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ANSPRACHE VON JOHANNES
PAUL II. AN DIE PILGER AUS OBERÖSTERREICH
Samstag, 16. Dezember 1989
Liebe Brüder und Schwestern!
Mit dem Christbaum aus Oberösterreich habt Ihr dem
Bischof und den Gläubigen von Rom eine besondere weihnachtliche Freude bereitet.
Euer bedeutungsvolles Geschenk und Euer heutiger Besuch wecken in mir die
lebendige Erinnerung an meinen zweiten Pastoralbesuch in Österreich, der mich
auch in Eure Heimat geführt hat. Dabei konnte ich mich selbst davon überzeugen, daß das Christentum das Angesicht Eurer Heimat wesentlich mitgeprägt hat und
auch heute in vielen gesellschaftlichen Bereichen präsent ist. Gerne nehme ich
diese Gelegenheit wahr, um der Diözese Linz und dem Bundesland Oberösterreich
für den herzlichen Empfang, der mir bei meinem Besuch von Euch bereitet wurde,
noch einmal aufrichtig zu danken.
Euch allen gilt mein herzlicher Gruß.
Besonders grüße ich die Vertreter der Diözese Linz, an ihrer Spitze den
verdienten Hochwürdigsten Herrn Bischof Maximilian Aichern, die Vertreter des
geschätzten Bundeslandes Oberösterreich unter der Führung des Landeshauptmannes
Dr. Josef Ratzenböck, der Frau Landtagspräsidentin Johanna Preinstorfer und des
Landeshauptmann-Stellvertreters Dr. Karl Grünner; ferner die Mitglieder des
Chores, der Gesangsgruppen und Musikkapellen, die diese Tage in Rom mit ihren
weihnachtlichen Liedern und musikalischen Darbietungen bereichern.
Einen
besonders herzlichen Willkommensgruß richte ich an alle unter Euch, auf die der
Anstoß zu diesem Weihnachtsgeschenk zurückgeht. Es war eine Initiative des
gläubigen Volkes der Pfarrgemeinde Kopfing, des Bezirks Schärding und des
gesamten Bundeslandes Oberösterreich, das sich mit der Kirche und dem Nachfolger
des heiligen Petrus lebendig und treu verbunden weiß. Ein besonderes Verdienst
haben hierbei vor allem die Frauen der Goldhauben Gruppe des Bezirks Schärding,
die zugleich auch den Christbaumschmuck seit Monaten vorbereitet haben. Allen,
die sich in großer Solidarität um die Bereitstellung des Christbaumes bemüht
haben, dem Frächter, der ihn unter großen Opfern und Schwierigkeiten auf den
Petersplatz befördert hat, sowie allen freiwilligen Mitarbeitern und Helfern
sage ich ein aufrichtiges Vergelt’s Gott für ihren so engagierten und schönen
Beitrag zum Weihnachtsfest hier in Rom.
Schließlich begrüße ich auch die große Zahl von Pilgern aus Oberösterreich, die
zur feierlichen Übergabe des Christbaumes mit nach Rom gekommen sind.
Der grüne Baum ist für uns ein beredtes
Zeichen der Hoffnung, daß die Natur unter Schnee und Eis während des Winters
bald wieder zum Leben erwacht. Er ist für uns Christen zugleich Ausdruck der
Zuversicht, daß durch die Botschaft der Menschwerdung Gottes der Glaube und die
Bereitschaft zu Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen immer lebendiger
und stärker werden.
Die Lichter am Christbaum, die dunkelste Zeit des Jahres
erhellen, sollen uns daran erinnern, daß das wahre Licht durch die Geburt Jesu
auf diese Erde kam. An Weihnachten feiern wir diesen Einbruch des Lichtes in
unsere Dunkelheit, in unsere Schmerzen und Tränen, in unsere Krankheiten und
Leiden. In Jesus, in dem das göttliche Licht erschienen ist, teilt Gott unser
Leben und lebt es mit uns.
Weihnachten ist für uns dann wahr, wenn es in uns
gegenwärtig wird. Wir können nur dann freie und frohe Menschen sein wenn wir
wiedergeboren werden durch den Geist Jesu; wenn wir den Sinn dafür bewahren, daß
erst der erneuerte Mensch die Welt licht- und friedvoller zu machen vermag.
Die
Liebe des göttlichen Kindes nimmt uns an, wie wir sind. Wir müssen es nur selbst
aufnehmen; dann macht uns der Herr bereit, daß wir einander annehmen, geduldig,
vergebend und fähig zu Frieden und Eintracht.
Zur Sache des Friedens gehört es
auch, daß wir aus unserem Glauben an Gott, den Schöpfer, Sorge für die ganze
Schöpfung tragen. In meiner Botschaft zum Weltfriedenstag 1990 weise ich darauf
hin, daß ”die Achtung vor dem Leben und vor der Würde der menschlichen Person
auch die Achtung vor und die Sorge für die Schöpfung beinhaltet, die berufen
ist, mit dem Menschen zusammen Gott zu verherrlichen“.
Möge die Geburt des Gottessohnes uns allen Licht, Freude und Hoffnung schenken,
damit wir in guten und in schweren Tagen weiter mit Christus den Weg des
Friedens gehen können. Das ist mein Segenswunsch für Euch sowie Eure Familien
und Gemeinden zum Fest der Geburt unseres Herrn und zum Neuen Jahr. Dafür
erteile ich Euch und allen Euren Lieben in der Heimat von Herzen meinen
besonderen Apostolischen Segen.
© Copyright 1989 - Libreria
Editrice Vaticana
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