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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DER INTERNATIONALEN KONFERENZ
ÜBER DIE ENZYKLIKA «LABOREM EXERCENS»

Freitag, 27. Mai 1983

 

Sehr verehrte Damen und Herren!

Herzlich heiße ich Sie heute im Vatikan willkommen. Mit lebhaftem Interesse habe ich von Ihrer Fachkonferenz über die Enzyklika Laborem Exercens in der Trägerschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung erfahren. Sie haben sich dafür neben einigen grundsätzlichen Überlegungen zu Recht auch die Frage gestellt, welche konkreten Möglichkeiten es gebe, nach dem Maßstab dieses sozialen Rundschreibens Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit immer umfassender zu verwirklichen. Oder anders gesagt: Wie können die realen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen in verschiedenen Ländern und Kontinenten aus der Sicht von Laborem Exercens sowie der früheren großen Dokumente der Päpste zur sozialen Frage verbessert werden?

Um Konkretisierung also geht es Ihnen. Das entspricht genau den Intentionen dieser Sozialenzyklika des päpstlichen Lehramtes. Sie legt Grundprinzipien vor, dem Menschenbild des katholischen Glaubens entnommen. Notwendigerweise bleibt sie dabei auf der Ebene des mehr Allgemeinen. Das Lehramt der Kirche muß diese Zurückhaltung üben und kann zu sozialen und wirtschaftlichen Themen nur prinzipielle Aussagen machen. Ebenso wahr und zwingend ist es aber, daß dann die Konkretisierung folgen muß, und zwar in Verantwortung der jeweiligen Ortskirchen und mit Hilfe von zuständigen Wissenschaftlern und Fachleuten auf dem Gebiet der Soziologie, der Sozialpolitik und der Wirtschaft. Die Prinzipien der Enzyklika drängen zur Konkretisierung. Das Fehlen ausgeführter konkreter Modelle in der Enzyklika darf keineswegs zu einem bequemen Ausweichen von der konkreten Anwendung führen, etwa mit dem Argument, daß sie ja selbst kaum praktische Wege aufzeige.

Gewiß, die Vorlage und Erprobung solcher Handlungsmodelle geschieht auch in Auseinandersetzung mit Ansprüchen aus dem materiell-sachhaften Bereich, wie zum Beispiel der wirtschaftlichen Effizienz. Diese an sich normale Auseinandersetzung darf jedoch nicht prinzipiell und von vornherein zugunsten der sogenannten Sachzwänge entschieden werden. Denn gerade das will die Enzyklika Laborem Exercens aufzeigen: Der Mensch darf nicht in erster Linie und erst recht nicht ausschließlich als Sache, als Objekt definiert und wie ein rein quantitativer Faktor in wirtschaftliche Berechnungen eingesetzt werden, sondern muß zu allererst als Subjekt mit einer unverfügbaren Würde anerkannt werden.

Die Suche nach einem möglichst menschenwürdigen und sinnvollen Zusammenspiel der verschiedenen Wertbereiche führt natürlich im allgemeinen zu einer Mehrzahl von: möglichen Modellen, aus denen das eine oder andere in Bereitschaft zu Kompromiß und Korrektur ausgewählt und erprobt werden muß. Dabei werden wir oft schmerzhaft erfahren, daß hier und heute immer nur begrenzte Möglichkeiten gegeben sind, das volle Ideal zu verwirklichen. Bei diesem mühevollen Suchen stellen die einzelnen Kulturkreise der Erde keine Inseln dar, sondern müßten sich vielmehr gegenseitig die Augen öffnen für bisher ungesehen Möglichkeiten der Gestaltung des sozialen Zusammenlebens und sich zu deren geduldiger Erprobung ermutigen. Unter dieser Rücksicht halte ich es für besonders sinnvoll, wenn Sie bei Ihrer Fachkonferenz jeweils die europäische mit der entsprechenden lateinamerikanischen Erfahrung konfrontieren.

Zum Schluß darf ich Ihnen versichern, daß ich mit reger geistiger Anteilnahme Ihre Beratungen verfolge und das gute Gelingen dieser Tagung in mein Gebet einschließe. Gott segne Ihr Wirken und lasse es den Menschen zugute kommen!

Y ahora, antes de finalizar esta Audiencia, permitidme dirigir mi más cordial saludo a los participantes, de lengua española, a esta Reunión promovida por la fundación Konrad Adenauer.

Amadísimos hermanos, deseo agradeceros la amabilidad y el afecto que habéis demostrado al Vicario de Cristo con esta visita. Muchas gracias por encontraros aquí.

Como recuerdo del encuentro que habéis tenido a lo largo de los días pasados sobre la Encíclica Laborem Exercens, quiero animar a vosotros, a vuestras familias y a todos los habitantes de la inolvidable América Latina a seguir esforzándoos por crear una imagen de sociedad donde se refleje verdaderamente el amor desinteresado y generoso de Cristo Redentor. Así será posible también hacer una sociedad cada vez más justa, más libre y responsable, en la que la persona humana sea considerada por lo que es, criatura de Dios, y no por lo que posee. Que el Señor proteja y otorgue siempre la abundancia de sus dones a todos los hogares latinoamericanos.

De corazón os imparto mi Bendición.

© Copyright 1983 - Libreria Editrice Vaticana

 
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