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ANSPRACHE VON JOHANNES
PAUL II.
AN DIE DIÖZESANBISCHÖFE
DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Montag,
13. November 1989
Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!
1. Die Begegnung mit den Bischöfen hier in Rom
oder in den Ortskirchen gehört zu den schönsten und wichtigsten Aufgaben meines
apostolischen Dienstes für die Weltkirche. Darum empfange ich Euch mit
besonderer Freude zu diesem zweitägigen Gespräch, um das Ihr außerhalb der
regelmäßigen Folge Eurer Ad-Limina-Besuche eigens gebeten habt.
Herzlich grüße ich Euch, die Oberhirten der westdeutschen Diözesen, den
Vertreter des Bischofs von Berlin wie auch meine Mitarbeiter in der Römischen
Kurie, die durch ihre Zuständigkeit und Sachkenntnis unseren gemeinsamen
Gedankenaustausch mitgestalten und vertiefen werden.
Unsere Begegnung findet in dem Monat statt,
in dem ich vor neun Jahren meinen ersten Pastoralbesuch in Eurem Land und in
einigen Eurer Diözesen machen konnte. Mit ihm und auch dem nachfolgenden zweiten
Besuch im Jahre 1987 verbinden mich unvergeßliche Erinnerungen an das lebendige
religiöse Leben in Euren Ortskirchen, an Begegnungen mit Vertretern aus Kultur
und Wissenschaft, besonders auch der Theologie, in denen Euer Land und Eure
Kirche einen maßgeblichen Beitrag zum gemeinsamen kulturellen und christlichen
Erbe geleistet haben und noch heute leisten. Einige von Euch waren mir schon aus
früheren Jahren persönlich bekannt. In vielen einzelnen und gemeinschaftlichen
Begegnungen seit meiner Wahl zum Bischof von Rom haben wir uns inzwischen alle
in Vertrauen und Wertschätzung einander näher kennengelernt und wurde unsere
Verbundenheit im gemeinsamen Auftrag Jesu Christi als Hirten im Volke Gottes
vertieft und gefestigt.
2. Dieser gemeinsame Auftrag im Namen Christi ist es
wiederum, der uns heute und morgen hier zusammenführt. Unsere Überlegungen und
Gespräche sollen vor allem jener Aufgabe gelten, der das II. Vatikanische Konzil
unter den vielfältigen pastoralen Diensten der Bischöfe einen ”hervorragenden
Platz“ zugewiesen hat: der Verkündigung der Frohen Botschaft Jesu Christi, der ”Weitergabe
des Glaubens an die kommende Generation“, wie Ihr selbst im Generalthema
formuliert habt.
Das II. Vatikanische Konzil bezeichnet die Bischöfe einfachhin
als ”Glaubensboten, die Christus neue Jünger zuführen; sie sind authentische, das
heißt mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer. Sie verkündigen dem ihnen
anvertrauten Volk die Botschaft zum Glauben und zur Anwendung auf das sittliche
Leben und erklären sie im Licht des Heiligen Geistes“.
Dies ist die konkrete
Umschreibung des einen gemeinsamen Auftrages, den wir Bischöfe über die Apostel
von Christus selbst empfangen haben: ”Geht hinaus in die ganze Welt, und
verkündet das Evangelium allen Völkern“; oder wie es bei Matthäus heißt: ”Darum
geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“.
Auf daß dieser
Auftrag in der Kirche und ihrer Geschichte niemals aufhört oder verfälscht wird,
hat Christus für das Oberhaupt des Bischofskollegiums – für Petrus und seine
Nachfolger – eigens gebetet, daß sein ”Glaube nicht erlischt“, und ihm zugleich
aufgetragen, seine Brüder zu stärken. Der eine Auftrag Jesu Christi nimmt den
Papst und die Bischöfe gemeinsam in Pflicht. Diesem muß ihre Einheit und
Einmütigkeit in der Verkündigung des Evangeliums und der Weitergabe des Glaubens
entsprechen. Nicht nur der Einheit unter den Christen, sondern auch der Einheit
in der Kirche selbst gilt das Gebet Christi, ”damit die Welt glaubt“. Die je
eigene Verantwortung und Sendung von Papst und Bischöfen stehen im Dienst dieses
einen und selben Auftrages Christi im Geist gegenseitigen Vertrauens und
brüderlicher Zusammenarbeit. Ihre Einheit in der Verkündigung und Lehre ist
zugleich der Erweis ihrer Glaubwürdigkeit.
3. Diese Begegnung im Vatikan soll
nach Eurem eigenen Wunsch dazu dienen, Eure Einheit mit dem Nachfolger des hl.
Petrus weiter zu vertiefen, anstehende Fragen und Schwierigkeiten zu klären und
Euch Eurer Sendung im Volke Gottes noch tiefer bewußt zu werden. Die Besinnung
auf die Dienste der Glaubensvermittlung, zu der uns die vereinbarten Hauptthemen
näherhin einladen, wird nicht nur den Reichtum an Mitteln, Initiativen und
Mitarbeitern aufzeigen, über die Eure Ortskirchen in ihrem pastoralen Wirken
glücklicherweise verfügen, sondern gewiß auch die Notwendigkeit erkennen lassen,
die vielfältigen Aktivitäten und Dienste der Kirche in Eurem Land noch
entschiedener auf das eine wesentliche Ziel hinzuordnen: auf die unverkürzte
Weitergabe des Glaubens und seine ständige Vertiefung in allen Bereichen des
kirchlichen und religiösen Lebens.
Auf Grund meiner eigenen Erfahrung als
langjähriger Oberhirte einer großen Diözese bin ich mir der Schwierigkeiten bewußt, denen ein Bischof und seine Mitarbeiter im Auftrag der
Glaubensverkündigung in der heutigen säkularisierten Gesellschaft begegnen. Auch
den Verantwortlichen der zuständigen Ämter des Heiligen Stuhles sind diese nicht
verborgen. Darum soll die jetzige Begegnung eine willkommene Gelegenheit und
Ermutigung sein, die sich für die Weitergabe des Glaubens in Euren Diözesen und
Gemeinden ergebenden Fragen und Probleme in brüderlicher Solidarität mit Freimut
und Offenheit gemeinsam zu erörtern, eventuelle Gefahren oder Fehlentwicklungen
abzuwenden und vor allem unter den Gläubigen einen neuen apostolischen und
missionarischen Eifer zu entfachen. Selbst die Erfahrung von Versagen und
Mißerfolg darf uns nicht zu Pessimismus oder Mutlosigkeit verleiten. Im
Gegenteil! Sie muß uns vielmehr noch enger zum Herrn und zueinander führen, um
uns in der gemeinsamen Sendung in der Kirche und zum Heil der Menschen
gegenseitig zu stützen und zu stärken.
In diesem Geist der Zuversicht und im
Vertrauen auf Gottes verheißenen Beistand eröffne ich diese unsere Begegnung und
erbitte unseren gemeinsamen Überlegungen das Licht und die Führung des Heiligen
Geistes mit meinem besonderen Apostolischen Segen.
Unsere Begegnung findet in
einem bewegenden Moment tiefgreifender Veränderungen in Europa statt, die Euer
Volk in besonderer Weise betreffen.
Als Hirte, dem die Sorge für die ganze Herde
anvertraut ist, möchte ich mich Euren gewiß inständigen Bitten anschließen,
damit sich die Hoffnungen der Menschen auf die Fürsprache unserer himmlischen
Mutter, des heiligen Erzengels Michael und des heiligen Bonifatius in
Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden erfüllen.
© Copyright 1989 - Libreria
Editrice Vaticana
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