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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN EINE GRUPPE JUGENDLICHER AUS DEUTSCHLAND

Montag, 6. Juli 1987

 

Liebe Jungen und Mädchen,
Brüder und Schwestern aus den Oldenburger Land!

Seid auch ihr herzlich willkommen hier im Vatikan, wo der Apostel Petrus sein Leben für den Glauben an Christus hingegeben hat und wo wir sein Grab noch heute verehren. Willkommen heißt euch der gegenwärtige Nachfolger des Petrus, der im Auftrag Christi die weltweite Kirche in Gemeinschaft mit den Bischöfen der einzelnen Diözesen leitet. Ihr kommt aus dem Norden der Diözese Münster, aus Vechta und seiner Umgebung. Eure Großeltern sind vor fünfzig Jahren berühmt geworden, als sie sich dagegen auflehnten, daß gottlose Staatsführer die Kreuze aus euren Schulen entfernen wollten. Gemeinsam mit ihren Priestern und ihrem Bischof haben sie damals ihren Glaubensstandpunkt zu dieser wichtigen Grundsatzfrage deutlich ausgesprochen, so daß man ihnen die Kreuze lassen mußte. Wo immer ihr heute das Kreuz Christi seht oder auch das Bild der Muttergottes Maria oder anderer Heiliger, denkt daran daß dies Zeichen eures persönlichen Christenglaubens sein wollen, zu dem ihr euch dankbar und freudig bekennt.

Aus dem fernen Norden seid ihr nun für zwei Wochen zu einem Ferienlager nach Terracina südlich von Rom gekommen. Ich freue mich mit euch, wenn ihr in dieser Zeit ein vielfältiges Programm mit guten neuen Eindrücken erleben könnt. Ihr werdet hoffentlich auch junge italienische Menschen treffen und etwas von ihren Gewohnheiten und Anschauungen erfahren. Ihr werdet feststellen, daß die Jungen und Mädchen dieses Landes in vielem die gleichen Freuden und Sorgen wie ihr haben. Aber ihr werdet auch bemerken, daß manches im Leben der hiesigen jungen Leute anders ist als bei euch. Schaut genau hin, erkundigt euch, tauscht Erfahrungen aus, lernt verstehen! So werdet ihr selbst reicher und erfahrener in eurem Urteil über die unterschiedlichen Menschenwege auf dieser Erde. Vor allem aber bildet sich dann in euch die Tugend der Toleranz gegenüber den tiefen Überzeugungen anderer Menschen, gerade auch dort, wo ihr euch von ihnen unterscheidet. Solche Toleranz und Achtung voreinander brauchen wir heute noch viel mehr, damit wir dem friedlichen Zusammenleben der Völker und Menschen in der Welt Schritt für Schritt näherkommen. Wir Erwachsenen setzen dabei große Hoffnungen gerade auf euch junge Menschen, die ihr heute so viele herrliche Möglichkeiten habt, die eigenen Landesgrenzen und Kulturbereiche zu überschreiten und euer jeweiliges Menschenbild zu erweitern. Nutzt diese Chancen und helft mit, den Menschen in aller Welt und somit auch euch selbst den Frieden und die Gerechtigkeit zu schenken.

So wünsche ich euch allen, liebe Jungen und Mädchen, mit euren erwachsenen Helfern und Leitern einen gesunden Ferienaufenthalt und eine glückliche Heimkehr zu euren Familien zu Hause. Das erbitte ich euch in meinen Gebeten; dafür segne ich euch alle von ganzem Herzen.

 

© Copyright 1987 -  Libreria Editrice Vaticana

 

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