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PASTORALBESUCH IN ÖSTERREICH
HL.
MESSE FÜR DIE ARBEITER VON LINZ UND ST. PÖLTEN
PREDIGT VON JOHANNES
PAUL II.
Enns-Lorch
- Samstag, 25. Juni 1988
Liebe Brüder und Schwestern im Glauben!
1. Euch allen ein herzliches ”Grüß Gott“, die ihr aus Stadt und Land, vor allem
aus den Diözesen Linz und St. Pölten hierher gekommen seid. Hier in Lorch, dem
alten Lauriacum, empfinden wir besonders deutlich die Verbundenheit mit der
langen christlichen Geschichte dieses Landes; hier erinnern wir uns an die
großen Heiligen Florian und Severin, beide Zeugen des Glaubens, in deren
Gefolgschaft wir heute unser Ja zum Glauben und damit unser Ja zum Leben
sprechen. Wir verneigen uns vor ihnen und vor allen anderen, die seither bis in
unsere Tage als Glaubenszeugen, als Anwälte der Armen und als Friedensstifter in
diesem Land gewirkt haben.
Zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Diözesen versammeln sich Gläubige aus
beiden Gebieten mit dem Nachfolger des Petrus an einem Ort, geeint in der Freude
und Dankbarkeit darüber, Glieder der einen Kirche Christi zu sein. Die hellen
und die dunkleren Wirklichkeiten in eurem Leben habt ihr im Herzen mitgebracht.
In bedrängender Weise haben Sprecher aus beiden Bistümern geschildert, was euch
besonders bewegt. Ebenso wissen wir um die vielfältigen Überlegungen und neuen
Versuche, die ihr in den Pfarren, in apostolischen Gruppen und auf Diözesanebene
unternommen habt, um euren Glauben lebendig zu erhalten und auch eurem Leben in
der Gesellschaft und in der Welt der Arbeit Perspektiven der Hoffnung zu geben.
2. Unsere heutige Begegnung gilt allen Gläubigen in euren Diözesen, in einer
besonderen Weise den von euch als christlichen Arbeitern und Bauern hier
vertretenen Anliegen. Wie eure Bischöfe schon betont haben, ist die Kirche euch
auch in eurem sozialen und wirtschaftlichen Sorgen nahe. Durch ihre Soziallehre,
darunter die großen Sozialenzykliken der Päpste, zeigt sie Mittel und Wege, um
die sich stellenden Schwierigkeiten auf gerechte und menschenwürdige Weise zu
lösen. Mit ihren vielfältigen pastoralen Initiativen steht sie immer solidarisch
und hilfsbereit an eurer Seite. Darüber hinaus aber will die Kirche euch
entsprechend ihrer religiösen Sendung vor allem helfen, auch in der Welt der
Arbeit – auch inmitten zahlreicher und großen konkreter Schwierigkeiten – als
wahre Christen im Geist des Evangeliums zu leben. Sie erschließt uns aus der
Heiligen Schrift den tieferen Sinn unserer täglichen Mühe und Arbeit und deutet
sie uns im Licht unserer christlichen Berufung.
In diesem Sinn ermahnt uns als Jünger Christi der Apostel Petrus in der heutigen
Lesung aus dem Kolosserbrief: ”Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn
getan und nicht für Menschen; ihr wißt, daß ihr vom Herrn euer Erbe als Lohn
empfangen werdet“. Etwas früher sagt er noch grundsätzlicher: ”Alles, was ihr
in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt
Gott, dem Vater!“.
Jesus selbst nimmt sich im Evangelium auf vielfältige Weise der leiblichen Nöte
des Menschen an. Er führt sie jedoch zugleich immer darüber hinaus zu dem
eigentlich Notwendigen, zum Anbruch des Reiches Gottes in unserer Mitte. So
sehen wir zum Beispiel, wie der Herr, von Mitleid ergriffen, den Vielen, die ihm
gefolgt waren, das nötige Brot gab. Dabei blieb er aber nicht stehen: Er sättigt
die Hungernden und führt sie zugleich weiter zum wahren Brot des Lebens, das er
selber ist. Beides ist nötig: hinreichende Speise für das irdische Leben und das
Brot der Eucharistie auf unserer Pilgerschaft zum ewigen Leben. Ja, Christus
fordert uns sogar auf, zuerst das Reich Gottes zu suchen; alles andere werde uns
dann hinzugegeben werden. Was auch immer wir sind und tun, wir sollen zuerst
und vor allem wahre Jünger Christi sein!
3. Im Johannesevangelium sagt Jesus von sich selbst: ”Ich bin das Brot des
Lebens“. So spricht er, unser Bruder, der zugleich der Sohn Gottes ist.
Christus ist mehr als nur ”ein Mensch für andere“. Er ist mehr als ein sozialer
Wohltäter, mehr als ein Revolutionär, der die bestehende Ordnung verändern will.
Er ist wahrer Sohn Gottes. Die erste Pflicht des Papstes ist es, in Gemeinschaft
mit den Bischöfen der ganzen Welt diesen Glauben zu verkünden. Das ist die
Wurzel und der Prüfstein für das ganze Volk Gottes: zu bezeugen, daß unsere
Kirche auf Jesus Christus, den ewigen Sohn Gottes, gegründet ist. Dieser Glaube
ist der Lebensatem eurer Pfarreien und der entscheidende Maßstab für jede
kirchliche Organisation und für das Leben eines jeden Christen.
”Ich bin das Brot des Lebens!“ – So verkünden wir Christus in einer Welt, die
sich mit Recht Sorgen macht, wie sie morgen leben kann. Wir rufen es aus in
einer Zeit, in der unzählige Menschen hungern und daran sterben, während andere
im Überfluß leben. Wir betonen es gerade heute wieder, da viele Menschen erneut
nach dem Geheimnis und der Hoffnung ihres Lebens fragen. Wir rufen es aus voll
Zuversicht, daß der Herr auch uns aussendet, wie er seine Jünger mit dem Brot zu
den Tausenden sandte und alle satt wurden.
Wenn wir mit Sorge fragen, wovon wir leben sollen, dann fragen wir dabei auch,
in welcher Hoffnung wir einmal sterben können. Sucht eure täglichen Sorgen und
irdischen Hoffnungen auch mit diesem Maß zu messen: Wohin bin ich unterwegs? Was
zählt mein Leben vor Gott? Die Antwort gibt uns wieder der Herr: Ich bin das
Brot für das Leben der Welt! Dieses Brot ist die heilige Gestalt unserer
Hoffnung auf Gott, auf seine Treue, auf das Glück seiner Ewigkeit. Christus sagt
sogar: ”Wenn jemand davon ißt, wird er nicht sterben“.
4. Dieses Brot des Lebens bereitet uns heute die Kirche: sie selbst wird Brot
für die Welt. In der Kirche finden wir den Herrn; er ist ja ihr innerstes
Geheimnis, ihr Haupt. Wir finden ihn im Wort der Heiligen Schrift, in der Speise
der Eucharistie, in der Gemeinschaft der Gläubigen.
Diese Kirche Christi hat einige unentbehrliche Kennzeichen: den wahren Glauben
an Christus, die volle Einheit unter der Leitung der beauftragten Hirten, den
gemeinsamen Willen, seinen Geboten treu zu bleiben.
Nur die Kirche im wahren und vollen Glauben an Christus gibt Brot des Lebens.
Der Glaube aber kommt vom Verkünden und Hören. Ich grüße mit Dankbarkeit alle,
die sich von der Kirche in verschiedenen Weisen der Sendung haben beauftragen
lassen, von Christus zu reden, ihn anderen bekannt zu machen: Priester, Diakone,
Religionslehrer, Pastoralassistenten und viele andere. Ihr habt eine hoher
Verantwortung. Vertieft euch in seine Botschaft, bildet euch weiter. Werdet
selbst zu seiner Botschaft. Hört die Fragen der Menschen, die euch anvertraut
sind. Die wesentliche Frage eurer Mitmenschen lautet: Seid ihr selbst Zeugen
Christi? Folgt ihr seinem Beispiel, der trotz rastloser Beanspruchung die Zeit
der Stille, des Gebetes, der Einsamkeit im Beisammensein mit Gott gesucht hat?
Der vorrangige und tiefste Vollzug unseres Glaubens ist die Feier der
Eucharistie und der anderen Sakramente. Wendet alle Sorgfalt dafür auf; gebt
ihnen jene Würde und zugleich jene Wärme, die ihnen zukommen. Vor allem aber
beherzigt, was ich auch euren Bischöfen im vergangenen Jahr gesagt habe: Die
Messe ”erhält ihre Größe nicht durch Gestaltungen, sondern durch das, was sie
ist“.
Nur eine Kirche in voller Einheit ist ferner wahrhaft Brot für die Welt. Der
Herr selbst wußte sich in treuer und liebender Einheit mit dem Vater im Himmel.
Aus ihm ist er hervorgegangen; aus ihm lebt er. Mit seinem Gehorsam vereinen wir
uns in der Kirche. Es ist aber unmöglich, die Einheit mit dem Vater zu finden
und dabei an den vom Herrn bestellten Aposteln und ihren Nachfolgern, den
Bischöfen, vorbeizugehen. Mangel an Einheit und Vertrauen, eine verletzende
Anklage, aggressive Kritik: all das zeigt einen Mangel an Christi Gegenwart
unter euch. Wenn in der Kirche Worte der Feindschaft gesagt und geschrieben
werden, dann ist nicht mehr von Christus die Rede. Wer solche Worte immer neu
wiederholt und sich auf sie festlegt, verhärtet sein Herz und reicht anderen
Steine statt Brot. Beherzigen wir darum die Einladung, die der Apostel Paulus
heute an uns richte: ”Vor allem... liebt einander, denn die Liebe ist das Band,
das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede
Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes“.
Nur eine Kirche in voller Einheit und treuer Bereitschaft, den Willen des Herrn
in seinen Geboten zu erfüllen, ist der Gabe seines Brotes würdig. Das Evangelium
sagt uns, daß wir zuerst unser Leben ändern müssen, wenn wir am Altar opfern
wollen. Ich komme aus Rom mit Gräbern von Märtyrern der ersten Zeit; ich komme
nach Lorch, wo das Martyrium in euren Ländern bezeugt ist. Nicht weit von hier
ist Mauthausen, wo Christen, Juden und andere auch um ihres Glaubens willen
gelitten haben. Mit ihrem Leiden haben sie alle die Welt beschenkt. Für sie gilt
Jesu Wort: Das Weizenkorn muß in die Erde fallen; dann erst bringt es reiche
Frucht.
Der Herr hat die Erlösung durch die Hingabe seines Lebens am Kreuz gewirkt. Wir
sind hier in der Mitte Europas, wo vor vielen Jahrhunderten das Kreuz des
Glaubens aufgerichtet worden ist. Von diesem Kontinent, der sich in weiten
Bereichen der Freiheit und eines gewissen Wohlstandes erfreuen darf, muß eine
neue Saat der Liebe im Namen Christi aufgehen, kraftvoller als das Unkraut der
Selbstsucht und des Neides, des Hochmuts und der Verschwendung, der Trägheit der
Herzen und der Zerstörung des Lebens. Alle Gebote Gottes und der Kirche münden
in das höchste Gebot der Liebe. Sie ist die Sprache Gottes und führt zum wahren
Wohl des Menschen. Liebe aber wird konkret in der Erfüllung der Gebote. So sagt
es der Herr: ”Wer meine Gebote hat und sie behält, der ist es, der mich liebt“.
5. Liebe Brüder und Schwestern! Das Brot des Lebens gibt uns eine Kraft, die
alles übersteigt, was wir an naturgegebenen Kräften in uns vermuten. Das Alte
Testament erzählt von Elija, der, vom Brot gestärkt, das Gott ihm gab, 40 Tage
und Nächte lang bis zum Berg des Herrn wandern konnte. Beim Letzten Abendmahl
gibt der Herr seinen Jüngern sich selbst zur Speise, und so immer wieder bis in
unsere Tage. Kein Brot wird so oft auf der Erde gereicht und empfangen. Von ihm
gestärkt, können wir zuversichtlich in die Zukunft aufbrechen.
In manchen Gesellschaften, im Herzen vieler Menschen scheinen heute oft Mißmut
und Niedergeschlagenheit vorzuherrschen. Wir Christen können jedoch mutig
aufbrechen, weil wir an das Wachsen des Reiches Gottes glauben. Das Ziel unserer
Tage ist ja nicht ein Ende, sondern ein Anfang, ist nicht Tod, sondern Leben,
nicht Erschöpfung, sondern Erkennen und Lieben beim ewigen Gastmahl Gottes.
Im Hinblick auf diesen christlichen Mut zur Zukunft rufe ich euch zu: Habt
Freude an euren Kindern, nehmt das Geschenk eines neu entstandenen Lebens an,
weigert euch, Leben abzubrechen! Geht mit ihm vom ersten Augenblick an voll
Liebe und Ehrfurcht um! Kinder sind nicht Anschaffungen, die man nur finanziell
kalkuliert und eventuell abstoßen könnte.
Habt ein Herz auch für die Jugendlichen. Sie stellen uns neue, scheinbar lästige
Fragen und sind oft ungestüm und ungeduldig. Aber auch sie brauchen Ausrüstung
und Hoffnung für ihre Zukunft; sie selbst sind ja unsere Hoffnung und Zukunft.
6. Wozu stärkt uns noch das Brot des Lebens? Mit seiner Kraft können wir dem
Bösen standhalten.
Manchmal scheint uns die Stunde der Finsternis gekommen zu sein: Kriege,
Unterdrückung, Rechtlosigkeit, Katastrophen beherrschen die Tagesnachrichten.
Persönliche Schmerzen, oft einsam erlitten und ertragen, bedrücken den einzelnen
nicht weniger. Nichts davon ist unwichtig: In allem liegt ein Anruf Gottes, nach
Kräften der Heilung und der Befreiung zu suchen, zunächst jeder bei sich selbst,
dann aber auch in solidarischer Einheit. Gewiß müssen auch neue strukturelle
Lösungen gesucht werden von Politikern und Wirtschaftsführern, von
Wissenschaftlern und Fachleuten, möglichst unter Mitbeteiligung aller
Betroffenen. Ebenso aber braucht es immer wieder die persönliche Umkehr. Beides
hängt zusammen, das eine stützt das andere.
Entdeckt wieder, Brüder und Schwestern, wie unersetzlich eigentlich das
Sakrament der Buße ist. Es ist unersetzlich für die persönliche Würde des
Menschen. Was er persönlich zu verantworten hat, muß er auch selber vor Gott
bekennen dürfen. Die Beichte ist zugleich unersetzlich für die Zukunft des
Glaubens in euren Ortskirchen. Denn nur dann kann ich wahrhaft an Gott als eine
Person glauben, wenn ich weiß, daß ich vor ihm persönlich verantwortlich bin,
daß ich zu ihm, dem barmherzigen Vater, heimkehren kann, weil Christus in seinem
Kreuz die Ordnung der Liebe und der Versöhnung neu gegründet hat.
7. Eure beiden Diözesen haben beispielhafte Leistungen erbracht um Hunger und
Ungerechtigkeit auf der Welt zu lindern. Ich denke an die vielen
Entwicklungshelfer, an die Werke der Caritas, an die Unterstützung der Mission.
Jede Solidarität aber braucht ein Herz: die persönliche Bereitschaft, Christus
darin ähnlich zu werden, ihm, der uns die Treue hält bis zum Kreuz.
Die verzweigte Organisation eurer Seelsorge bekommt vor allem dadurch innere
Dynamik und Fruchtbarkeit, daß z. B. Eheleute bei euch bereit sind, miteinander
treu auf dem Weg zu bleiben und miteinander zu reifen, bis der Tod sie scheidet;
daß hochherzige Menschen freiwillig neben Mühseligen, Armen, Unangenehmen
aushalten; daß junge und auch ältere Menschen den Mut haben, die besondere
Nachfolge als Priester oder Ordensleute anzutreten; daß Menschen ihr eigenes
Schicksal von Krankheit und Enttäuschung im Namen Christi, des Gekreuzigten,
annehmen wollen, auch unter Tränen und mit Zeiten der Dunkelheit.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich an das kostbare Erbe und die großartigen Werke
der Ordensgemeinschaften und Klöster in eurem Lande erinnern. Sie haben dem
Glauben vor vielen Jahrhunderten die Wege bereitet. Ihnen ist auch heute die
Berufung gemeinsam, prophetische Zeichen der Anwesenheit Gottes zu sein. Dazu
brauchen sie gewiß ständige Erneuerung und Vertiefung, von der die ganze Kirche
lebt und die auch Kräfte freisetzt für die Gesellschaft, wenn sie die
Herausforderungen der Gegenwart bestehen will.
8. Die Jünger haben den Herrn beim Brechen des Brotes erkannt. Er teilt das
Brot, teilt sich selbst, damit wir eins werden. Die Situation der heutigen Welt
ist eine einzige Aufforderung zum Teilen. Teilen überwindet Spaltung. Die
Zukunft braucht solche Solidarität; diese aber verlangt Rücksicht,
Selbstbescheidung, und Offenheit. Von wem sollte die Welt das lernen, wenn nicht
von denen, die an Christus glauben und immer wieder seinen ”Leib für das Leben
der Welt“ empfangen! Wenn wir uns vor allem am Sonntag um den Altar versammeln,
dann ist dies der große Tag des gedeckten Tisches, auf daß wir teilen können.
Hütet den Sonntag und die Feiertage zum Heil für euch selbst und für euer Land!
Gebt dem ganzen Tag eine Atmosphäre der Freiheit des Herzens, damit ihr
aufmerksam und dankbar mit der Gabe Christi umgeht und sein Antlitz in vielen
Mitmenschen an eurer Seite entdeckt.
Im Geist solcher Solidarität müßt ihr als Christen auch euren Beitrag zur Lösung
der Schwierigkeiten in der Welt der Arbeit, in Industrie und Landwirtschaft,
leisten. Setzt euch ein für eine gerechte Verteilung der vorhandenen Arbeit und
für die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten. Ohne Opfer und Kompromisse aller
Beteiligten kann die Arbeitslosigkeit kaum wirksam bekämpft werden. Tut alles,
was an euch selbst liegt, damit am konkreten Ort eurer Arbeit das Licht der
Wahrheit und der Liebe Gottes aufleuchtet. Wo du stehst und wirkst, sollen
Ungerechtigkeit, Verleumdung oder Demütigung des Menschen nicht zum Zuge kommen.
Um seines Glaubens willen ist der Christ ehrlich und sorgfältig bei der Arbeit,
wenn andere sich ihrer Schlauheit rühmen; er achtet den Staat und seine Gesetze,
wenn andere meinen, ihn ausnehmen zu dürfen; er ist hilfsbereit und arbeitet je
nach Begabung in sozialen und gewerkschaftlichen Gremien mit, wenn andere die
Tür hinter ihrem Egoismus zuschlagen. Ja, es gibt um Grunde keine unwichtigen
Lebensorte, keine belanglose Arbeitsstelle, von wo aus das Reich Gottes nicht
auch wachsen könnte.
So möge jeder den Platz, auf den ihn Gott geführt hat, in Dankbarkeit für seine
Berufung ausfüllen: Wir alle sind ja Glieder an dem einem Leib Christi, ob Mann
oder Frau, Arbeiter oder Bauer, Vater oder Mutter, Alleinstehender, Priester
oder Ordenschrist. In Liebe wollen wir einer des anderen Last tragen, uns
gegenseitig zur Lebensfreude verhelfen, und dies alles in Ehrfurcht vor der
Eigenart und der Berufung des anderen. Fördert mit aller Kraft vor allem neue,
Priester- und Ordensberufungen in euren Diözesen! Sie sind ein untrügliches
Zeichen für die innere Gesundheit der Kirche eines Landes.
9. Laßt uns so gemeinsam Sorge tragen für eine lebendige und vielfältige Kirche,
voll des Glaubens, in untrennbarer Einheit und in der Kraft der Liebe, die von
Christus kommt!
Wir bitten dazu um die Fürsprache der Heiligen:
Heilige Severin und Florian, ihr seid Väter der Kirche, die sich in diesem Land
so reich und weit entfaltet hat: Erbittet uns die Gnade einer treuen Liebe zu
ihr, dem Leib Christi!
Unsere Mutter Maria, du hast auf den Ruf Gottes mit einem reinen Ja geantwortet:
Erbitte uns in diesem dir geweihten Jahr die Gnade, die Botschaft des ewigen
Gottes mit Herz und Verstand anzunehmen, seinen Geist zu empfangen und Christus
nachzufolgen in einer wahrhaft christlichen Lebensgestaltung!
So können wir inmitten eures schönen Landes, an geheiligter Stätte, in der
Gemeinschaft des Volkes Gottes ausrufen:
Wir sagen ja zu unserem Glauben, der uns vom Herrn übergeben ist. Wir sagen ja
zum Leben, zu unserem Leben von heute und morgen in der Freiheit von Kindern
Gottes, im Licht des Heiligen Geistes.
Wir sagen ja zur Zukunft, wenn wir glauben und bekennen: Ich glaube an die eine,
heilige, katholische und apostolische Kirche! Sie bewahrt das Brot Christi; sie
ist das Brot Christi, damit die Welt leben kann! Amen.
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