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"MITTELEUROPÄISCHER KATHOLIKENTAG
2003"
SCHREIBEN VON PAPST
JOHANNES PAUL II.
AN KARDINAL CHRISTOPH SCHÖNBORN
Meinem verehrten Bruder
Christoph Kardinal Schönborn
Erzbischof von Wien
Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz
Verehrter Mitbruder!
Liebe Brüder und Schwestern!
1. „Christus – Hoffnung Europas": Unter
diesem programmatischen Motto haben sich heute Menschen aus allen Teilen Österreichs,
aber auch Delegationen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, der Slowakei,
Slowenien, Tschechien und Ungarn im altehrwürdigen Wiener Stephansdom
versammelt. Damit setzt Ihr heute einen guten Anfang für den Mitteleuropäischen
Katholikentag, der vielen Christen helfen will, in der Kraft unseres heiligen
Glaubens geeint den Weg in die Zukunft zu beschreiten, geduldig an der Heilung
der Wunden mitzuwirken, die durch die unselige Teilung des Kontinents geschlagen
wurden, und so am Aufbau des großen gemeinsamen Hauses Europa tatkräftig
mitzuarbeiten.
2. Zu Beginn meines Pontifikates habe ich – vor nahezu 25
Jahren – den Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom zugerufen: „Öffnet
die Tore für Christus!" Heute möchte ich Euch, die Ihr in Wien,
dieser geschichtlich, kulturell und nicht zuletzt religiös so bedeutenden Stadt
im Herzen Europas versammelt seid, dieses Wort noch einmal ans Herz legen. Die
Besinnung auf Christus schenkt uns Vertrauen und Hoffnung, besonders auch im
Blick auf die Zukunft Europas. Wenn Europa ein versöhntes Miteinander von
Menschen und Völkern sein will, die einander in tiefem Respekt und bleibendem
Wohlwollen begegnen, muß Christus diesen Kontinent beseelen! Menschen, die
seinen Namen tragen, haben seit 2000 Jahren das Leben und die reiche Kultur
dieses Erdteils geprägt. Christen wollen sich auch heute und in Zukunft der
Mitgestaltung der Gesellschaft Europas zur Verfügung stellen. Die Kraft dazu
empfangen sie aus der Botschaft des Evangeliums, das bleibend gültige Werte
enthält und hervorbringt, denen für das persönliche ebenso wie für das
soziale Leben eine tragende Bedeutung zukommt. Der gemeinsame Weg in die Zukunft
wird um so leichter gangbar sein, je mehr sich die Menschen in Europa auf ihre
christlichen Wurzeln besinnen und aus diesen die Maßstäbe für ihr
gesellschaftliches und politisches Handeln ableiten. Es tut Not, daß Europa
seine christliche Identität wiedererlangt und neu lebt; erst dann wird es der
Welt jene Werte vermitteln können, auf die der Friede unter den Völkern,
soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität gründen.
3. In der gegenwärtigen Situation Europas dürfen wir Christen
daher nicht müde werden, mutig vom Evangelium der Hoffnung zu sprechen,
das die Kirche uns klar und rein vorlegt. Angesichts der Widerstände, Gott und
dem christlichen Glauben den ihnen gebührenden Platz in der öffentlichen
Ordnung einzuräumen, ist der Herr selbst unsere größte Ermutigung. Sein Wort
leitet uns; in den heiligen Sakramenten dürfen wir ihm stets aufs Neue
begegnen. In der Kraft aus der Höhe sind wir bereit, jedem Rede und Antwort zu
stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,
15). Ihr alle, liebe Brüder und Schwestern, seid berufen, Eurem Stande
entsprechend am großen Auftrag mitzuwirken, den sich die Kirche in Europa zu
Beginn des neuen Jahrtausends stellt: das Evangelium der Hoffnung zu verkünden,
es zu feiern und ihm zu dienen. Um Eure Hirten und Euch alle in dieser wichtigen
Mission zu bestärken, werde ich schon in Kürze mit einem eigenen Schreiben von
der Hoffnung Zeugnis geben, die Christen für das neue Europa hegen.
4. Liebe Brüder und Schwestern! Der Mitteleuropäische
Katholikentag lädt Euch dazu ein, Euch gemeinsam auf den „Weg der Versöhnung"
zu den großen Heiligtümern und Wallfahrtsorten Eurer Heimat zu begeben. So stärkt
Ihr einander im Glauben und gebt ein Zeugnis für Christus, unsere wahre
Hoffnung, die niemals enttäuscht. Auf diese Weise werdet Ihr auch fähig sein,
gemeinsam mit allen Menschen guten Willens an einem neuen Europa mitzubauen.
Vertraut dabei auf das Wort Marias, der Mutter Jesu: „Was er euch sagt, das
tut!" (Joh 2, 5). Denn wer sich von Christus leiten läßt, legt ein
tragfähiges Fundament für eine Gesellschaft, in der Wahrheit, Gerechtigkeit,
Freiheit und Friede keine Fremdworte sind. Gerne ermutige ich Euch, diesen oft mühsamen
Weg des Miteinanders und Füreinanders zu beschreiten, der Euch im nächsten
Jahr in einer „Wallfahrt der Völker" nach Mariazell führen wird. Möge
die Selige Jungfrau Maria – die „Magna Mater Austriae, Magna Domina
Hungarorum, Alma Mater Gentium Slavorum" – uns allen eine gütige Fürsprecherin
am Throne Gottes und sichere Wegweiserin zu Jesus Christus, unserer Hoffnung
sein! Indem ich diesen Pilgerweg geistlich mitgehe, erteile ich Euch allen von
Herzen meinen Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am Hochfest Pfingsten des Jahres 2003
IOANNES PAULUS II
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