Liebe Brüder und Schwestern!
Jesus kannte das Herz seiner Jünger. Als er begann, zu ihnen von seinem Abschied
und seinem Hinübergang zum Vater zu sprechen, spürte er, wie ihr Herz von Trauer
erfüllt war. Weil er aber wußte, daß nur die Wahrheit ihren Schmerz heilen könne,
sagte er ihnen ganz deutlich: ”Es ist gut für euch, daß ich fortgehe; denn wenn
ich nicht fortgehe, wird der Beistand (gemeint ist der Heilige Geist) nicht zu
euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden“. Erst wenn Christus
seinen Lebensweg als Menschensohn ganz vollendet hat und zur Rechten Gottes als
König und Herr eingesetzt ist, kann er uns aus der Fülle des dreifältigen Lebens
Gottes das Geschenk des Heiligen Geistes senden. Dann ist er zwar ”fortgegangen“;
aber durch seinen Geist bleibt er machtvoll und lebendig gegenwärtig in seiner
Kirche. So leitet und ermutigt er sie auf ihrem Weg durch die Jahrhunderte.
Meine lieben Rekruten! Auch ihr seid ”fortgegangen“ von euren Angehörigen,
Freunden und Kollegen. Vielleicht ist dabei auch manches Herz von Trauer erfüllt
worden, und der eine oder andere mag die bohrende Frage gehört haben: Zahlt sich
das denn aus, dieser Dienst bei der Päpstlichen Schweizergarde im fernen Rom?
Wirft dich das nicht in deinem Beruf zurück? Kommst du nicht viel zu spät zur
Gründung einer Familie? Auch ich möchte euch hierzu die Wahrheit sagen, von der
ich zutiefst überzeugt bin: Ja, euer Dienst wird sich auszahlen – unter einer
Bedingung allerdings: wenn ihr diesen Abschnitt eures Lebens gleichsam als einen
neuen Ruf Gottes an euch auffaßt und alle eure Kräfte in diesen Dienst und in
die Gemeinschaft eurer Kameraden einbringt. Dann werdet ihr einmal in eure
Schweizer Heimat zurückkehren als Menschen, die an
Leib und Seele gereift sind, deren Kenntnis von Kirche und Gesellschaft
gewachsen ist, deren Liebe zur Kirche und zu ihrem obersten Hirten tiefer,
realistischer und weiser geworden ist.
Euer Dienst in der Schweizer Garde läßt euch eine Vielfalt an Motiven
erfahren, warum jemand den Petersplatz und den Vatikan, die Audienzhalle oder
die Petersbasilika besucht: wie zum Beispiel Neugier, Kunstinteresse, religiöse
Stimmung oder wahre katholische Frömmigkeit. Dabei werdet ihr selbst zu einer
Stellungnahme herausgefordert, was es euch persönlich bedeutet, hier in der Nähe
des Petrusgrabes Dienst zu tun und damit täglich an das Glaubenszeugnis der
Apostel über Christi Kreuz und Auferstehung erinnert zu werden. Euer Dienst gilt
jetzt dem Nachfolger dieses Petrus, dem zusammen mit allen anderen Bischöfen und
Gläubigen die Bezeugung Christi, unseres Erlösers, für unsere Zeit aufgetragen
ist. Ihr dient keinem Zentrum der Macht im irdischen Sinne, sondern dem Zentrum
der sichtbaren Einheit der Kirche, deren Garant von innen her der Heilige Geist
selber ist, der Geist des auferstandenen Herrn zur Rechten Gottes des Vaters.
Wenn ihr mit einem solchen vertieften Glauben, mit einer solchen gereiften Liebe
zur Kirche in eure Heimat zurückkehren werdet, seid ihr in der Lage, die hier
erlebten Werte auch dort, in eurer Familie, unter euren Kollegen, zu bezeugen.
So kann eine neue Bindung mit ”Rom“ wachsen, können Mißverständnisse über das
Papstamt geklärt werden, kann das Wesentliche und Bleibende an der
Kirchenstruktur besser herausgestellt werden. So könnt auch ihr einen wichtigen
Beitrag zur Einheit der Kirche und zum gegenseitigen Verständnis der Christen
untereinander leisten.
So danke ich euch herzlich für euer Ja zum Dienst in der Päpstlichen
Schweizergarde und beglückwünsche euch zugleich zu dieser Chance für eine
Erweiterung eurer Bildung und eine Vertiefung eures Glaubens. Auch euch, liebe
Eltern und Angehörige der neuen Rekruten, gilt mein aufrichtiger Dank für eure
innere Zustimmung zu diesem zeitweiligen Aufenthalt eures Sohnes und Bruders an
dieser zentralen Stelle der Weltkirche, wo deren Leben gewiß intensiver und
vielfältiger sichtbar wird als anderswo sonst. Eine erste Frucht dieser
Entscheidung ist ja bereits unsere heutige Begegnung bei dieser Eucharistiefeier.
Der Herr schenke euch weitere geistige Früchte aus der heute beginnenden
besonderen Verbundenheit eurer Familie mit dem Heiligen Stuhl.
Jeunes membres de langue française de la Garde Suisse, et vous, leurs chers
parents et amis,
L’Evangile de ce jour nous oriente vers le mystère de l’Ascension du Seigneur
Jésus. C’est la séparation du Maître et des disciples. Séparation apparente
certes, car, au regard de la foi, Jésus demeure présent aux siens jusqu’à la fin
des temps. Que dis-je? Avec le Christ, c’est le Père et l’Esprit Saint – la
Trinité tout entière – qui accompagnent les croyants en les aimant, en les
gardant dans la paix.
Chers amis, notre vie humaine comporte nécessairement des séparations. Elles ne
vont pas sans souffrance pour ceux qui partent comme pour ceux qui restent. Mais
le Seigneur est toujours avec nous. Il me plaît de le souligner en ce jour où de
grands fils et leurs parents prennent la mesure de leur éloignement quotidien,
ou en tout cas fréquent.
A vous, chers jeunes, qui avez librement choisi de servir le Pape et “L’Eglise
en son centre” pendant quelques années, j’exprime mes salutations chaleureuses.
Puisse le temps de votre mission au Vatican contribuer au bon déroulement de mon
service pastoral, par la ponctualité de votre service de garde, la courtoisie de
votre accueil, la dignité de votre présence aux cérémonies! Et puisiez-vous en bénéficier vous-mêmes! Je vous souhaite de faire une nouvelle
expérience de fraternité entre jeunes, d’enrichir votre culture humaine et
religieuse au fil des jours et des circonstances qui, à Rome, rythment la vie de
l’Eglise. Je souhaite ardemment que votre foi s’affermisse au cours de votre
séjour romain.
A vous, chers parents de ces jeunes recrues, je dis un merci du fond du coeur
pour avoir partagé et facilité le projet de vos fils au service de l’Eglise. Que
le Seigneur vous récompense! C’est pourquoi j’invoque sur vos personnes, sur vos
enfants qui vont demeurer ici, sur tous les membres de vos familles,
d’abondantes grâces de lumière et de force divines.
© Copyright 1986 - Libreria Editrice Vaticana