ANSPRACHE VON
JOHANNES PAUL II.
AN EINE GRUPPE JUGENDLICHER AUS OSNABRÜCK
Freitag, 31. März 1989
Liebe Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern!
Es ist mir eine besondere Freude, euch beute noch einmal in diesem kleineren und
dadurch auch vertraulicheren Rahmen begegnen zu können. Darum gilt euch erneut
mein herzlicher Willkommensgruß zusammen mit eurem Diözesanjugendseelsorger und
dem Herrn Weihbischof Kettmann.
Betrachtet es als ein großes Geschenk, nach der Mitfeier der Karwoche und der
Osterliturgie in euren Heimatgemeinden nun hier im Mittelpunkt der katholischen
Christenheit die Weltkirche erleben zu dürfen, und dies gerade am Hauptfest des
Kirchenjahres. Das Osterfest dauert ja bekanntlich für die Liturgie der Kirche
die ganze Osterwoche.
Wie ich in meiner Ansprache bei der letzten Generalaudienz hervorgehoben habe,
ist die Auferstehung Jesu Christi die zentrale Grundwahrheit unseres Glaubens.
Sie ist die feierliche Besiegelung der Gottheit Christi und der Wahrheit seines
Evangeliums. Sie ist der Sieg des Lebens über den Tod, der Hoffnung über die
Verzweiflung. Sie ist die Verheißung und das Unterpfand unserer eigenen
Auferstehung.
Die Auferstehung Jesu Christi ist das endgültige Ja Gottes zu seinem Sohn, dem, ”Menschensohn“, das endgültige Ja Gottes zu gesamten Schöpfung. In der
Verklärung des auferstandenen Leibes Christi beginnt die Verklärung aller
Kreatur, die ”neue Schöpfung“, in die einmal alles Geschaffene verwandelt werden soll.
Ja zum Leben, Ja zu Hoffnung und Zukunft, Ja zum Menschen, zu den Geschöpfen und
zur ganzen Natur – dies sind doch Werte, die gerade euch als junge Menschen
heute in besonderer Weise am Herzen liegen. In der allgemeinen Neubesinnung auf
unsere konkreten Lebensbedingungen haben wir als Christen noch einen
zusätzlichen, tieferen Grund, uns mit allen Menschen guten Willens für die
Wahrung und den Schutz der Natur und der Umwelt sowie aller natürlichen Werte
einzusetzen. Diese sind für uns nicht nur ein wertvolles Gut in sich, sondern
sind ein uns vom Schöpfer zu treuen Händen anvertrautes Geschenk. Alle uns
umgebende Natur ist Geschöpf wie wir, Geschöpf mit uns zusammen, und in
Schicksalsgemeinschaft mit uns dazu bestimmt, in Gott selbst einmal als neue
Erde und neuer Himmel die letzte Vollendung und Erfüllung zu finden. Dieses
Wissen aus unserem Glauben ist für uns ein um so stärkerer Ansporn zu einem
verantwortungsbewußten, ja ehrfürchtigen Umgang mit der Schöpfung: mit der
leblosen Natur, mit Pflanzen und Tieren und vor allem mit unseren Mitmenschen,
in denen wir sogar die Gottesebenbildlichkeit erkennen und anerkennen.
Der selige Niels Stensen, der große Wissenschaftler und Theologe, der mit eurem
Bistum besonders verbunden ist, lädt – wie seine Zeitgenossen – auch uns heute
am ausgehenden 20. Jahrhundert dazu ein, uns die Augen des Geistes für Gottes
Herrlichkeit in der Natur öffnen zu lassen, unsere Würde als Menschen inmitten
von Gottes Schöpfung zu erkennen und uns vom Licht seiner Gnade beschenken zu
lassen.
Unsere persönliche Berufung zur Auferstehung gibt unserem eigenen Leben seine
eigentliche Tiefe und Perspektive. Sie läßt uns nicht bei der Bewahrung der
äußeren Umwelt stehenbleiben, sondern ermahnt uns an unsere schwere
Verantwortung für die Reinerhaltung, die Pflege und Vervollkommnung vor allem
unserer Innenwelt, unseres Herzens und der Welt unseres Geistes. Macht euch
darum aus dem Geist der Osterbotschaft zu Verfechtern und Verteidigern auch des
sittlichen Werte in eurem eigenen Leben sowie in Familie, Staat und Gesellschaft.
Wev sich ernsthaft für den Tierschutz einsetzt, der kämpfe ebenso und noch mehr
auch für den Schutz des menschlichen Leben in allen seinen Phasen. Wer für die
Reinhaltung von Natur und Umwelt eintritt, der wende sich ebenso entschlossen
gegen alle Verwahrlosung der Sitten und Gebräuche im mitmenschlichen
Zusammenleben.
Seid, liebe jungen Freunde, in diesem Sinn in eurem Alltag und das ganze Jahr
hindurch österliche Menschen, die um die in der Auferstehung Christi beginnende
Neuschöpfung wissen und in Solidarität mit allen Menschen und Geschöpfen die
Berufung alles Geschaffenen zur ewigen Teilnahme an seiner Auferstehung und
Herrlichkeit leben. Werdet zu gewinnenden Zeugen für den auferstandenen Herrn
und für die weltverwandelnde Kraft seiner Frohen Botschaft und seiner Nachfolge
in Glaube, Hoffnung und Liebe. Hierfür erbitte ich euch reiche österliche Gnaden
und erteile euch von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen. Gelobt sei
Jesus Christus!
© Copyright 1989 -
Libreria Editrice Vaticana
|