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PASTORALBESUCH IN DER SCHWEIZ

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE VERTRETER DER MISSIONS- UND HILFSWERKE

Einsiedeln
Freitag, 15. Juni 1984

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Bei meinem Pastoralbesuch in der Schweiz darf auch eine Begegnung mit Vertretern der schweizerischen Missionskräfte und der kirchlichen Hilfswerke nicht fehlen. Der opferbereite Einsatz der Schweizer Katholiken für den Missionsauftrag der Kirche und ihre zahlreichen Spendenaktionen für notleidende Mitmenschen, vor allem in Ländern der Dritten Welt, gereichen der katholischen Kirche dieses Landes zur besonderen Ehre und Auszeichnung.

1. Durch die verschiedenen Missions- und Hilfswerke versuchen die Gläubigen und alle Mitwirkenden, die ihr hier vertretet, nach dem Beispiel des Herrn durch Verkündigung und Diakonie in eurem Land und in der Welt den Dienst der Liebe zu vollziehen. Diese Aufgaben gehören zum Wesen der Kirche. Alle Menschen haben ein Anrecht darauf, daß ihnen die Frohe Botschaft Christi verkündet wird und sie seine Menschenfreundlichkeit erfahren. Die Sendung der Kirche gilt dem ganzen Menschen, seinem zeitlichen und ewigen Heil. Sie verwirklicht sich in der umfassenden Heilssorge für den Menschen im religiösen, geistig-personalen und materiellen Bereich. Die brüderliche Solidarität der Christen gilt vor allem jenen, die hungern und dürsten nach Lebenssinn, Brot und Gerechtigkeit, nach Menschenwürde und nach dem erlösenden Erbarmen Gottes. Der mitverantwortliche opferbereite Einsatz der Gläubigen in euren Missions- und Hilfswerken entspricht somit dem Geiste des Herrn, der von sich selber gesagt hat: ”Ich bin gekommen, daß sie das Leben haben und daß sie es in Fülle haben“ (Joh 10, 10).

Ohne gelebte Brüderlichkeit untereinander und füreinander kann es keine christliche Gemeinschaft geben. Daher ermahnt uns der hl. Paulus: ”Einer trage des andern Last: So wendet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6, 2). Angesichts der ständig wachsender Weltbevölkerung ist die weltweite Glaubensverkündigung und eine verstärkte zwischenkirchliche Hilfe ein besonderes Gebot der Stunde. Die ungeheure Zahl der Armen, der Hungernden, der Flüchtlinge und jener Menschen, die sich nach mehr Gerechtigkeit und Freiheit sehnen, ist für uns Christen eine Herausforderung, nicht nur wohlwollend Hilfe zu leisten, sondern auch die Ursachen der Nöte umfassender zu studieren und diese zu beseitigen. Eine besondere Verantwortung haben hierbei vor allem die reichen Nationen. Wer immer zu den Begüterten zählt, möge die ”soziale Hypothek“ bedenken, die nach großzügiger privater, kirchlicher und staatlicher Hilfe ruft.

2. Ich weiß um die zahlreichen Institutionen und Organisationen, die sich in eurem Land hochherzig dafür einsetzen, daß unter den Gläubigen das Bewußtsein der Mitverantwortung für die Glaubensverkündigung und die Solidarität mit den notleidenden Brüdern und Schwestern in der Welt wachsen. Stellvertretend für alle möchte ich hier nur erwähnen: die in der Mission und Diakonie tätigen religiösen Orden und Kongregationen, den Schweizerischen Katholischen Missionsrat, die Päpstlichen Missionswerke Missio, den Caritasverband, das Fastenopfer der Schweizer Katholiken. Eine besondere Erwähnung verdient auch die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, dank deren umsichtigen Wirkens auch immer mehr reguläre kirchliche Steuermittel eingesetzt werden können.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, während dieses Pastoralbesuches den Bischöfen, allen Verantwortlichen und Mitwirkenden sowie allen opferbereiten Gläubigen in der Schweiz für dieses tatkräftige Zeugnis christlicher Nächstenliebe in Mission und Diakonie im Namen der Kirche aufrichtig zu danken. Möge der Geist des brüderlichen Teilens in der Gemeinschaft der Kirche noch weiter wachsen und sich vertiefen, damit die erlösende Heilsbotschaft Christi immer glaubwürdiger verkündet und gelebt wird. Darin bestärke euch Christus, der Herr, mit meinem besonderen Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1984 -  Libreria Editrice Vaticana

 

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