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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II. AN EINE
PILGERGRUPPE AUS DER DIÖZESE LINZ
Audienzenhalle - Montag, 6. Juli 1987
Sehr verehrter Herr
Bischof, liebe Mitbrüder und liebe junge Freunde aus der Diözese Linz!
Zum 90-jährigen Jubiläum eures Knabenseminars ”Kollegium Petrinum“ seid ihr zu
einer Wallfahrt nach Rom und Assisi aufgebrochen. Ihr besucht hier in der Ewigen
Stadt das Grab eures Schutzpatrons, des hl. Petrus, und zugleich auch seinen
derzeitigen Nachfolger. Ihr wollt an den Heiligen Stätten beten und daraus neuen
Glauben, Hoffnung und Mut schöpfen, damit ihr die wichtigen Aufgaben und Ziele
eures Hauses noch besser verwirklichen könnt. Ich freue mich über euren Besuch
und heiße euch alle sehr herzlich willkommen.
Die Geschichte des Linzer
Knabenseminars ist ein Spiegel der jeweiligen allgemeinen Zeitverhältnisse. In
der Barockzeit sehen wir durch die Jesuiten erste bescheidene Anfänge, denen
aber das josephinische Staatskirchentum ein jähes Ende bereitete. Nach dem
Revolutionsjahr 1848 folgte ein zaghafter Neubeginn. Aber erst nach der Zeit des
kulturkämpferischen Liberalismus wurde mit dem Erwachen des katholischen
Volksbewußtseins Ende des 19. Jahrhunderts die Idee eines tridentinischen
Knabenseminars durch Bischof Doppelbauer kraftvoll verwirklicht. Gegen die
starken Bestrebungen, sich von Rom lösen zu wollen, bekundete er mit dem Namen
”Petrinum“ die enge Verbundenheit mit dem Stuhle Petri und dem Papst. Die
verheißungsvolle Entwicklung dieses rasch aufblühenden Seminars wurde
schließlich durch die beiden Weltkriege erneut unterbrochen. Möge ihm nun eine
lange Zeit des Friedens und eines erfolgreichen Wirkens im Dienst der Kirche
beschieden sein.
Zum 200-jährigen Jubiläum der Diözese Linz im Januar 1985 hat
euer Bischof neue Leitlinien für euer Knabenseminar erlassen. Darin heißt es:
”Die Aufgabe des Kollegium Petrinum ist im Sinne der Stifter, Priesterberufe zu
wecken und zu fördern. Die Studenten sollen zu einer dem Alter entsprechenden
Glaubensentscheidung herangebildet werden. Dadurch sollen die einen den Weg zum
Priestertum finden - dieses Erziehungsziel darf durch nichts behindert werden -, die anderen aber die Befähigung erhalten, sich in der Welt als aktive Christen
zu bewähren.
“Der wesentliche Schwerpunkt liegt also auf der Erziehung junger
Menschen zu überzeugten Christen. Die intellektuelle Ausbildung muß deshalb von
einer christlichen Formung des ganzen Menschen getragen und durchdrungen sein,
die in der inneren Umkehr, in der Gnade und in der Nachfolge Christi ihre
tiefsten Wurzeln hat. Schule und Internat haben diesem hohen Ziel gemeinsam zu
dienen.
Betet, liebe junge Freunde, selber um die Gnade des Priesterberufes;
betet darum, daß ihr die richtige Lebensentscheidung trefft, die Gott von euch
erwartet. Zugleich danke ich euren Eltern, die euren Weg gläubig und auch oft
unter Opfern begleiten. Ebenso ermutige ich die Lehrer und Erzieher des
Petrinums, sich ihrer großen Verantwortung für den Lebensweg der Jugendlichen
bewußt zu sein und ihr in der Erfüllung ihrer täglichen Berufsaufgaben mutig und
gewissenhaft zu entsprechen.
Das Kollegium Petrinum liegt zu Füßen der
Gottesmutter vom Pöstlingberg. Sie möge euch beschützen. Die Petrusstatue in der
Eingangshalle eures Hauses, die eine Kopie der Petrusstatue im Petersdom ist,
erinnere euch stets an die Verbundenheit eurer Ortskirche mit diesem Zentrum
des katholischen Christenheit, mit dem Nachfolger des Apostels Petrus.
Von
Herzen wünsche ich euch frohe und erlebnisreiche Tage in der Ewigen Stadt. Gern
begleite ich euren weiteren Lebensweg mit meinem Gebet und erteile euch und der
ganzen Hausgemeinschaft des Kollegium Petrinum in der Liebe Christi meinen
besonderen Apostolischen Segen.
© Copyright 1987 -
Libreria Editrice Vaticana
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