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ANSPRACHE VON PAPST JOHANNES PAUL II.
AN EINE PILGERGRUPPE AUS NIEDERÖSTERREICH

Montag, 10. Juni 1985

 

Herzlich heiße sich Sie zu Ihrem heutigen Besuch im Vatikan willkommen.

Ich grüße in Ihnen Persönlichkeiten, die in ihrem Heimatland Niederösterreich - sei es im Landtag oder in der Landesregierung - verantwortungsvolle Aufgaben für ihre Mitbürger zu erfüllen haben. Es freut mich deshalb besonders, daß Sie in so großer Zahl unter der Führung Ihres Landeshauptmanns Siegfried Ludwig zu einer mehrtägigen Pilgerreise in die Ewige Stadt gekommen sind. Diese Segnung erinnert mich an eine andere Gruppe von Niederösterreichern, die erst vor wenigen Tagen - wiederum unter Ihrer Leitung, Herr Landeshauptmann - zur Kardinalserhebung Ihres Landsmannes Erzbischof Dr. Alfons Stickler Gäste in Rom und im Vatikan gewesen sind. Durch den hohen Würdenträger ist Ihr Bundesland ehrenvoll in der römischen Kurie vertreten.

Sie gedenken durch diese Romwallfahrt in Dankbarkeit gegen Gott des bedeutenden Jubiläumsjahres der staatlichen Unabhängigkeit und Freiheit Ihrer österreichischen Heimat. Zugleich verbinden Sie damit die Erinnerung an den 500. Jahrestag der Heiligsprechung Ihres Landespatrons des heiligen Leopold. Dadurch ist diese Pilgerreise zu den Gräbern der Apostel auch Ausdruck Ihrer persönlichen Verbundenheit mit der Kirche und mit diesem Zentrum der katholischen Christenheit.

Niederösterreich, das Sie hier vertreten, hat als Kernland Ihres Staates im Lauf der Geschichte Entscheidendes zur Entwicklung Österreichs beigetragen. In diesem Zusammenhang möchte ich gerade in diesem Gedenkjahr die Namen Ihrer Staatsmänner Leopold Figl und Julius Raab nennen, die nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges den Weg des neuen Österreich vor allem durch die Unterzeichnung des Staatsvertrages und die Erklärung der Neutralität maßgeblich bestimmt haben.

Gleich diesen hervorragenden Männern hatten Sie in Ihren Reihen immer wieder Persönlichkeiten, die sich ernsthaft darum bemüht haben, die politische Verantwortung mit ihrem katholischen Glauben und dem christlichen Sendungsauftrag in der Welt in Einklang zu bringen. Auch Sie fühlen sich diesem hohen Ideal verpflichtet. Der hl. Leopold, Ihr Landespatron, ist Ihnen dafür leuchtendes Vorbild und mächtiger Fürsprecher.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium erneut unterstrichen: ”Jeder Laie ist kraft der ihm geschenkten Gaben zugleich Zeuge und lebendiges Werkzeug der Sendung der Kirche selbst "nach dem Maß der Gabe Christi"“. Ein solch christliches Zeugnis ist Ihnen entsprechend Ihren Berufspflichten in der Politik Ihres Landes aufgetragen. In diesem Geist bemühen Sie sich erfolgreich darum, sowohl den Aufgaben des ländlichen Raumes wie den Problemen der technisierten Industriegesellschaft im Rahmen des Möglichen gerecht zu werden. Besonders möchte ich Ihre familienfördernden Maßnahmen und Ihre Sozialhilfe für ältere und kranke Menschen hervorheben. Hilfe und Aufnahme haben Sie in dankenswerterweise in den letzten Jahrzehnten auch vielen Menschen gewährt, die aus Ihren Nachbarländern - auch aus meiner polnischen Heimat - in Ihr Land gekommen sind.

Möge der christliche Glaube, der die reiche Geschichte Niederösterreichs geprägt hat und sich im Leben Ihrer Diözesen und Pfarrgemeinden, besonders auch in Ihren vielen Stiften, Klöstern und Wallfahrtsstätten bis heute ausdrückt, Ihnen und Ihrem verantwortungsvollen Wirken auch in Zukunft geistige Hilfe und Wegweisung sein. Mit diesem Wunsch erteile ich Ihnen, Ihren Angehörigen sowie allen Ihren Landsleuten in Niederösterreich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1985 - Libreria Editrice Vaticana

 

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