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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE MITGLIEDER DES SCHWEIZERISCHEN STUDENTENVEREINS

Montag, 21. Mai 1990

 

Liebe Mitglieder und Freunde des Schweizerischen Studentenvereins!

Mein herzlicher Willkommensgruß gilt Euch allen in der Ewigen Stadt. Ihr habt mit Eurem Romaufenthalt ein Seminar zum Thema ”Die Kirche an der Jahrtausendwende“ verbunden. Damit bringt Ihr zum Ausdruck, daß Euch die Kirche und Eure Mitverantwortung für die Kirche ein Anliegen sind. Das ”sentire cum Ecclesia“ darf sich nicht in ortskirchlichen Grabenkämpfen verzetteln, sondern muß bewußt die großen künftigen Aufgaben im Zusammenhang mit der Rechristianisierung Europas im Auge haben. Euer Engagement kann sich dabei gut an jenem Erbe der Kirche orientieren, das in Euren Statuten zitiert wird. Helft mit daß das große Erbe kirchlicher Lehrverkündigung in Eurem Heimatland erhalten bleibt und gestärkt wird. Ihr seid nämlich dazu berufen, in der religiösen Erziehung an den Schulen, in der Ausbildung für die pastoralen Dienste in Euren Diözesen, im täglichen Leben Eurer Gemeinden den kirchlichen Glauben wachzuhalten und zu stützen. Euer Verbindungsleben möge dafür ein sichtbares Zeichen und Beispiel sein. Auch in der Gemeinschaft des Studentenvereins wollt Ihr dazu beitragen, christliche Normen und Werte zu verwirklichen und so Zeugnis abzulegen. Darin möchte ich Euch bestärken, gegenseitig, füreinander, aber auch für andere Zeugen des Glaubens zu sein. Der heilige Paulus ermahnt uns: ”Hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne“.

Ihr seid Studenten und bereitet Euch lernend und forschend auf Euren Beruf vor oder habt Euer Studium bereits abgeschlossen und steht im aktiven Berufsleben. Groß sind die Herausforderungen an den menschlichen Geist und für vielfältige Probleme der heutigen Gesellschaft gilt es Lösungen zu suchen. Diese Probleme werden aber nur gelöst werden können, wenn der Schöpfer und Erhalter der Welt nicht ausgeklammert wird. Menschliches Forschen und Lernen wird nur dann fruchtbar sein, wenn es vom Geist Gottes getragen wird. In der Gemeinschaft der Glaubenden lernend und forschend die Welt zu begreifen versuchen läßt Wesentliches nicht aus dem Blick kommen: da Gott der Herr dieser Welt ist. Unser Herr ermahnt uns auch: ”Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“. Es gilt sich immer wieder daran zu erinnern, daß beruflicher Erfolg und Karriere nicht die Grundbestimmung des Menschen sind. Der Wert des Menschen ist schon allein dadurch gegeben, daß er Geschöpf Gottes ist. Und dieser Wert ist unüberbietbar.

In diesen Tagen vor Pfingsten erbitte ich Euch die Gaben des Heiligen Geistes und erteile Euch und Euren Lieben in der Heimat von Herzen meinen Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1990 -  Libreria Editrice Vaticana

 

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