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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN EINE
GRUPPE VON GLÄUBIGEN AUS BAYERN

Benediktionsaula - Samstag, 25. April 1987

 

Eminenz!
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Exzellenzen!
Meine Damen und Herren!

Ich möchte Sie alle ganz herzlich hier im Vatikan willkommen heißen. Sie haben diese Pilgerfahrt nach Rom unternommen, um Ihren früheren Erzbischof zu ehren und damit eine Verbundenheit zu bekunden, die auch nach der Berufung zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre nicht abgerissen ist. Äußerer Anlaß hierzu ist die glückliche Vollendung seines 60. Lebensjahres. Gern reihe auch ich mich heute mit meinen besten Glück- und Segenswünschen in diese große Schar der Gratulanten ein.

Sehr verehrter Herr Kardinal! Es ist hier nicht der Ort - noch reichte die Zeit -, um Ihr unermüdliches Wirken für die Kirche als theologischer Lehrer an verschiedenen deutschen Hochschulen und Universitäten, als Erzbischof von München und Freising und als Kardinalpräfekt in angemessener Weise zu würdigen, und dies wäre Ihnen auch vermutlich nicht willkommen. Dennoch erlauben Sie mir, ein aufrichtiges Wort des Dankes hier öffentlich auszusprechen mit dem Ihnen und Ihren Landsleuten vertrauten ”Vergelt’s Gott!“.

Liebe Brüder und Schwestern! Vielen von Ihnen liegt die Pflege des bayerischen Brauchtums und der heimatlichen Volksmusik sehr am Herzen, so daß Sie viele Stunden Ihrer Freizeit dafür einsetzen. Bei diesem Bemühen sollte jedoch nicht der Gesamtrahmen vergessen werden, in dem beides wachsen und reifen konnte. Viele Komponisten und Wiederentdecker des heimatlichen musikalischen Schatzes waren gläubige Menschen, und viele Texte bezeugen dies. Auch die Liebe zur Schönheit der Natur, der Welt der Berge, Wiesen und Seen, konnte zu solcher Tiefe nur gelangen, da sie letztlich auf den Schöpfer von Welt und Mensch ausgerichtet war. So fügt sich in vielen Landschaften Ihrer Heimat das Gotteshaus in solcher Harmonie in die Natur ein, daß selbst dem ungläubigen Besucher aufgeht, daß für den Christen Schöpfung und Schöpfer untrennbar zusammengehören, ja, daß das vom Menschen Geschaffene den Gedanken des Schöpfers nachzuahmen versucht.

Daher meine Bitte und mein Aufruf an Sie: Halten Sie diesen Gesamtrahmen in Ihren Pfarreien und Vereinen lebendig! Pflegen Sie das religiöse Volkslied! Setzen Sie sich ein für die Feier der heiligen Messe bei festlichen Anlässen und gestalten Sie diese aktiv mit! Auf diese Weise leben Sie nicht nur vom Erbe Ihrer Vorfahren, sondern Sie gestalten es weiter und bewahren es in seiner Fülle für die folgenden Generationen auf.

Nochmals danke ich Ihnen für diesen Besuch und wünsche Ihnen geistlich fruchtbare Stunden in der Begegnung mit den Stätten des Glaubens in der Ewigen Stadt. Zugleich erteile ich Ihnen und allen Ihren Lieben in der Heimat meinen besonderen Apostolischen Segen.

Grüß Gott und auf Wiedersehen in München!

 

© Copyright 1987 -  Libreria Editrice Vaticana 

 

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