ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II. AN EINE PILGERGRUPPE AUS DER DIÖZESE EISENSTADT
Castelgandolfo - Donnerstag, 24.
August 1989
Sehr verehrter Herr Bischof, liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Es ist für mich immer eine große Freude, wenn ich dem Bischof und den Gläubigen
der Diözese Eisenstadt begegnen darf. Eine besondere Begegnung und ein Geschenk
Gottes war mein letzter Pastoralbesuch in Eurem Heimatland vor etwas mehr als
einem Jahr. Gern denke ich noch an die festliche Eucharistiefeier in Trausdorf
zurück, an der neben einer großen Schar von Burgenländern auch viele Gläubige
aus Ungarn und Kroatien teilnahmen.
Ich weiß, daß Ihr die Vorbereitung auf meinen Pastoralbesuch sehr ernst
genommen habt. Ich weiß auch, daß Euer Bischof, mit dem mich schon eine lange
Freundschaft verbindet, mit seinen Mitarbeitern keine Mühe und Anstrengung
gescheut hat. Ihm, sowie den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sage ich
noch einmal meinen herzlichen Dank.
Eure heutige Begegnung mit dem Nachfolger Petri, die ihr als Gegenbesuch zu
meinem Pastoralbesuch seht, ist ein weiteres Zeichen der besonderen
Verbundenheit zu Christus und seiner Kirche, wie dies Bischof László in seiner
Begrüßungsansprache zum Ausdruck gebracht hat.
Ein besonderer Willkommensgruß gilt auch dem anwesenden Botschafter Eures Landes
beim Heiligen Stuhl, Seiner Exzellenz Herrn Georg Hohenberg.
Die gesamte pastorale Arbeit Eurer Diözese steht in diesem Jahr unter dem
Motto: ”Glaube überschreitet Grenzen“. Ich weiß, daß in der Diözese zu diesem
Thema vieles angeboten und unternommen wurde: wie Einkehrtage, theologische
Fortbildungen, Bibelseminare, Wallfahrten, Predigten und vieles andere. Ihr habt
versucht, dieses Thema theologisch, aber auch pastoral aufzuarbeiten, um so
meinen Pastoralbesuch nach meiner Abreise noch weiterzuführen und zu vertiefen.
Auf wen könnt Ihr bei diesem Eurem Bemühen blicken? Wer ist Euch als Beispiel
und Wegweiser vorangegangen?
Euer Diözesan- und Landespatron, der heilige Martin, ist das beste Beispiel
dafür. Er hat uns allen gezeigt, wie man zum Glauben kommen kann und wie dieser
persönliche Glaube auch Grenzen überschreiten kann. Martin steht vor uns als ein
Mensch, der sich mit Gott eingelassen hat, der sein JA zum Glauben als ein JA
zum Leben verstanden und praktiziert hat. Nur so konnte er innere und äußere
Grenzen überschreiten und anderen Menschen den Glauben bezeugen.
Liebe Schwestern und Brüder! Auch Ihr seid aufgerufen, als Christen so zu
handeln. Ihr habt heute eine doppelte Brückenfunktion zu erfüllen. Zum einen
sollt Ihr dafür Sorge tragen, daß der Glaube in Eurer Diözese gegenseitig
bezeugt und der nachkommenden Generation als kostbares Gut auch weitergegeben
wird. Jeder sollte sich daher fragen, was er in seinem Beruf, in seinem Stand
dazu beitragen kann, um dem Herrn Einlaß in diese Welt zu verschaffen.
Öffnet Euch dem Ruf Gottes und seid Zeugen der Frohen Botschaft inmitten dieser
Welt!
Zum anderen rufe ich Euch noch einmal zu, wie anläßlich meines
Pastoralbesuches:
Überschreitet auch in Zukunft im Geist des heiligen Martin die Grenzen Eurer
Heimatdiözese, die von Gott her bestimmt ist, Brückenfunktion gerade zu den
Völkern Osteuropas auszuüben. Damit leistet Ihr einen wertvollen Beitrag auch
für die Weltkirche.
Ich weiß, daß Ihr zusammen mit Eurem Bischof diese Brückenfunktion schon lange
ausübt und danke Euch dafür sehr herzlich.
Geht diesen Weg weiter und vor allem seid immer bereit, Euren Glauben zu
erneuern!
Dazu erteile ich Euch allen, Euren Lieben zu Hause – vor allem den Alten und
Kranken sowie den Kindern – von Herzen meinen Apostolischen Segen.
Gelobt sei Jesus Christus!
© Copyright 1989 - Libreria Editrice Vaticana
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