vor allem darum wollen wir heute im Namen
Jesu Christi beten. Darauf wollen wir die Gedanken und die Werke aller Menschen
guten Willens in der Welt hinlenken. Dem soll auch die Botschaft dienen, die
daran erinnert, daß zur Basis des Friedens die Wahrheit gehört. Sie ist seine
Stärke. Wenn wir uns nicht auf diese Kraft beziehen, werden uns die vielerlei
Kalkulationen und Deklarationen furchtbar täuschen können. Das Grauen des
Krieges in der Zukunft ist so groß, daß wir uns nicht auf das Risiko der
Unwahrheit einlassen dürfen, denn diese bereitet, auch wenn sie nicht
unmittelbar den Krieg hervorruft, ihm doch auf verschiedene Weise den Weg.
3. Beginnen wir dieses Jahr also im Geist der Rückbesinnung auf die
Wahrheit, die uns Christus gelehrt hat. Und beginnen wir es auch mit einem
erneuten Akt der Hingabe an jene, die Mutter Christi ist. An jene, die dem Sohn
Gottes das menschliche Leben gegeben hat.
Wir wollen über alle Menschen den Mantel dieser Mutterschaft breiten,
welche die Kirche am ersten Tag des Neuen Jahres mit besonderer Verehrung
umgibt, da er ja zugleich der letzte Tag der Weihnachtsoktav ist.
Wir möchten also durch diese Mutterschaft die ganze Menschheit vor dem
Unheil beschützen, das sie bedroht. Denn es ist eine mächtige Mutterschaft. Das
bezeugen unaufhörlich das Wort Gottes und das Leben der Kirche. Es gibt in der
Welt nichts, was mehr des Schutzes und der Sicherheit bedarf als die
Mutterschaft. Und es gibt nichts, was besser den Frieden sichern könnte als sie.
So wollen wir zum ersten Mal in diesem Neuen Jahr den Engel des Herrn
beten. Betrachten wir die Mutterschaft der Gottesmutter, empfehlen wir Gott in
diesem Gebet das große Anliegen des Friedens in der Welt.