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RUNDFUNK- UND FERNSEHBOTSCHAFT
PAPST JOHANNES PAULS II.
AN DAS FRANZÖSISCHE VOLK

28. Mai 1980


Drei Tage vor meiner Abreise nach Paris möchte ich zunächst allen, die mich eingeladen haben, meinen lebhaften Dank aussprechen: der UNESCO, den französischen Bischöfen, dem Präsidenten und den zivilen Behörden Frankreichs; und auch denjenigen, die mir ihre Erwartung kundgetan haben. Denn außer den offiziellen Stellen, die ich soeben genannt habe, hat eine große Zahl von Personen aus allen Schichten, besonders viele junge Menschen, ihren Gefühlen, vor allem ihrem Vertrauen und ihrer Hoffnung auf diese Begegnung in unzähligen Briefen Ausdruck verliehen. Dafür sei ihnen gedankt! Das alles hat ein bereits spürbar günstiges Klima zu schaffen vermocht, und ich möchte diese Erwartung auf die beste Weise erwidern.

Es trifft sich, daß diese Reise nach Frankreich einige Wochen nach meinem Pastoralbesuch in Afrika und einen Monat vor einem ähnlichen Besuch in Brasilien stattfindet. Ich vertraue darauf, daß die Vorsehung und das Licht des Heiligen Geistes mir helfen werden, diese Pastoralreise als Dienst, den mir mein Amt des Nachfolgers des hl. Petrus auferlegt, und auch dem Geist des hl. Paulus entsprechend durchzuführen, der den Glauben der Kirchen festigen, ihr Zeugnis empfangen und ihre Gemeinschaft und Verbundenheit untereinander herstellen wollte.

Diese Reise ist für mich in vielfacher Weise ein Anreiz. Sie ist für mich eine Ehre, aber vor allem eine Verpflichtung, eine Verantwortung.

Frankreich ist vor allem die älteste Tochter der Kirche und hat viele Heilige hervorgebracht! Ich könnte hinzufügen, daß es unter Frankreichs Sonne viele Orte gibt, an die ich mich im Gebet und im Herzen oft auf Pilgerfahrt hinbegebe. Unter ihnen ist auch Lisieux, das in meinem jetzigen Besuch Platz finden konnte. Aber da ist noch Ars und viele andere Orte, mit denen ich im Geiste verbunden bin und von wo ich ebenfalls Einladungen erhalten habe.

Wie sollte man in diesem Zusammenhang nicht auch auf das kulturelle Schaffen eures Landes hinweisen, auf seinen Beitrag zur Kultur im allgemeinen und besonders im katholischen Bereich? Welch berühmte Namen in eurer vielhundertjährigen Tradition! Ja, selbst in diesem Jahrhundert gibt es Gestalten, deren Ausstrahlung weit über eure Grenzen hinausgegangen ist und von denen viele mir persönlich sehr nahestehen. Es ist übrigens bezeichnend, daß die UNESCO, die als internationale Organisation dazu bestimmt ist, die Kultur in allen Ländern zu fördern, ihren Sitz in Paris hat.

Wenn ich also an den Einfluß denke, den die französische Kultur auf dem Gebiet der Philosophie; Geschichte und Literatur und die Gedankenwelt französischer Theologen auf viele Menschen und Gesellschaften ausgeübt hat und ausübt, muß ich an den besonderen Augenblick denken, den die Kirche in diesem großen Land erlebt.

Ich bin mir darüber im klaren, daß die Kirche in Frankreich, der französische Katholizismus sich in diesen letzten Jahren seit dem Konzil in einer besonderen Situation befinden. Ich habe nicht die Absicht, diese hier zu beschreiben oder ein Urteil über sie abzugeben. Jeder weiß, daß es sich um etwas handelt, was man als eine "Wachstumskrise" bezeichnen könnte. Ich hoffe, daß das ein Schlüssel für die Deutung der besonderen Situation ist, die man in Frankreich seit dem Konzil kennt.

Ich bin in der Tat überzeugt davon, daß es in Frankreich, in der Kirche, in der Nation und in der Gesellschaft, noch immer unermeßliche Kräfte, unermeßliche Reserven gibt, die es dem Land nicht nur ermöglichen werden, auch weiterhin seine Eigenständigkeit zu bewahren, sondern sich auch in den Dienst der anderen zu stellen.

Ja, die Kirche verdankt dem Volk Frankreichs, das viel empfangen und auch viel gegeben hat, einige ihrer herrlichsten Seiten: große, religiöse Orden, wie die Zisterzienser und die Kartäuser, die Kathedralen oder das im vorigen Jahrhundert begonnene Missionsheldenlied. Die Hochherzigkeit seiner Werke und seines Denkens hat ihm die Freundschaft zahlreicher Völker, auch der ärmsten, eingebracht! Möge Frankreich weiterhin hier den Sinn seines Daseins finden!

Es ist nun über ein Jahr her, daß man mich zum Eucharistischen Kongreß nach Lourdes im Juli 1981 eingeladen hat, der ein Jubiläumskongreß — der hundertste — sein wird. Doch mehrere gewichtige Umstände haben mich, wie gesagt, veranlaßt, diesen Besuch vorzuziehen und erst nach der Reise nach Paris nach Lourdes zu kommen.

Ebenso wie ich selbst eingeladen wurde, so lade auch ich meinerseits die Franzosen zu dieser großen Begegnung im Gebet, in gemeinsamer Reflexion, in der Verbundenheit des Geistes ein.

 

© Copyright 1980 - Libreria Editrice Vaticana

 

 

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