Liebe Brüder
und Schwestern!
Mit dieser
Botschaft zur Fastenzeit möchte ich Euch in froher Hoffnung zur Buße aufrufen,
die in Euch reiche geistliche Früchte für ein noch lebendigeres christliches
Leben und eine tätige Nächstenliebe hervorbringen möge.
Die
Fastenzeit, die das Leben aller christlichen Gemeinschaften zutiefst prägt,
fördert den Geist der Sammlung, des Gebetes und des Hörens auf das Wort Gottes.
Sie regt dazu an, hochherzig auf jeden Aufruf des Herrn zu antworten, den der
Prophet mit den Worten ausdrückt: „… das ist ein Fasten, wie ich es liebe …: an
die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen
… Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe
schreist, wird er sagen: Hier bin ich!“ (Jes 58, 6.7.9).
Die
Fastenzeit 1988 ist im Zusammenhang mit der Feier des Marianischen Jahres zu
sehen, mit dem wir uns der Zweitausend-Jahr-Feier der Geburt Jesu, unseres
Erlösers, nähern. Bei der Betrachtung der göttlichen Mutterschaft Mariens, die
den Sohn Gottes in ihrem Schoß getragen und die Kindheit Jesu mit besonderer
Sorge umgeben hat, drängt sich mir das schmerzliche Drama so vieler Mütter auf,
deren Freuden und Hoffnungen mit dem allzu frühen Tod ihrer Kinder zerbrechen.
Ja, liebe
Brüder und Schwestern, ich möchte Euch einladen, über diesen Skandal der
Kindersterblichkeit nachzudenken, der Tag für Tag Zehntausende von Opfern
fordert. Kinder sterben, bevor sie das Licht der Welt erblicken, anderen ist nur
ein kurzes und leidvolles Leben beschieden, abgebrochen durch Krankheiten, die
doch leicht zu vermeiden wären. Zuverlässige Untersuchungen zeigen, dass in
Ländern, die am schlimmsten unter der Armut leiden, die größte Zahl der Toten
bei den Kindern zu finden ist: aufgrund von akutem Wassermangel, von parasitären
Infektionen, von unreinem Wasser, von Hunger, wegen fehlender liebender
Zuwendung. Unter solchen Elendsbedingungen stirbt eine große Zahl von Kindern
frühzeitig, andere sind dadurch so sehr geschwächt, dass ihre körperliche und
seelische Entwicklung gefährdet ist. Ihr einfaches Überleben bleibt bedroht, und
sie sind auch sehr benachteiligt, um einen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Die Opfer
dieser Tragödie sind die Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen geboren werden,
welche oft auf sozialen Ungerechtigkeiten beruhen; ferner jene Familien, denen
die notwendigen Mittel fehlen und die durch den frühen Tod ihrer Kinder für
immer geschädigt sind.
Erinnern
wir uns, mit welcher Bestimmtheit unser Herr Jesus Christus seine Solidarität
mit den Kindern ausgedrückt hat: „Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre
Mitte und sagte: …Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt
mich auf“. Und er befahl: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ (Mt 18,2.5;
19,14).
In dieser
liturgischen Fastenzeit ermahne ich Euch aufrichtig, Euch vom Heiligen Geist
erfassen zu lassen, der die Ketten der Ichsucht und der Sünde zu zersprengen
vermag. Teilt im Geiste der Brüderlichkeit mit jenen, die weniger haben als Ihr!
Schenkt nicht nur von Eurem Überfluss, sondern auch von dem, was Euch vielleicht
notwendig ist, um so alle Aktionen und Projekte in Eurer Ortskirche zu
unterstützen und besonders den weniger begüterten Kindern eine gerechte Zukunft
zu sichern.
Auf diese
Weise wird, liebe Brüder und Schwestern in Christus, Eure hilfsbereite Liebe
hell erstrahlen: „…damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel
preisen“ (Mt 5.16).
Möge so in
dieser Fastenzeit nach dem Beispiel Mariens, die ihren Sohn bis zum Kreuz treu
begleitet hat, unser Glaube an den Herrn tiefer und stärker werden und unser
hochherziges Leben von unserem Gehorsam zu seinem Gebot Zeugnis geben.
Von Herzen
segne ich Euch: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Aus dem Vatikan, am
9. Februar 1988
IOANNES PAULUS II
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