XVII. WELTGEBETSTAG FÜR GEISTLICHE BERUFE
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BOTSCHAFT VON PAPST JOHANNES PAUL II.
ZUM XVII. WELTGEBETSTAG FÜR GEISTLICHE BERUFE

 

Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Söhne und Töchter in aller Welt!

1. Als mein unvergessener Vorgänger Papst Paul VI. den Weltgebetstag für geistliche Berufe einführte, war es sein Wille, daß dieser zwischen zwei großen liturgischen Festen begangen werde: zwischen Ostern und Pfingsten. Das war eine sehr glückliche Entscheidung; denn diese herrlichen Geheimnisse unseres christlichen Glaubens werfen auf die Berufung zum Priestertum und jede andere Berufung, die sich in besonderer Weise dem Dienst für Gott und die Kirche weiht, ein helles Licht.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: "Christus ... auferstanden von den Toten ... hat seinen lebendigmachenden Geist den Jüngern mitgeteilt und durch ihn seinen Leib, die Kirche, zum allumfassenden Heilssakrament gemacht" (Dogmatische Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, Nr. 48).

Dies war der Anfang: eine geheimnisvolle und tiefreichende Veränderung vollzog sich in den ersten Jüngern, die an den auferstandenen Christus glaubten und das Geschenk des Heiligen Geistes erhielten. Es waren dieselben einfachen Menschen, die sich Jesus aus den Leuten seines Volkes, einen nach dem anderen, erwählt hatte. Wir kennen ihre Zweifel und ihre Ängste (vgl. Mt 28, 17; Joh 20, 19); sobald sie jedoch zum Glauben an den Auferstandenen gelangt waren, hatten sie ein klares Bewußtsein ihrer Berufung und ihrer Sendung, worin der Heilige Geist sie noch bestärken sollte, wie der Herr selbst es ihnen versprochen hatte: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1, 8).

In der Kraft des Heiligen Geistes waren sie Apostel, Priester und Zeugen für den auferstandenen Christus. Sie formten ihr Leben und ihre Taten, indem sie ihren Blick fest auf das unvergeßliche Bild von Jesus, dem Guten Hirten der Menschen, gerichtet hielten. In seiner heiligen Vollmacht verkündigten sie der Welt seine Botschaft und wirkten sie zum Heil der Menschen. Sie waren sich bewußt, daß Jesu Sendung als Priester, Lehrer und Hirt sich in ihren Personen fortsetzte: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20, 21). Sie wußten, daß sie dazu bestimmt waren, inmitten der Welt ein sichtbares Zeichen und Mittel für die lebendige und wirksame Gegenwart des auferstandenen Herrn zu sein und zugleich aus der Kraft eines unermeßlichen Geschenkes des Heiligen Geistes eine neue Gruppe von Menschen zu formen, die mit einem einzigartigen und unverwechselbaren Charakter ausgestattet sein würden: dem Charakter von Priestern, Lehrern und Hirten des Neuen Bundes.

2. Wie es im Anfang geschehen ist, so dauert es fort. Jahrhunderte und Jahrtausende sind vorübergezogen, aber die Kirche ist noch immer die Kirche des auferstandenen Christus und des Pfingstgeistes. Die Bischöfe als die Nachfolger der Apostel und die Priester als die Mitarbeiter der Bischöfe sind die Bischöfe und Priester dieses auferstandenen Christus und dieses Pfingstgeistes. So wird es auch in Zukunft sein; denn der auferstandene Herr hat seiner Kirche einen beständigen Beistand zugesichert: "Seid gewiß: ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28, 20; vgl. LG, Nr. 19; 28).

Neben den Bischöfen und den Diözesanpriestern, die mit ihnen als Söhne und Brüder verbunden sind, gab es, gibt es heute und wird es immer noch andere Menschen geben, die vom Herrn zum Leben in einer besonderen Weihe an Gott berufen, werden. Es gab eine Blüte der Diakone, der Diener des Volkes Gottes, und es gibt sie heute wieder von neuem. Groß war die Zahl der Missionare, die ausgesandt wurden, um neue Gemeinden von Christen zu gründen und zu leiten. Aufgeblüht sind ungezählte Formen gottgeweihten Lebens in den Orden, Kongregationen und Säkularinstituten, die "allen Menschen die überragende Größe der Herr Scherkraft Christi und die wunderbare, unbegrenzte Macht des Heiligen Geistes in der Kirche aufzeigen" (LG, Nr. 44). Alle diese Männer und Frauen finden die reine Quelle ihrer Berufung stets im Glauben an den auferstandenen Herrn und an die unerschöpflichen Gaben des Heiligen Geistes.

3. Liebe Brüder im Bischofsamt und ihr alle, Priester, Diakone, Ordensmänner, Ordensfrauen, Menschen, die ihr euch Gott geweiht habt! Ich wollte euch diese Gedanken in Erinnerung rufen, um eine herzliche Einladung an euch zu richten: Verkündet dem Volk Gottes, vor allem den Familien und den Jugendlichen, immer mehr und immer besser diese heiligen Wahrheiten vom Priestertum, von der Mission, vom gottgeweihten Leben. Wenn das Volk Gottes für geistliche Berufe betet, muß es genau wissen, wofür und für wen es da betet. Die Geheimnisse der Auferstehung und des Pfingstgeschehens geben euch die Möglichkeit, in rechter und überzeugender Weise über geistliche Berufe zu sprechen. Die Gläubigen, die Familien, die Jugendlichen müssen mit immer größerer Klarheit erkennen, daß die Kirche mit ihren Priestern, Missionaren und allen gottgeweihten Menschen nicht aus menschlichen Ursachen, Motiven oder Interessen entstanden ist, sondern aus dem barmherzigen Plan Gottes, der das Heil aller will aus der Kraft von Christi Tod und Auferstehung und aus dem machtvollen Wirken des Heiligen Geistes. Darum wird das persönliche Zeugnis eures Lebens, das sich ganz dem Dienst an den Menschen schenkt, eure Worte verstärken und ihnen mit der Hilfe Gottes neue Überzeugungskraft verleihen.

4. Liebe junge Menschen! An euch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine ganz besondere Einladung richten: Denkt darüber nach! Versteht, daß ich zu euch von sehr wichtigen Dingen spreche. Es geht darum, das ganze Leben dem Dienst für Gott und seine Kirche zu weihen. Und diese Weihe soll geschehen mit sicherem Glauben, mit reifer Überzeugung, in freier Entscheidung und mit einer Hochherzigkeit, die zu allem bereit ist und nichts zurücknimmt. Die Worte Jesu: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt", sichern diesem "euch" Dauer zu. Der Ruf des Herrn wird immer wieder ergehen, und immer wieder werden bereite Menschen darauf antworten. Auch ihr müßt eine Haltung einnehmen, um ihn hören zu können. Mit eurem vom Glauben erleuchteten Denken müßt ihr bis zur überirdischen Dimension des universellen Heilsplans Gottes vordringen. Ich weiß, daß euch viele Dinge dieser Welt, viele Ereignisse von heute beunruhigen. Und gerade das ist der Grund, warum ich euch zum Nachdenken auffordere! Öffnet euer Herz für eine beglückende Begegnung mit dem auferstandenen Christus! Laßt die Kraft des Heiligen Geistes in euch wirken und euch die rechte Lebenswahl eingeben. Fragt andere um Rat! Die Kirche Jesu Christi muß ihre Sendung in der Welt fortsetzen: sie braucht euch; denn es gibt so viel zu tun. Wenn ich zu euch von der Berufung spreche und euch einlade, diesem Weg zu folgen, tue ich das als der demütige, aber leidenschaftliche Diener jener Liebe, von der Christus erfüllt war, als er die Jünger in seine Nachfolge berief.

5. Schließlich, liebe Söhne und Töchter in aller Welt, geht meine Bitte an jeden von euch und an eure Gemeinden: Betet! Das ist die Grundlage für alles andere, auf der Christus so sehr bestanden hat: "Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden (Mt 9, 38). Laßt uns gemeinsam mit der Jungfrau Maria beten und auf ihre Fürsprache vertrauen! Wir wollen darum beten, daß die heiligen Geheimnisse der Auferstehung und des Heiligen Geistes viele hochherzige Menschen erleuchten und sie bereit machen, mit größerer Verfügbarkeit der Kirche zu dienen. Wir wollen für die Hirten und ihre Mitarbeiter beten, daß sie die rechten Worte finden, um den Gläubigen die Botschaft vom priesterlichen und gottgeweihten Leben zu verkünden. Laßt uns auch beten, daß die Gläubigen in allen Bereichen der Kirche mit neuer Zuneigung an dieses Ideal des Evangeliums glauben, das Ideal des Priesters, der sich ganz und gar dem Aufbau des Reiches Gottes widmet, und ebenso hochherzig wie tatkräftig solche Berufungen fördern. Wir wollen für die jungen Menschen beten, an die der Herr seine Einladung zur engeren Nachfolge richtet, daß sie sich durch die Dinge dieser Welt nicht ablenken lassen, sondern ihr Herz der Stimme des Freundes öffnen, der sie ruft; daß sie sich imstande fühlen, sich für ein ganzes Leben und mit "ungeteiltem Herzen" an Christus, an die Kirche und an ihre Mitbrüder zu verschenken; daß sie daran glauben, daß ihnen die Gnade Kraft für eine solche Lebensweihe gibt, und daß sie die Schönheit und Erhabenheit eines Lebens als Priester, Ordenschrist oder Missionar entdecken. Laßt uns auch für die Familien beten, damit es ihnen gelingt, ein christliches Klima zu schaffen, das für die wichtigen religiösen Entscheidungen ihrer Kinder förderlich ist. Und zugleich laßt uns dem Herrn von Herzen danken, daß in diesen Jahren an vielen Stellen der Welt so zahlreiche Jugendliche und auch Menschen reiferen Alters  und sogar in wachsender Zahl   dem göttlichen Ruf antworten. Wir wollen schließlich auch beten, daß alle Priester und Ordensleute mit ihrer Verfügbarkeit den Berufenen Beispiel und Ansporn sind, mit ihrer demütigen Bereitschaft wie ich es im Brief an die Priester zum Gründonnerstag 1979 genannt habe "die Gaben des Heiligen Geistes anzunehmen und die Früchte der Liebe und des Friedens den anderen weiterzuschenken; ... bereit..., ihnen jene Glaubensgewißheit zu vermitteln, die sie den Sinn der menschlichen Existenz tiefer verstehen läßt und sie befähigt, die moralische Ordnung im Leben des einzelnen und in den Lebensbereichen der Menschen zur Geltung zu bringen" (Nr. 4).

Mit dem Wunsch, daß die jungen Menschen mit zielstrebigem Einsatz die Anforderungen dieser Berufung zum Priestertum und zu den anderen Formen des gottgeweihten Lebens anzunehmen verstehen, segne ich sie von Herzen, zusammen mit allen, die ihnen in der gesamten kirchlichen Gemeinschaft zur Seite stehen und sie während der Zeit ihrer notwendigen Vorbereitung unterstützen.

Aus dem Vatikan, am 2. März 1980, dem zweiten Pontifikatsjahr.

Joannes Paulus II

 

© Copyright 1980 - Libreria Editrice Vaticana

 

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