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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMERINNEN AM GENERALKAPITEL DER SCHULSCHWESTERN UNSERER LIEBEN FRAU VON KALOCSA

Freitag, 3. November 1989

 

Liebe Schulschwestern Unserer Lieben Frau von Kalocsa!

1. Es ist mir eine besondere Freude, euch heute am Ende des Generalkapitels eurer verdienten Kongregation in dieser Sonderaudienz zu empfangen.

Meinen herzlichen Gruß richte ich an die neue Mutter Generaloberin und an euch Kapitelschwestern. Zugleich grüße ich auch alle eure Mitschwestern, die – gewaltsam von tausend reduziert – nunmehr in einer Zahl von etwa 200 ihr Apostolat in Ungarn, Italien, Deutschland und Australien ausüben.

Euer Generalkapitel, das ihr in diesen Tagen abgeschlossen habt, unterstreicht die geschichtliche Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks für eure Ordensgemeinschaft. Denn nach ungefähr 40 Jahren erzwungener Diaspora, während der die Schulschwestern Unserer Lieben Frau von Kalocsa haben große Opfer bringen müssen, um dem Charisma ihrer Gründung treu zu bleiben, und diese mit Gottes Hilfe auch heroisch überwinden konnten, kann sich das Institut in Ungarn, wo es im Jahre 1860 entstanden ist, endlich neu organisieren.

Es ist ein Zeichen der Vorsehung, die jene führt, die sich in Gemeinschaft mit der Kirche für die menschliche und christliche Förderung der Völker einsetzen, indem sie mithelfen, sie zum Licht des Evangeliums zu führen. Es ist aber auch eine schwierige Aufgabe, die einerseits euer Herz mit neuem Eifer erfüllt, andererseits euch daran erinnert, daß ihr berufen seid, in jenem edlen Land auf neue und entscheidende Weise die Aussaat des Evangeliums zu pflegen, indem ihr mit eurem Leben den absoluten Vorrang der christlichen Werte bezeugt, die dort für lange Zeit unterdrückt worden sind.

2. Euer Generalkapitel hat unter anderem das Problem der Wiedereingliederung und der Neuorganisierung eures Institutes in Ungarn behandeln müssen. Die Aussichten sind jedoch ermutigend und verheißungsvoll, sei es für eure Kongregation, sei es für die ungarische Kirche im allgemeinen: Ich denke an einen neuen Frühling bei den Berufungen zum Priestertum und Ordensleben wie auch durch die freie Ausübung der pastoralen Tätigkeiten.

Darum möge euer Institut bei der Wahl der Prioritäten die Nöte der ungarischen Kirche vor Augen haben; es sei dazu bereit, im Einklang mit der kirchlichen Hierarchie, zu arbeiten, auf daß die lebendigen Kräfte, die ihr in den verschiedenen Bereichen des Apostolates einsetzen könnt, in kluger Weise auf das konkrete Wachstums dieser christlichen Gemeinschaft hingeordnet werden.

Und die Schwestern, die in Ländern arbeiten do euer Institut sich inzwischen, konsolidiert hat, wie in Italien, Deutschland und Australien, mögen ihren hochherzigen Beitrag an geistigen und materiellen Mitteln für ein schnelles Erstarken eurer Gemeinschaft in Ungarn leisten, wo die Kirche nach einer langen Periode des Leidens am Horizont den Morgen einer Zukunft erblickt, die sich für alle verheißungsvoll ankündigt.

Um diese Zukunft zu bauen, bedarf die Kirche jedoch auch eurer loyalen, bereiten und hochherzigen Mitarbeit. Anderseits ist es besonders wichtig, daß eure kirchliche Gemeinschaft sich nicht nur auf eine rein rechtliche Bindung reduziert, sondern das volle Leben der Kirche, ihre pastoralen Sorgen, Freuden und täglichen Bedrängnisse teilt. Die gottgeweihten Personen leben ”von der Liebe gedrängt, die der Heilige Geist in ihre Herzen ausgegossen hat, ... mehr und mehr für Christus und seinen Leib, die Kirche“. Denn ”im Apostolat, das... (sie) ausüben, wird die bräutliche Liebe zu Christus auf fast organische Weise Liebe zur Kirche, zur Kirche als Volk Gottes zur Kirche, die zugleich Braut und Mutter ist“.

In diesem Generalkapitel habt ihr gewiß auch das Problem des ”aggiornamento“ erörtert, um euer Institut zu bekräftigen oder, falls und insofern es notwendig ist, es auf den Weg einer größeren Authentizität zurückzuführen und zugleich den veränderten Erfordernissen der Zeit anzupassen. Folgt bei dieser delikaten Aufgabe, die euch erwartet, den Richtlinien des II. Vatikanischen Konzils, das die Probleme, die das Ordensleben im allgemeinen betreffen, umfassend erörtert hat. Haltet euch auch an die Direktiven, die von der Kongregation für die Institute des gottgeweihten Lebens und für die Gemeinschaften des apostolischen Lebens erlassen worden sind, wie auch an die weisen Normen, die im neuen Kodex des Kirchenrechts enthalten sind.

Seid in jedem Fall fest in der Verteidigung der grundlegenden Werte, wie der Treue zum Charisma des Institutes, eines engagierten Lebens nach den evangelischen Räten, der Pflicht einer jeden Ordensfrau, das Gebot der Liebe in der Nachfolge Christi im Leben der Gemeinschaft und im Bereich der Schule, der die erste Tätigkeit eures neuen Institutes gegolten hat, immer konkreter zu verwirklichen: ebenso auch in den anderen geistigen und leiblichen Werken der Barmherzigkeit, die eurer Kongregation anvertraut sind.

In der frohen Erwartung einer neuen Blüte bei den Berufungen, besonders in Ungarn, seid euch dessen bewußt, daß die Ausbildung der Jugendlichen viel Aufmerksamkeit und Hingabe verdient: Die Jugendlichen bedürfen nämlich einer soliden geistigen und kulturellen Grundlage, um imstande zu sein, allen ihren moralischen Verpflichtungen in Treue zu entsprechen und ihre Sendung in gebührender Weise zu erfüllen. Für diese Bildungsarbeit wird euer Zeugnis als gottgeweihte Personen, die ihre Hingabe hochgemut und froh leben, von großem Nutzen sein, weil der Heilige Geist sich auch unseres schwachen Beispiels bedient, um in den Herzen der Jugend, in die Tiefe zu wirken. Die Ordensfrauen ihrerseits bedürfen der ständigen Hilfe, um in einer immer säkularisierteren Welt als gottgeweihte Personen und Boten des Evangeliums gestützt zu werden.

3. Darum lade ich alle Schulschwestern Unserer Lieben Frau von Kalocsa ein sich gegenseitig Halt zu geben als wahre Schwestern, mit dem Gebet, Opfergeist, gegenseitigem Verstehen und Helfen, so daß sich alle in der Gemeinschaft geliebt und nötigenfalls auch ausgesöhnt fühlen wie in einer Familie. Dies wird das schönste Zeugnis eines wahren Lebens nach dem Evangelium sein, das ihr denen gebt, die dem gleichen Ideal gottgeweihter Hingabe folgen.

Ich vertraue darauf, liebe Schwestern, daß es euch mit Gottes Hilfe sowie mit eurer eigenen Klugheit und Entschlossenheit im Kapitel gelungen ist, für die kommende Periode von sechs Jahren eine fruchtbare Arbeit zu leisten und für den Fortschritt eures Institutes wie auch das Wohl der Menschen denen ihr bei der Erfüllung eurer Sendung begegnet, konkrete Programme zu entwickeln. Ich zweifle nicht an eurer vollen Bereitschaft, diese meine ermutigenden Hinweise hochherzig entgegenzunehmen. Ich vertraue die Arbeiten eures Kapitels und deren Verwirklichung der Fürsprache Unserer Lieben Frau an, der euer Institut auch in den Wirren der letzten Jahrzehnte auf heroische Weise treu geblieben ist. Ich hege die Hoffnung, daß wie ihr auch andere Ordensgemeinschaften, die in diesen vergangenen 40 Jahren viele Prüfungen haben erdulden müssen, mit Eifer und Mut ihr religiöses Leben wieder aufnehmen können.

Als Zeichen meiner Wertschätzung, meiner Dankbarkeit und Anerkennung für all das Gute, das ihr tut, erteile ich euch und allen Ordensgemeinschaften in Ungarn von Herzen meinen Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1989 - Libreria Editrice Vaticana

 

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