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APOSTOLISCHES SCHREIBEN
EUNTES IN MUNDUM
VON PAPST JOHANNES PAUL II. ZUR
TAUSENDJAHRFEIER DER "TAUFE" DER RUS' VON KIEW
I.
GEEINT IN DER GNADE DES SAKRAMENTES
1. "Geht in alle Welt und lehrt alle Völker; tauft sie im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes (vgl. Mt 28, 19; Mk 16,
15).
Von den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus in Rom aus möchte die
katholische Kirche dem einen und dreifaltigen Gott ihre tiefe Dankbarkeit dafür
bekunden, daß diese Worte des Erlösers vor eintausend Jahren an den Ufern des
Dnjepr in Erfüllung gegangen sind, in Kiew, der Hauptstadt der Rus', deren
Bewohner - nach dem Beispiel der Fürstin Olga und des Fürsten Wladimir - durch
das Sakrament der Taufe in Christus »eingepflanzt« worden sind.
In der Nachfolge meines verehrten Vorgängers Pius XII., der den 950.
Jahrestag der Taufe der Rus' feierlich hat begehen wollen [1], möchte ich mit
diesem Schreiben dem unermeßlichen Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist, Lob und
Dank dafür aussprechen, daß er die Söhne und Töchter vieler Völker und Nationen,
die das christliche Erbe der in Kiew gespendeten Taufe angenommen haben, zum
Glauben und zum Gnadenleben berufen hat. Sie gehören vor allem zur russischen,
ukrainischen und weißrussischen Nation in den östlichen Regionen des
europäischen Kontinents. Durch den Dienst der Kirche, der in der Taufe zu Kiew
begonnen hat, ist dieses Erbe über den Ural hinaus zu vielen Völkern Nordasiens
vorgedrungen, ja bis an die Küsten des Pazifiks und noch weiter darüber hinaus.
In der Tat, bis an die Enden der Erde ist ihre Stimme gedrungen (vgl. Ps
19, 5; Röm 10, 18).
Indem wir dem heiligen Pfingstgeist für eine solche Ausdehnung eines
christlichen Erbes, das bis auf das Jahr des Herrn 988 zurückgeht, danksagen,
wollen wir zuallererst unsere Aufmerksamkeit auf das Heilsgeheimnis der Taufe
selbst richten. Diese ist - wie uns der Herr Jesus Christus lehrt - das
Sakrament der Wiedergeburt aus Wasser und Heiligem Geist (vgl. Joh 3, 5)
und führt den Menschen, den Gott an Kindes Statt angenommen hat, in das ewige
Gottesreich ein. Und der heilige Paulus spricht von einem »Eintauchen in den
Tod« des Erlösers, um zusammen mit ihm zu einem neuen Leben in Gott
»aufzuerstehen« (vgl. Röm 6, 4). Als daher die ostslawischen Völker, die
im Großfürstentum der Rus' von Kiew wohnten, in das Wasser der heiligen Taufe
stiegen, vertrauten sie sich so - als für sie die Fülle der Zeit gekommen war
(vgl. Gal 4, 4) - dem Heilsplan Gottes an. So gelangte zu ihnen die Kunde
von den »Großtaten Gottes« und, wie einst in Jerusalem, kam auch zu ihnen das
Pfingstereignis (vgl. Apg 2, 37-39): Indem sie in das Taufwasser
eintauchten, erfuhren sie die »Waschung zur Wiedergeburt« (vgl. Tit 3,
5).
Wie reich an Inhalt ist doch im Byzantinischen Ritus das alte Gebet zur
Segnung des Taufwassers, das die orientalische Theologie gern mit den Wassern
des Jordans vergleicht, in die der Erlöser der Menschen stieg, um nach der
Gewohnheit der Bewohner von Judäa und Jerusalem die Bußtaufe zu empfangen:
»Schenke ihm (dem Taufwasser) ... den Segen des Jordans; mache es zu einer
Quelle der Unvergänglichkeit ... mache aus diesem erlösenden Wasser ein Wasser
der Heiligung, das Reinigung von Leib und Geist, Befreiung .von den Fesseln,
Vergebung der Sündenschulden, Erleuchtung der Seelen, Waschung zur Wiedergeburt,
Erneuerung des Geistes, Gabe der Gotteskindschaft, Kleid der Unvergänglichkeit,
Lebensquelle sei ... Gib, daß der Getaufte den neuen Menschen anziehe, erneuert
nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat; auf daß er, der mit ihm in der
Ähnlichkeit seines Todes innig vereint ist, durch die Taufe auch seiner
Auferstehung teilhaft werde und, indem er das Geschenk des Heiligen Geistes treu
bewahre, ... den Preis der himmlischen Berufung erlange und den Ersterlösten
zugezählt werde, die im Himmel aufgezeichnet sind ...«. [2]
Die in der Ferne gelebt hatten, fanden sich nun durch die Taufe eingetaucht
in jenen Kreislauf des Lebens, in dem sich die Heiligste Dreifaltigkeit - Vater,
Sohn und Heiliger Geist - dem Menschen schenkt und in ihm ein neues Herz
schafft, das aus der Sünde befreit ist und fähig wird, dem ewigen Plan
göttlicher Liebe in kindlichem Vertrauen zu folgen. Zur gleichen Zeit sind jene
Völker und ihre einzelnen Mitglieder in den Bereich der großen Familie der
Kirche eingetreten, in der sie an der Eucharistiefeier teilnehmen, das Wort
Gottes hören und es bezeugen, ein Leben in brüderlicher Liebe führen und in
gegenseitigem Austausch an den geistlichen Gütern teilhaben können. Dies fand
seinen symbolischen Ausdruck in den alten Riten der heiligen Taufe, wenn sich
die Neugetauften in weißen Kleidern in einer Prozession von der Taufkirche zur
Gemeinschaft der Gläubigen begaben, die in der Kathedrale versammelt waren.
Diese Prozession war der liturgische Einzug und zugleich das Symbol ihres
Eintritts in die eucharistische Gemeinschaft der Kirche, des Leibes Christi. [3]
2. In diesem Geist und mit solchen Empfindungen möchten wir an den Festfeiern
und an der Freude zum Tausendjahrgedenken der Taufe der Rus' von Kiew
teilnehmen. Wir erinnern uns dieses Ereignisses in der Sehweise, wie sie der
Kirche Christi zu eigen ist, das heißt, im Geist des Glaubens. Es war gewiß ein
Ereignis von sehr großer Bedeutung. Die Worte des Herrn bei Jeremias: »Mit
ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dir so lange die Treue
bewahrt« (Jer 31, 3), haben ihre volle Verwirklichung gefunden im Blick
auf jene neuen Völker und ihre Heimatländer. Die Rus' von Kiew ist in den
Bereich der Erlösung eingetreten und selbst ein Teil dieses Bereiches geworden.
Ihre Taufe löste eine neue Welle der Heiligkeit aus. Sie wurde eine bedeutsame
Stunde für den missionarischen Einsatz der Kirche, eine neue wichtige Etappe in
der Entwicklung des Christentums: Die gesamte katholische Kirche schaut darum
auf dieses Ereignis und nimmt geistig an der Festfreude der Erben jener Taufe
Anteil.
Wir sagen Dank dem barmherzigen Gott, dem einen Gott in der Heiligsten
Dreifaltigkeit, dem lebendigen Gott, dem Gott unserer Väter; wir sagen Dank dem
Vater Jesu Christi und dem Herrn Jesus Christus selbst, der im Sakrament der
heiligen Taufe dem Geist des Menschen den Heiligen Geist schenkt. Wir sagen Gott
Dank für seinen Heilsplan der Liebe; wir danken ihm für den Glaubensgehorsam,
den ihm die Völker und Nationen, die Länder und Kontinente entgegengebracht
haben. Natürlich hat dieser Glaubensgehorsam seine geschichtlichen,
geographischen und menschlichen Bedingungen gehabt. Es ist Aufgabe der
Wissenschaftler, all jene politischen, sozialen, kulturellen und
wirtschaftlichen Aspekte zu untersuchen und zu vertiefen, die sich dort aus der
Annahme des christlichen Glaubens ergaben. Ja, wir wissen und betonen es, daß
Früchte auf allen Feldern menschlicher Existenz heranwachsen, wenn man Christus
im Glauben annimmt und seine Gegenwart in der Gemeinde wie im Leben des
einzelnen erfährt. Die lebenspendende Verbindung mit Christus ist ja nicht
irgendein Anhängsel des Lebens noch eine überflüssige Verzierung daran, sondern
seine endgültige Wahrheit. Jeder Mensch ist bereits von seiner Menschennatur
selbst her dazu berufen, an den Früchten der Erlösung Christi und sogar an
dessen eigenem Leben teilzuhaben.
In höchster Verehrung beugen wir uns, nachdem 1000 Jahre vergangen sind, vor
diesem Geheimnis und betrachten seine Tiefe und Kraft, zunächst bei denen, die
an der Taufe der Rus' in eigener Person teilgenommen haben und danach bei jedem
und bei allen, die ihrem Beispiel gefolgt sind und in ihrer Taufe die
heiligmachende Kraft des Tröstergeistes empfangen haben.
II.
"ALS ABER DIE ZEIT ERFÜLLT WAR..."
3. »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer
Frau« (Gal 4, 4).
Die Fülle der Zeit kommt von Gott; aber die Menschen bereiten sie vor: Sie
kommt für die Menschen und durch die Menschen. Das gilt für die »Fülle der Zeit«
in der allgemeinen Heilsordnung, die auch selbst ihre menschliche Bedingtheit
und ihre konkrete Geschichte hat. Das gilt aber auch für den Augenblick, da sich
die einzelnen Völker dem Hafen des Glaubens und des Heils nähern: für ihre
»Fülle der Zeit« also. Auch die 1000 Jahre der Taufe und Bekehrung der Rus'
haben ihre Vorgeschichte. Der Prozeß der Christianisierung der einzelnen Völker
und Nationen ist eine komplexe Wirklichkeit und erfordert eine lange Zeit. Im
Land der Rus' wurde er durch die Versuche vorbereitet, welche die Kirche von
Konstantinopel im 9. Jahrhundert unternommen hat. [4] Danach, im Verlauf des 10.
Jahrhunderts, begann der christliche Glaube dank jener Missionare in die Region
vorzudringen, die nicht nur von Byzanz her kamen, sondern auch aus den Ländern
der benachbarten Westslawen welche die Liturgie in slawischer Sprache und nach
dem Ritus der heiligen Cyrill und Methodius feierten - sowie aus den Ländern des
lateinischen Westens. Wie die alte sogenannte Nestor-Chronik (»Povest'
Vremennykh Let«) bezeugt, gab es im Jahre 944 zu Kiew eine christliche Kirche,
die dem Propheten Elija geweiht war. [5] In diesem schon bereiteten Umfeld ließ
sich die Fürstin Olga um das Jahr 955 aus freiem Entschluß und öffentlich taufen
und blieb danach ihren Taufversprechen immer treu. An sie habe der Patriarch
Polyeuktos im Verlaufe ihres Besuches in Konstantinopel vom Jahre 957 einen
gleichsam prophetischen Gruß gerichtet: »Gesegnet seist du unter den russischen
Frauen, weil du das Licht geliebt und die Finsternis vertrieben hast. Darum
werden dich seligpreisen die russischen Söhne bis zur letzten Generation«. [6]
Olga hatte allerdings nicht die Freude, ihren Sohn Swjatoslaw als Christen zu
sehen. Ihr geistliches Erbe wurde von ihrem Enkel Wladimir übernommen, der
Hauptperson bei der Taufe von 988; er nahm den Christenglauben an und förderte
die bleibende und endgültige Bekehrung des Volkes der Rus'. Wladimir und die
Neubekehrten verspürten die Schönheit der Liturgie und des religiösen Lebens der
Kirche von Konstantinopel. [7] So übernahm die neue Kirche der Rus' von
Konstantinopel das gesamte Erbe des christlichen Ostens und alle ihm eigenen
Schätze auf dem Gebiet der Theologie, Liturgie und Spiritualität, des
kirchlichen Lebens und der Kunst.
Der byzantinische Charakter dieses Erbes wurde allerdings von Anfang an in
eine neue Dimension übertragen: Die slawische Sprache und Kultur wurden ein
neuer Rahmen für das, was bisher seinen byzantinischen Ausdruck in der
Hauptstadt des Ostreiches und auch auf dem gesamten Gebiet, das über
Jahrhunderte hin mit ihm verbunden war, gefunden hatte. Zu den Ostslawen
gelangten so das Wort Gottes und die damit verbundene Gnade in einer Form, die
ihnen in kultureller und geographischer Hinsicht näherstand. Jene Slawen, die
das Wort des Evangeliums durchaus mit ganzem Glaubensgehorsam angenommen hatten,
wünschten doch zugleich, ihm einen Ausdruck in den eigenen Denkformen und mit
der eigenen Sprache zu geben. Auf diese Weise kam es zu jener besonderen
»slawischen Inkulturation« des Evangeliums und des Christentums, die an das
große Werk der heiligen Cyrill und Methodius anknüpft, die von Konstantinopel
aus das Christentum in slawischer Form nach Großmähren und durch ihre Schüler zu
den Völkern des Balkans gebracht hatten.
Auf diesem Wege empfingen der hl. Wladimir und die Bewohner der Rus' von Kiew
ihre Taufe von Konstantinopel aus, dem größten Zentrum des christlichen Ostens,
und dadurch fand diese junge Kirche Zugang zum reichen byzantinischen
Patrimonium, zu seinem Erbe an Glauben, kirchlichem Leben und Kultur. Dieses
Patrimonium wurde den großen Scharen von Ostslawen sofort zugänglich und konnte
von ihnen leichter in ihr Leben aufgenommen werden, weil seine Übermittlung von
Anfang an durch das Wirken der beiden heiligen Brüder von Thessalonich
begünstigt war. Die Heilige Schrift und die liturgischen Bücher kamen aus den
kulturellen und religiösen Zentren der Slawen, die jene Liturgiesprache
angenommen hatten, die von den beiden Heiligen eingeführt worden war.
Dank seiner Weisheit und Intuition und aus Sorge für das Wohl der Kirche und
des Volkes stimmte Wladimir in der Liturgie anstelle des Griechischen der
altslawischen Sprache zu und »benützte sie als wirksames Werkzeug, um die
göttlichen Wahrheiten allen Menschen dieser Sprache näherzubringen«. [8] Wie ich
in meinem Rundschreiben Slavorum Apostoli geschrieben habe, [9] hatten
die heiligen Cyrill und Methodius, auch wenn sie sich des kulturellen und
theologischen Vorranges des griechisch-byzantinischen Erbes, das sie in sich
trugen, bewußt waren, dennoch den Mut, sich zum Wohl der slawischen Völker einer
anderen Sprache und auch einer anderen Kultur zu bedienen, um den Glauben zu
verkünden.
Auf diese Weise stellte die altslawische Sprache bei der Taufe der Rus' ein
wichtiges Mittel dar: zunächst für die Evangelisierung selbst und dann für die
eigenständige Entwicklung des zukünftigen kulturellen Erbes dieser Völker - eine
Entwicklung, die in vielen Bereichen ein Reichtum für das Leben und die Kultur
der ganzen Menschheit geworden ist.
Man muß in der Tat mit aller Gewißheit und in Treue zur geschichtlichen
Wahrheit unterstreichen, daß nach der Vorstellung der beiden heiligen Brüder von
Thessalonich mit der slawischen Sprache in der Rus' der Stil der byzantinischen
Kirche eingeführt worden ist, die zu jener Zeit noch in voller Gemeinschaft mit
Rom stand; danach aber ist diese Tradition in eigenständiger und vielleicht
einmaliger Weise auf der Grundlage der angestammten Kultur und auch durch
Kontakte mit den Nachbarvölkern des Westens weiterentwickelt worden.
4. Die Fülle der Zeit für die Taufe des Volkes der Rus' kam also gegen Ende
des ersten Jahrtausends, als die Kirche noch ungeteilt war. Wir müssen dem Herrn
gemeinsam danken für diese Tatsache, die heute eine Sehnsucht und eine Hoffnung
darstellt. Es war Gottes Wille, daß die Mutter Kirche in sichtbarer Einheit und
zu einer Zeit missionarischer Ausdehnung im Westen wie im Osten diese ihre neue
Tochter, die an den Ufern des Dnjepr geboren wurde, in ihren Schoß aufnahm, der
schon so reich war an Nationen und Völkern. Es gab die Ostkirche, und es gab die
Westkirche, jede nach einer Entwicklung entsprechend den je eigenen
theologischen, rechtlichen und liturgischen Traditionen und mit sogar
bedeutenden Unterschieden; aber es herrschte volle Gemeinschaft zwischen Ost und
West, zwischen Rom und Konstantinopel, mit gegenseitigen Beziehungen. Und es ist
die ungeteilte Kirche des Ostens und des Westens gewesen, welche die Kirche von
Kiew aufgenommen und unterstützt hat. Bereits die Fürstin Olga hatte von Kaiser
Otto I. einen Bischof erbeten - und im Jahre 961 auch erhalten -, »der ihnen den
Weg zur Wahrheit zeige«; es war der Mönch Adalbert von Trier, der sich auch
tatsächlich nach Kiew begeben hat, wo allerdings das fortdauernde Heidentum ihn
daran hinderte, seine Mission zu erfüllen. [10]
Fürst Wladimir war sich dieser Einheit der Kirche und Europas bewußt; darum
unterhielt er Beziehungen nicht nur mit Konstantinopel, sondern auch mit dem
Westen und mit Rom, dessen Bischof als derjenige anerkannt war, der der
Gemeinschaft der ganzen Kirche vorstand. Nach der Chronik des Nikon habe es
Gesandtschaften zwischen Wladimir und den Päpsten jener Zeit gegeben: mit
Johannes XV. (der ihm als Geschenk gerade zum Taufjahr 988 einige Reliquien vom
heiligen Papst Klemens gesandt habe als deutliche Anspielung auf die Mission der
heiligen Cyrill und Methodius, die jene Reliquien von Cherson nach Rom gebracht
hatten) und mit Silvester II. [11] Bruno von Querfurt, von demselben Silvester
II. zur Missionspredigt ausgesandt mit dem Titel »Erzbischof der Völker« (archiepiscopus
gentium), besuchte um das Jahr 1007 Fürst Wladimir, genannt »König der Russen« (rex
Russorum). [12] Später gab auch der heilige Papst Gregor VII. den Fürsten von
Kiew den Königstitel, und zwar in seinem Brief vom 17. April 1075, der an
»Demetrius (Isjaslaw), König der Russen, und seine Gattin, die Königin« (Demetrio
regi Ruscorum et reginae uxori eius) adressiert war; diese hatten nämlich ihren
Sohn Jaropolk auf Pilgerfahrt zu den Apostelgräbern (ad limina apostolorum)
gesandt und damit erreicht, daß ihr Reich unter den Schutz des heiligen Petrus
gestellt wurde. [13] Diese Anerkennung der vom Fürstentum Wladimirs erworbenen
staatlichen Souveränität durch einen römischen Papst verdient hervorgehoben zu
werden; denn dank der Taufe von 988 hatte jener seinen Staat auch politisch
gefestigt, wobei er seine Entwicklung und die Integration der Völker, die zu
jener Zeit innerhalb seiner damaligen wie auch späteren Grenzen wohnten,
förderte. Diese prophetische Tat, in die Kirche einzutreten und das eigene
Fürstentum in den Kreis der christlichen Nationen einzuführen, trug ihm den
ehrenvollen Titel eines Heiligen und eines Vaters derjenigen Nationen ein, die
in der Folge aus jenem Fürstentum hervorgingen.
So wurde Kiew mit dieser Taufe ein besonderer Kreuzungspunkt verschiedener
Kulturen, ein Gebiet religiöser Einflüsse auch für den Westen, wie der Kult
einiger in der lateinischen Kirche verehrter Heiligen bezeugt, und im Laufe der
Zeit ein wichtiger Mittelpunkt kirchlichen Lebens und missionarischer
Ausstrahlung mit einem sehr weiten Einflußgebiet: nach Westen bis zu den
Karpathen, von den südlichen Ufern des Dnjepr bis nach Nowgorod und von den
nördlichen Ufern der Wolga - wie schon gesagt - bis hin zu den Küsten des
Pazifischen Ozeans und darüber hinaus. Kurz gesagt, durch das neue Zentrum
kirchlichen Lebens, zu dem Kiew vom Augenblick an wurde, als es die Taufe
empfing, gelangten das Evangelium und die Glaubensgnade zu jenen Völkern und
Gebieten, die heute mit dem Patriarchat von Moskau, was die orthodoxe Kirche
betrifft, und mit der ukrainischen katholischen Kirche verbunden sind, deren
volle Gemeinschaft mit dem Bischofssitz von Rom in Brest erneuert worden ist.
III.
GLAUBE UND KULTUR
5. Die Taufe der Rus' von Kiew bezeichnet also den Anfang einer langen
geschichtlichen Entwicklung, in der sich das ursprüngliche
byzantinisch-slawische Profil des Christentums im Leben der Kirche, der
Gesellschaft und all jener Nationen weiterentfaltet und verbreitet, welche in
ihm die Jahrhunderte hindurch und auch heute das Fundament ihrer eigenen
geistigen Identität finden.
Als im Verlauf der Geschichte stürmische Ereignisse diese Identität
wiederholt tief getroffen haben, wurden gerade die Taufe' und die christliche
Kultur - empfangen von der Universalkirche und auf der Grundlage der eigenen
geistigen Reichtümer weiterentwickelt - die Kräfte, die über ihr Fortbestehen
entschieden haben.
Wladimir empfing die Taufe, indem er sich zusammen mit seinem Volk der
erlösenden Macht Christi öffnete gemäß den Worten des Petrus, die in der
Apostelgeschichte von ihm berichtet werden: »In keinem anderen ist das Heil zu
finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name runter dem Himmel gegeben,
durch den wir gerettet werden sollen« (4, 12). Als er diesen Namen annahm, der
»größer ist als alle Namen«, und die Missionare der Kirche einlud, diesen Namen
in das Herz der Slawen der Rus' von Kiew einzusenken, damit »jeder Mund bekennt:
"Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters« (Phil 2, 9.
11), sah er darin auch ein entscheidendes Element für jenen zivilen und
menschlichen Fortschritt, der für die Existenz und die Entwicklung jeder Nation
und jedes Staates von sehr großer Bedeutung ist. Darum griff er eine
Entscheidung seiner Großmutter, der heiligen Olga, wieder auf und gab ihrem Werk
eine endgültige und feste Form.
Die Taufe von Wladimir dem Großen und danach des von ihm beherrschten Landes
war von großer Bedeutung für die gesamte geistige Entwicklung dieses Teils von
Europa und der Kirche wie auch für die ganze byzantinisch-slawische Kultur und
Zivilisation.
Die Annahme des Evangeliums besagt nicht nur die Einführung eines neuen und
kostbaren Elements in die Struktur jener konkreten Kultur; sie war vielmehr die
Aussaat eines Samens, der dazu bestimmt war, zu keimen und sich auf der Erde zu
entfalten, in die er eingesenkt worden war, und sie nach dem Maß seiner
Entwicklung umzuformen, indem er sie befähigte, neue Früchte hervorzubringen.
Das ist die Dynamik des Himmelreiches: Es ist mit ihm »wie mit einem Senfkorn,
das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern;
sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und
wird zu einem Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen
nisten« (Mt 13, 31-32).
Auf diese Weise wurde also das geistige Erbe der byzantinischen Kirche, das
durch die slawische Sprache als Sprache der Liturgie in die Rus' von Kiew
eingeführt worden war, auch selbst immer reicher auf der Grundlage des örtlichen
kulturellen Erbes und dank der Kontakte mit den angrenzenden christlichen
Ländern und glich sich fortschreitend den Bedürfnissen und der Mentalität der
Völker an, die jenes Großfürstentum bewohnten.
6. Der Gebrauch der slawischen Sprache als Mittel für die Weitergabe der
Botschaft Christi und für die gegenseitige Verständigung hatte auch positive
Auswirkungen auf ihre eigene Verbreitung und Weiterentwicklung. Sie erhielt von
daher den Anstoß für eine Umwandlung von innen heraus und für eine
fortschreitende Vervollkommnung, indem sie Schriftsprache wurde und somit einer
der wichtigsten Faktoren, die in der Lage sind, über die Kultur einer Nation,
über ihre Identität und geistige Kraft zu entscheiden. Auf dem Gebiet der Rus'
hat sich dieser Prozeß als besonders dauerhaft erwiesen und sehr reiche Früchte
hervorgebracht. Das Christentum ist auf diese Weise der Sehnsucht der Menschen
nach Wahrheit, nach Wissen und autonomer Entwicklung entgegengekommen auf der
Grundlage der Inspiration des Evangeliums und der Dynamik der Offenbarung.
Dank des Erbes von Cyrill und Methodius ist es dort zur Begegnung des Ostens
mit dem Westen, zur Begegnung der ererbten Werte mit jenen neuen gekommen. Die
Elemente des christlichen Erbes sind in das Leben und in die Kultur jener
Nationen eingedrungen. Sie haben die literarische, philosophische, theologische
und künstlerische Kreativität angeregt und dadurch eine ganz eigenständige Form
der europäischen Kultur, ja der menschlichen Kultur als solcher geschaffen.
Auch heute weckt die universale Dimension der Probleme der einzelnen Menschen
und der Gesellschaften, wie sie von der Literatur und der Kunst jener Nationen
dargeboten wird, in der Welt eine bleibende Bewunderung. Diese Dimension, die
aus der christlichen Lebensauffassung entsteht und daraus erwächst, findet darin
einen festen Bezugspunkt für die Art und Weise, über den Menschen, seine
Probleme und sein Schicksal zu denken und zu sprechen.
Zu diesem gemeinsamen Erbe, zu diesem gemeinsamen Gut haben die Ostslawen im
Lauf der Jahrhunderte ihren eigenen ursprünglichen Beitrag geleistet, besonders
was ihr geistliches Leben und ihre Frömmigkeit betrifft. Diesem Beitrag bekundet
die Kirche von Rom die gleiche Achtung und Liebe, wie sie sie für das reiche
Erbe des ganzen christlichen Ostens hegt. Die Ostslawen haben eine Geschichte,
eine Spiritualität, liturgische Traditionen und rechtliche Gewohnheiten
geschaffen, die ihrer Eigenart entsprechen, und das im Einklang mit der
Tradition der Ostkirchen; ferner auch einige Formen der theologischen Reflexion
über die offenbarte Wahrheit, die sich von den im Westen gebräuchlichen
unterscheiden, diese aber zugleichergänzen.
7. Diese Tatsache ist vom II. Vatikanischen Konzil aufmerksam beachtet
worden. Denn das Dekret über den Ökumenismus sagt unter anderem: »Es darf
ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, daß die Kirchen des Orients von Anfang an
einen Schatz besitzen, aus dem die Kirche des Abendlandes in den Dingen der
Liturgie, in ihrer geistlichen Tradition und in der rechtlichen Ordnung vielfach
geschöpft hat«. [14] Zur Reflexion anregende Hinweise werden uns auch aus dem
geboten, was dasselbe Konzilsdekret über den Reichtum der Liturgie und der
geistlichen Tradition der Ostkirche sagt: »Es ist allgemein bekannt, mit welcher
Liebe die orientalischen Christen die liturgischen Feiern begehen, besonders die
Eucharistiefeier, die Quelle des Lebens der Kirche und das Unterpfand der
kommenden Herrlichkeit, bei der die Gläubigen, mit ihrem Bischof geeint, Zutritt
zu Gott, dem Vater, haben durch den Sohn, das fleischgewordene Wort, der
gelitten hat und verherrlicht wurde, in der Ausgießung des Heiligen Geistes, und
so die Gemeinschaft mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit erlangen, indem sie
"der göttlichen Natur teilhaftig" (2 Petr 1, 4) geworden sind. So baut
sich auf und wächst durch die Feier der Eucharistie des Herrn in diesen
Einzelkirchen die Kirche Gottes, und durch die Konzelebration wird ihre
Gemeinschaft offenbar«. [15]
Ferner sind die theologischen Traditionen der Christen des Ostens »in ganz
besonderer Weise in der Heiligen Schrift verwurzelt« und »werden durch das
liturgische Leben gefördert und zur Darstellung gebracht, genährt von der
lebendigen apostolischen Tradition und von den Schriften der Väter und
geistlichen Schriftsteller des Orients« und führen hin »zur rechten Gestaltung
des Lebens, überhaupt zur vollständigen Betrachtung der christlichen Wahrheit«.
[16]
Die Spiritualität der Ostslawen, die ein besonderes Zeugnis für die
Fruchtbarkeit der Begegnung des menschlichen Geistes mit den christlichen
Mysterien ist, übt weiterhin einen heilsamen Einfluß auf das Bewußtsein der
ganzen Kirche aus. Besonders erwähnenswert ist die für sie charakteristische
Verehrung für das Leiden Christi, die Empfänglichkeit für das Geheimnis des
Leidens, verbunden mit der erlösenden Wirkkraft des Kreuzes. Vielleicht war für
die Verbreitung dieser Spiritualität nicht ganz unbedeutend die Erinnerung an
den unschuldigen Tod von Boris und Gleb, den Kindern Wladimirs, die von ihrem
Bruder Svjatopolk getötet worden sind. [17]
Diese Spiritualität findet ihren vollkommensten Ausdruck im Lobpreis unseres
»gütigen« (sladcajsi) Herrn Jesus Christus im Geheimnis des Leidens und der »kenosis«,
die er in seiner Menschwerdung und in seinem Tod am Kreuz vollzogen hat (vgl.
Phil 2, 5-8). Gleichzeitig wird sie aber in der Liturgie auch vom Licht des
auferstandenen Christus erhellt, das in gewissem Maße vom Glanz der Verklärung
auf dem Berg Tabor vorausgenommen wird, in der Herrlichkeit des
Auferstehungstages (voskresienie) voll hervortritt und vom Heiligen Geist zu
Pfingsten in Form von feurigen Zungen über den Aposteln der Welt offenbart wird.
An dieser Erfahrung erhalten fortwährend diejenigen Anteil, die die Taufe
empfangen. Wie könnten wir in diesem Zusammenhang nicht auf die Christen
hinweisen, die in all jenen Gebieten leben und gelebt haben und im Tod und in
der Auferstehung Christi im Laufe dieses Jahrtausends oft Kraft und Stütze
gefunden haben, um ihre Treue zum Evangelium nicht nur mit einer kohärenten
täglichen Lebensführung, sondern auch mit mutig ertragenen Leiden nicht selten
bis zur äußersten Probe des Blutvergießens zu bezeugen? Diese Form der »kenosis«
Christi in der Sicht der Kirche von Kiew hat sich dem Herzen der Ostslawen tief
eingeprägt; sie war und ist für sie Quelle großer Kraft in den vielfältigen
Widerwärtigkeiten, denen sie auf ihrem Weg begegnet sind.
8. Im Werk der Festigung der Kirche und der »Inkulturation« des Christentums
unter den Ostslawen - wie übrigens in der ganzen Ostkirche - ist der Einfluß des
monastischen Lebens unermeßlich gewesen. Kiew hat sich relativ früh durch die
berühmte »Pecerskaja Lavra« (Kloster der Grotten) ausgezeichnet, die von den
heiligen Antonius († 1073) und Theodosius († 1074) gegründet worden ist.
Es ist also kein Zufall, daß der Mönch, vor allem der sogenannte »starec«
(Ältester), sowohl von den großen Schriftstellern als auch von den einfachen
Leuten als geistlicher Führer angesehen worden ist. Die Klöster wurden Zentren
des liturgischen, geistlichen, sozialen und sogar wirtschaftlichen Lebens. Die
Herrscher wandten sich an die Mönche als Ratgeber, Richter, Diplomaten und
Lehrmeister.
Die Worte »Kult« und »Kultur« haben die gleiche Wurzel. Der christliche Kult
hat auch bei den Ostslawen eine außergewöhnliche Entwicklung der Kultur in allen
ihren Formen bewirkt.
Die religiöse Kunst ist von tiefer Spiritualität und hoher mystischer
Inspiration durchdrungen. Wer in der Welt kennt nicht heute die berühmten und
verehrten Ikonen der Ostkirchen, die herrlichen Kathedralen der hl. Sophia von
Kiew und von Nowgorod aus dem 11. Jahrhundert, die Kirchen und Klöster, die für
die Landschaft jener Länder so charakteristisch sind? Die Literatur von Kiew ist
zum größten Teil religiöser Art. Die neuen Hymnen und kirchlichen Gesänge sind
fast ein Ausfluß der heimatlichen Formen der musikalischen Tradition. Noch darf
vergessen werden, daß die ersten Schulen in der Rus' genau im 11. Jahrhundert
entstanden sind. Dies alles, wenn es hier auch nur kurz erwähnt werden kann,
stellt ein unauslöschbares Zeugnis für die außerordentliche religiöse und
kulturelle Blüte dar, die von der Taufe der Rus' von Kiew ausgegangen ist.
Wie zutreffend erscheint also die Bemerkung des II. Vatikanischen Konzils:
»Die Kirche entzieht ... nichts dem zeitlichen Wohl irgendeines Volkes. Vielmehr
fördert und übernimmt sie Anlagen, Fähigkeiten und Sitten der Völker, soweit sie
gut sind; zugleich reinigt, kräftigt und hebt sie diese«. [18]
IV.
AUF DIE VOLLE GEMEINSCHAFT HIN
9. Die Taufe der Rus' vollzog sich - wie ich unterstrichen habe - zu einer
Zeit, in der sich schon die beiden Formen des Christentums entwickelt hatten:
die östliche, verbunden mit Byzanz, und die westliche, verbunden mit Rom,
während die Kirche weiterhin einig und ungeteilt blieb. Diese Überlegung
entzündet in uns, die wir das Jahrtausend der von den ostslawischen Völkern von
Kiew empfangenen Taufe feiern, nur noch mehr den Wunsch nach der vollen Einheit
in Christus dieser Schwesterkirchen und drängt uns, neue Anstrengungen und
Schritte zu unternehmen, um diese zu fördern. Dieser Jahrestag ist nicht nur
eine geschichtliche Erinnerung und eine Gelegenheit, um wissenschaftliche
Arbeiten und Wertungen zu erstellen, sondern ist auch und vor allem eine
Einladung, unsere pastorale und ökumenische Aufmerksamkeit von der Vergangenheit
auf die Zukunft zu lenken, unsere Sehnsucht nach der Einheit zu vertiefen und
unser Gebet dafür zu verstärken.
In der Tat, beide Kirchen, die katholische und die orthodoxe, die heute mehr
denn je entschlossen sind, trotz der durch jahrhundertelange Mißverständnisse
entstandenen Schwierigkeiten die Einheit um den eucharistischen Tisch
wiederzufinden, schauen mit besonderer Aufmerksamkeit und Hoffnung bei dieser
Jahrtausendfeier auf alle geistlichen Söhne und Töchter des heiligen Wladimir.
Auf der anderen Seite kann sich eine schrittweise Rückkehr zur Eintracht
zwischen Rom und Konstantinopel wie auch zwischen den Kirchen, die in voller
Gemeinschaft mit diesen Zentren bleiben wie könnten wir hier nicht an die vielen
bilateralen Begegnungen denken, die wegen des intensiven Austausches der
jeweiligen von den verschiedenen fruchtbaren Traditionen genährten geistigen
Güter so reich an Anregungen waren? - besonders heute nur positiv auf die
orthodoxen und katholischen Erben der Taufe von Kiew auswirken. Vielleicht wird
die Erinnerung an dieses Ereignis, das am Anfang ihres neuen Lebens im Heiligen
Geist steht, dazu beitragen, mit Gottes Hilfe die Stunde ihrer vollen Versöhnung
zu beschleunigen, die Stunde des »Friedenskusses«, gegenseitig ausgetauscht als
Frucht einer reifen Entscheidung, die in Freiheit und mit gutem Willen dem
ursprünglichen Geist entspringt, der die noch ungeteilte und vom christlichen
Genius der heiligen Cyrill und Methodius gekennzeichnete Kirche beseelt hat.
Welch einen Nutzen würde es für das ganze Volk Gottes bedeuten, wenn die
orthodoxen und katholischen Erben der Taufe von Kiew, tief bewegt von einem
erneuerten Bewußtsein ihrer anfänglichen Gemeinschaft, die darin liegende
Herausforderung aufzugreifen verständen und den Christen unserer Zeit die sich
daraus ergebende ökumenische Botschaft neu in Erinnerung zu bringen wüßten,
indem sie diese dazu antreiben, die Schritte auf das Ziel der von Christus
gewollten vollen Einheit zu beschleunigen! Dies würde vor allem auch einen
günstigen Einfluß auf jenen Entspannungsprozeß im zivilen Bereich ausüben, der
in allen, die für ein friedliches Zusammenleben in der Welt arbeiten, so viele
Hoffnungen weckt.
10. Die universale und die partikulare Dimension stellen im Leben der Kirche
zwei gleich wesentliche Quellen dar: die Gemeinschaft und die Verschiedenheit,
die Tradition und die neuen Zeiten, die alten christlichen Länder und die neuen
Völker, die zum Glauben gelangen. Die Kirche hat es verstanden, geeint und
zugleich differenziert zu sein. Während sie die Einheit als erstes Prinzip
annahm (vgl. Joh 17, 21 f.), blieb sie zugleich vielförmig in den
einzelnen Teilen der Welt. Dies gilt in besonderer Weise für die abendländische
und die orientalische Kirche vor ihrer gegenseitigen Entfremdung. Zu jener
Periode bemerkt das II. Vatikanische Konzil: »Die Kirchen des Orients und des
Abendlandes sind Jahrhunderte hindurch je ihren besonderen Weg gegangen, jedoch
miteinander verbunden in brüderlicher Gemeinschaft des Glaubens und des
sakramentalen Lebens, wobei dem Römischen Stuhl mit allgemeiner Zustimmung eine
Führungsrolle zukam, wenn Streitigkeiten über Glaube oder Disziplin unter ihnen
entstanden« [19]
Und auch als die volle Gemeinschaft unterbrochen wurde, bewahrten beide
Kirchen grundsätzlich unversehrt den Schatz des apostolischen Glaubens. Die
Universalität und die Vielförmigkeit ,haben trotz der bestehenden Spannungen
nicht aufgehört, sich gegenseitig unschätzbar reich zu beschenken.
Im Bewußtsein dieser Tatsache hat das II. Vatikanische Konzil auf dem Gebiet
des Ökumenismus eine neue Phase eingeleitet, die verheißungsvolle Früchte
hervorbringt. Das Konzilsdekret über den Ökumenismus, schon mehrere Male hier
zitiert, ist Ausdruck der Wertschätzung und der Liebe, die die katholische
Kirche für das reiche Erbe des christlichen Orients hegt, dessen Originalität,
Verschiedenheit,und zugleich Legitimität es herausstellt. Es sagt unter anderem:
»Schon von den ältesten Zeiten her hatten die Kirchen des Orients ihre eigenen
Kirchenordnungen, die von den heiligen Vätern und Synoden, auch von
ökumenischen, sanktioniert worden sind. Da nun eine gewisse Verschiedenheit der
Sitten und Gebräuche, wie sie oben erwähnt wurde, nicht im geringsten der
Einheit der Kirche entgegensteht,. sondern vielmehr ihre Zierde und Schönheit
vermehrt und zur Erfüllung ihrer Sendung nicht wenig beiträgt, so erklärt das
Heilige Konzil feierlich, um jeden Zweifel auszuschließen, daß die Kirchen des
Orients, im Bewußtsein der notwendigen Einheit der ganzen Kirche, die Befugnis
haben, sich nach ihren eigenen Ordnungen zu regieren, wie sie der Geistesart
ihrer Gläubigen am meisten entsprechen und dem Heil der Seelen am besten
dienlich sind«. [20]
Aus dem Dekret ergibt sich deutlich die charakteristische Autonomie in der
Disziplin, der sich die orientalischen Kirchen erfreuen: Sie ist nicht Folge von
Privilegien, die die Kirche von Rom ihnen gewährt hätte, sondern des
Grundgesetzes selbst, das diese Kirchen seit den apostolischen Zeiten besitzen.
11. In dieser Stunde des Dialogs, der sich zwischen den Kirchen und
kirchlichen Gemeinschaften anläßlich der Jahrtausendfeier der Taufe der Rus'
entfaltet und ständig voranschreitet ein Vorgang, der uns mit großer Sehnsucht
an die ungeteilte Kirche, die alle Ortskirchen des Ostens und des Westens umfaßt,
denken läßt wie auch an das innige Gebet des Herrn für die Einheit aller
Christen im Abendmahlssaal (vgl. Joh 17, 20 ff.) -, müssen wir uns bewußtmachen, daß die volle Gemeinschaft ein Geschenk ist und nicht allein
Frucht rein menschlicher Anstrengungen und Wünsche sein wird, auch wenn diese
unersetzlich sind und vieles beeinflussen.
Die Sünde ist durch den Menschen in die Welt gekommen, aber »die Gnade Gottes
und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt
worden ist, (ist) den vielen reichlich zuteil geworden« (vgl. Röm 5, 12.
15). Das treue Verharren »in der Lehre der Apostel und in der brüderlichen
Einheit, im Brechen des Brotes und in den Gebeten« (Apg 2, 42) ist ein
Geschenk Gottes, weil es eine neue Seinsweise des Menschen darstellt. Es ist ein
volles »Zusammensein« in der Heiligsten Dreifaltigkeit. Die erste Quelle solcher
Gemeinschaft ist die Taufgnade: Durch die Taufe treten wir in die Gemeinschaft
der Kirche ein, die über die ganze Welt ausgebreitat ist, in die von Christus
gewollte und begründete Einheit, die im wesentlichen, trotz der Unterschiede und
Schwierigkeiten, im Laufe der ersten zehn Jahrhunderte bestanden hat, in jene
Einheit also, von der uns heute die Taufe der Rus' spricht. Mögen alle Christen
zu ihr zurückkehren und eine Gemeinschaft von Menschen werden, die den Reichtum
ihrer vollen Einheit mit Christus allen Gliedern der ganzen Menschheit anbieten.
Dies erbitten wir vom Heiligen Geist, dem Spender der unzähligen Gaben, dank
derer die Einzelpersonen und die menschlichen Gemeinschaften in Einheit mit
Christus treten. In Ihm und durch den Heiligen Geist erreicht das Leben der
Kirche eine unerwartete Tiefe und Dimension. Das Hören und Erleben der Gegenwart
des Tröster-Geistes und seiner Gaben ist besonders charakteristisch für die
ostkirchliche Tradition, deren tiefe pneumatologische Lehre einen kostbaren
Reichtum für die ganze Kirche darstellt.
In diesem Licht sehen wir die vielfältigen, unterschiedlichen und fruchtbaren
Kontakte sich entfalten, in denen sich in dieser nachkonziliaren Zeit unser
gemeinsames Bemühen tätigen Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes ausdrückt, den
wir aus seinem Geist vernehmen.
Die reiche Erfahrung vollkommener Einheit, wie sie im ersten Jahrtausend
gelebt, aber während so vieler Jahrhunderte von beiden Seiten vergessen wurde,
soll für uns und unsere ökumenischen Anstrengungen ein Licht, eine Ermutigung
und ein ständiger Bezugspunkt sein.
V.
DIE EINHEIT DER KIRCHE UND
DIE EINHEIT DES EUROPÄISCHEN KONTINENTS
12. Auf dem Weg der Ökumene richtet die katholische Kirche den Blick auf die
Mission der heiligen Brüder von Thessalonich, wie ich im Rundschreiben
Slavorum Apostoli gesagt habe.
Ihre Mission zeichnet sich durch eine besondere »ökumenische Weitsicht« aus,
obgleich beide in der Epoche gewirkt haben, da die Christenheit noch geeint war.
Ihre Missionstätigkeit begann im Osten; aber deren Fortschritte erlaubten es
ihnen, auch die Verbindung und Einheit mit Rom, mit dem Sitz des Petrus,
hervorzuheben. Ihre apostolische Sicht kirchlicher Koinonia wird heute immer
tiefer verstanden, in dieser Zeit wachsender Sehnsucht nach der Einheit aller
Christen und nach ökumenischem Dialog. Sie haben geahnt, daß die neuen Kirchen -
angesichts von immer deutlicher hervortretenden Unterschieden und
Auseinandersetzungen - die volle und sichtbare Einheit der einen Kirche Christi
bewahren und stärken müssen. Entstanden sind sie ja auf dem Boden der Eigenheit
der verschiedenen Völker und ihrer entsprechenden kulturellen Bereiche;
gleichzeitig aber mußten sie die wesentliche Einheit nach dem Willen des
göttlichen Stifters untereinander bewahren. Darum sollte diese Kirche, die aus
der Missionstätigkeit der heiligen Cyrill und Methodius hervorgegangen ist, ein
besonderes Siegel jener ökumenischen Berufung in sich tragen, die die beiden
heiligen Brüder in so tiefer Weise gelebt hatten. Aus demselben Geist ging auch,
wie schon gesagt, die Kirche von Kiew hervor.
Gegen Anfang meines Pontifikats im Jahre 1980 hatte ich die Freude, die
heiligen Cyrill und Methodius neben dem heiligen Benedikt zu Patronen Europas zu
erklären.
Europa ist in seinen Wurzeln christlich. Die beiden Formen der großen
Tradition der Kirche, die westliche und die östliche, diese beiden Kulturformen
also, gehören zusammen wie die beiden »Lungen« eines Organismus. [21] Das ist
die klare Aussage ihrer Geschichte. Das ist das Erbe der Völker, die auf unserem
Kontinent leben. Man könnte sagen, daß die beiden Ströme, der östliche und der
westliche, gleichzeitig die ersten bedeutenden Formen einer Inkulturation des
Glaubens geworden sind, in deren Bereich die eine und ungeteilte Fülle, die der
Kirche von Christus anvertraut ist, ihren geschichtlichen Ausdruck gefunden hat.
In den verschiedenen Kulturen der europäischen Nationen des Ostens wie des
Westens, in Musik und Literatur, in den bildenden Künsten und der Architektur
wie auch in den Denkformen, strömt ein gemeinsamer Lebenssaft, der aus einer
einzigen Quelle geschöpft ist.
13. Zugleich aber wird dieses Erbe im gegenwärtigen Abschnitt des 20.
Jahrhunderts eine besonders dringende Herausforderung, um die Einheit der
Christen zu erreichen. Eine aufrichtige Sehnsucht nach Einheit lebt heute in den
Seelen als Voraussetzung für jenes friedliche Zusammenleben unter den Völkern,
in dem das Wohl aller liegt. Es ist eine Sehnsucht, die das Gewissen aller
bewegt und Politik und Wirtschaft durchdringt. Die Christen müssen sich der
religiösen und moralischen Wurzeln einer solchen Herausforderung bewußt sein:
Christus »ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden)
und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder« (Eph
2, 14). »Gott ... hat uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst
der Versöhnung aufgetragen« (2 Kor 5, 18). Diese Wirklichkeit, dieses
Werk Christi hat heute seine besondere Bedeutung für die lebendige Sehnsucht der
Menschheit nach Einheit und weltweiter Brüderlichkeit. Der Wunsch nach Einheit
und Frieden, nach Überwindung der verschiedenen Barrieren und nach Ausgleich der
Kontraste - wie auch der Appell selbst, den die Vergangenheit Europas an uns
richtet - wird ein bewegendes Zeichen unserer Zeit.
Es gibt keinen echten Frieden, wenn nicht auf der Grundlage eines
Einigungsprozesses, in welchem jedes Volk in Freiheit und Wahrheit die Wege der
eigenen Entwicklung selbst wählen kann. Andererseits ist ein solcher Prozeß
nicht möglich, wenn kein Einklang über die ursprüngliche und grundlegende
Einheit besteht, die sich in verschiedenen, nicht gegensätzlichen, sondern sich
ergänzenden Formen zeigt, die einander brauchen und sich gegenseitig suchen. Wir
sind deshalb zutiefst davon überzeugt, daß der Weg zu einem wahren Frieden in
Geist, Herz und Gewissen der Menschen auf unvergleichliche Weise durch die
Gegenwart und den Dienst jenes Friedenszeichens geebnet werden kann, das die
Kirche ihrer Natur nach ist, wenn sie Christus gehorsam und ihrer Berufung treu
bleibt.
Wir bekunden volles Vertrauen in alle menschlichen Anstrengungen, die darauf
abzielen, Anlässe für Spannungen und Konflikte auf dem friedlichen Weg des
geduldigen Dialogs, der Übereinkünfte, des gegenseitigen Verständnisses und der
Achtung zu beseitigen.
Eine besondere Sorge für den Frieden auf der ganzen Welt ist die Berufung
Europas, das aus christlichen Fundamenten hervorgegangen ist. In vielen Gebieten
der Welt herrscht kein Friede oder ist er äußerst bedroht. Eine beständige und
einträchtige Zusammenarbeit des europäischen Kontinents mit allen Nationen
zugunsten des Friedens und des Gemeinwohls, auf das jeder Mensch und jede
menschliche Gemeinschaft ein heiliges Recht haben, ist daher notwendig.
VI.
IN DER FREUDE DER JAHRTAUSENDFEIER MIT MARIA,
DER MUTTER JESU, VEREINT
14. Die Ereignisse und Geheimnisse, die wir in diesem Brief kurz in
Erinnerung gebracht, im Licht der Hinweise des II. Vatikanischen Konzils und im
Blick auf die Geschichte des Milleniums betrachtet und meditiert haben, werden
für uns eine Quelle der Freude und des Trostes im Heiligen Geist.
Wenn man die Bedeutung der Taufe der Rus' von Kiew in der Geschichte der
Evangelisation und der menschlichen Kultur berücksichtigt, ist gut zu verstehen,
daß ich die Aufmerksamkeit der gesamten katholischen Kirche darauf lenken
wollte, indem ich alle Gläubigen zu gemeinsamem Gebet einlade. Die Kirche von
Rom, errichtet auf dem Fundament des apostolischen Glaubens von Petrus und
Paulus, freut sich über diese Jahrtausendfeier und über alle Früchte, welche die
Generationen hindurch herangereift sind: Früchte des Glaubens und des Lebens,
der Einheit und des Zeugnisses bis zur Verfolgung und zum Martyrium, wie
Christus selbst es angekündigt hat. Unsere geistige Teilnahme an den
Feierlichkeiten zum Millenium bezieht sich auf das ganze Volk Gottes: auf die
Gläubigen und Hirten, die auf jenem vor tausend Jahren durch das Bad der Taufe
geheiligten Boden leben und wirken. In dieser Festesfreude vereinen wir uns dann
aber auch mit all jenen, die in der Taufe, die sie von ihren Vorfahren empfangen
haben, die Quelle der eigenen religiösen, kulturellen und nationalen Identität
erkennen; wir vereinen uns mit allen Erben dieser Taufe, unabhängig von ihrem
religiösen Bekenntnis, ihrer Nationalität und ihres Wohnortes; mit allen
orthodoxen und katholischen Brüdern und Schwestern. Besonders vereinen wir uns
mit allen geliebten Söhnen und Töchtern der russischen, ukrainischen und
weißrussischen Nation; mit jenen, die in ihrem Vaterland, wie auch mit jenen,
die in Amerika, in Westeuropa und in anderen Teilen der Welt leben.
15. Gewiß ist dies in besonderer Weise das Fest der russisch-orthodoxen
Kirche, die ihr Zentrum in Moskau hat und die wir mit Freude »Schwesterkirche«
nennen. Gerade sie hat einen Großteil des Erbes der alten christlichen Rus'
übernommen, indem sie sich der Kirche von Konstantinopel verband und dieser treu
blieb. Diese Kirche hat wie die anderen orthodoxen Kirchen wahre Sakramente, vor
allem - kraft apostolischer Sukzession - die Eucharistie und das Priesteramt,
durch die sie ganz eng mit der katholischen Kirche verbunden bleibt. [22]
Zusammen mit den erwähnten Kirchen bemüht sie sich sehr, »jene brüderlichen
Bande der Gemeinschaft im Glauben und in der Liebe zu bewahren, die zwischen
Lokalkirchen als Schwesterkirchen bestehen müssen«. [23]
Die katholische Glaubensgemeinschaft nimmt in diesem feierlichen
geschichtlichen Augenblick an Gebet und Betrachtung der »Großtaten Gottes« (vgl.
Apg 2, 11) teil und sendet der tausendjährigen Schwesterkirche durch den
Bischof von Rom den Friedensgruß als Ausdruck des innigen Wunsches nach jener
vollkommenen Gemeinschaft, die von Christus gewollt und der Natur der Kirche
eingeschrieben ist.
Die Jahrtausendfeier aller Erben der Taufe des Wladimir und unsere Teilnahme
an ihrer Freude und ihrem Dank, die einem Herzensbedürfnis entspringt, werden
allen - das ist unsere tiefe Überzeugung - ein neues Licht bringen, das die
Finsternisse der vergangenen schwierigen Jahrhunderte zu durchdringen vermag:
jenes Licht selbst, das immer neu aus dem österlichen Geheimnis, aus dem
Ostermorgen und dem Pfingsttag, hervorbricht.
16. Ein besonderer Ausdruck unserer Einheit und Teilnahme an der
Jahrtausendfeier der Rus' wie auch des innigen Wunsches, zur ganzen und
vollkommenen Gemeinschaft mit den orientalischen Schwesterkirchen zu gelangen,
ist gerade auch in der Verkündung des Marianischen Jahres gegeben, wie in der
Enzyklika Redemptoris Mater ausdrücklich gesagt wird: »Auch wenn wir noch
immer die schmerzliche Auswirkung der Trennung erfahren, die wenige Jahrzehnte
später erfolgte ..., können wir doch sagen, daß wir uns vor der Mutter Christi
als wahre Brüder und Schwestern innerhalb jenes messianischen Volkes fühlen, das
dazu berufen ist, eine einzige Gottesfamilie auf der Erde zu sein«. [24]
Das menschgewordene göttliche Wort, das Maria geboren hat, bleibt für immer
in ihrem Herzen, wie die berühmte Ikone Znamenie zeigt, welche die betende
Jungfrau mit dem göttlichen Wort auf dem Herzen darstellt. Das Gebet Marias
schöpft in besonderer Weise aus der Macht Gottes: Es ist eine Hilfe und eine
Kraft höherer Ordnung für das Heil der Christen. »Warum also nicht alle zusammen
auf sie als unsere gemeinsame Mutter schauen, die für die Einheit der
Gottesfamilie betet und die allen "vorangeht" an der Spitze des langen Zuges von
Zeugen für den Glauben an den einen Herrn, der Sohn Gottes ist und durch den
Heiligen Geist in ihrem jungfräulichen Schoß empfangen wurde?«. [25]
Unseren Brüdern und Schwestern im Glauben wünschen wir, daß das
tausendjährige Erbe des Evangeliums, des Kreuzes, der Auferstehung und des
Pfingstgeistes nicht aufhöre, »Weg, Wahrheit und Leben« (vgl. Joh 14, 6)
für alle künftigen Generationen zu sein.
Richten wir hierfür unser Gebet mit ganzem Herzen an die Heiligste
Dreifaltigkeit, an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Amen.
Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des
hl. Apostels Paulus, des Jahres 1988, im 10. Pontifikatsjahr.
Joannes Paulus PP.II
ANMERKUNGEN
[1] Vgl. Brief an Kard. Eugenio Tisserant, Sekretär der Kongregation für die
Orientalischen Kirchen (12. Mai 1939): AAS 31 (1939) 258-259.
[2] Gebet zur Weihe des Taufwassers, dessen ältestes Zeugnis sich im
griechischen Cod. Vat. Barberini 336, S. 201, findet. Siehe ferner im Trebnik
(ed. synodale, Moskau 1906, 2. Teil, Blatt 209-220; vgl. Blatt 216) die
feierliche Segnung des Taufwassers zu Epiphanie.
[3] Vgl. das Typikon der Großen Kirche, Ed. J. Mateos in »Orientalia
Christiana Analecta« 116 (Rom 1963) 86-88.
[4] Vgl. das Rundschreiben, mit dem der Patriarch Photius im Jahre 867
verkündet, daß das Volk mit dem Namen Rhos einen Bischof angenommen hat: ep. I,
13: PG 102, 736-737; vgl. auch Les regestes des acles du patliarcat de
Constantinople I, II (Les regestes von 715.1043), herausgegeben durch V.Grumel
(Paris 1936), Nr. 481, S. 88-89.
[5] Poverst' Vremennykh Let, Ed. D. Likhacev (Moskau-Leningrad 1950) 235 ff.
[6] Vgl. FILARET GUMILEVSKYJ, Leben der Heiligen, Juli-Band
(Petersburg 1900) 106 (auf Russisch)
[7] Vgl. hierzu den Bericht der Poverst' Vremennykh Let (siehe Anm. 5).
[8] JOHANNES PAUL II., Rundschreiben Slavorum Apostoli, 12: AAS
77 (1985) 793.
[9] Vgl. ebd., 11-13: AAS 77 (1985) 791-796.
[10] Die Angabe stammt von einigen deutschen Quellen: z.B. Lamperti Monachi
Hersfeldensis opera, Ed. O. Holder-Egger (1894) 38.
[11] Vgl. Nikonovkaja Letopis ad 6494, in »Polnoe sobranie russkich
letopisej«, IX (Petersburg 1862) 57.
[12] Vgl. Petri Damiani Vita beati Romualdi, c. XXVII: PL 144, 978 (Kritische
Ausgabe von G. Tabacco, in »Fonti per la storia d'Italia«, 94 [Rom 1957] 58).
[13] Vgl. Gregorii VII registrum, II, 74: Ed. E. Caspar, 236-237, in »Epistulae
selectae in usum scholarum ex Monumentis Germaniae Historicis separatim editae«,
t. II (Neudruck 1955) 236-237.
[14] II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über den Ökumenismus Unitatis
Redintegratio, 14.
[15] Ebd., 15.
[16] Ebd., 17.
[17] Vgl. Acta Sanctorum, unter dem 2. September (Venedig 1756)
633-644.
[18] II, VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen Gentium, 13.
[19] II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über den Ökumenismus Unitatis
Redintegratio, 14.
[20] Ebd., 16.
[21] Vgl. Enzyklika Redemptoris Mater, 34: AAS 79 (1987) 406.
[22] II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über den Ökumenismus Unitatis
Redintegratio, 15.
[23] Ebd., 14.
[24] Enzyklika Redemptoris Mater, 50: AAS 79 (1987) 429.
[25] Ebd., 30: AAS 79 (1987) 402.
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