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ANSPRACHE VON
JOHANNES
PAUL II. AN DIE PILGER DES BISTUMS WÜRZBURG
Donnerstag, 23. April 1992
Lieber Herr Bischof, lieber Herr Weihbischof,
liebe Priester und Ordensleute,
liebe Schwestern und Brüder!
Sehr herzlich heiße ich Euch hier im Vatikan willkommen, die Ihr aus Anlaß der
Gründung des Bistums Würzburg vor 1250. Jahren eine Wallfahrt zu den Gräbern der
Apostel Petrus und Paulus unternommen habt, um Eure Verbundenheit mit dem
Nachfolger Petri zu bekunden.
Ein solches Jubiläum bedeutet Erbe und Auftrag zugleich. Der Maßstab dafür läßt
sich zutreffend mit einem Wort des unvergessenen Kardinal Julius Döpfner, der in
bewegter Zeit auch neun Jahre lang Euer Bischof gewesen ist, so umschreiben:
”Alles wird zu messen sein am Wort Gottes, am Auftrag der Kirche und an der
Sorge um die Menschen unserer Zeit“. Dieser Gedanke liefert den Schlüssel zur
Deutung Eurer Bistumsgeschichte und hilft beim Erkennen der gegenwärtigen und
zukünftigen Aufgaben.
Zum Entstehen und Wachsen des Bistums Würzburg haben viele Menschen ihren
Beitrag geleistet, die auf unterschiedliche Weise wirkten: Bischöfe, Priester
und Laien – Männer und Frauen – Einheimische und Fremde, Bekannte und Unbekannte.
Doch ihnen allen war das Anliegen gemeinsam, daß Gottes Wort zu den Herzen der
Menschen in Franken vordringen könne. Der heilige Bonifatius faßte dieses
Anliegen stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer der Gründungszeit
zusammen, wenn er in einem seiner Briefe bittet: ”Betet in brüderlicher
Verbundenheit für unsere Hinfälligkeit, damit das Wort des Herrn seinen Lauf
nehme und verherrlicht werde“. Für die Ausbreitung des Wortes Gottes stellten
diese Glaubenszeugen ihre Lebenskraft, ihren Besitz, ihr Wissen zur Verfügung.
Das Evangelium von Gottes rettender Liebe verband alle einzelnen Bemühungen.
Diese Erinnerung an das Zusammenwirken vieler bildet auch heute eine bedeutsame
Verpflichtung: sie ermutigt zu einem echten Miteinander im Glauben, auch wenn
die Menschen unserer Zeit im beruflichen wie im persönlichen Leben von ganz
unterschiedlichen Erfahrungen geprägt sind; die Frohbotschaft führt immer wieder
Menschen über die Grenzen von Herkunft, Bildung, sozialer Stellung und
kirchlicher Aufgabe hinaus zusammen. Gleichzeitig ist Gottes Wort auch
verbindende Brücke zwischen den verschiedenen christlichen Gemeinschaften. Das
II. Vatikanische Konzil sagt in seinem Dekret über das Laienapostolat: ”Das
Evangelium, das uns wie ein gemeisames väterliches Erbe miteinander verbindet,
und die daraus sich ergebende Pflicht zum christlichen Zeugnis empfehlen, ja
fordern oft genug die Zusammenarbeit der Katholiken mit anderen Christen“.
Ein solcher Brückenbau gelingt aber jedoch nur von einem tragfähigen Fundament
aus; deshalb bedarf es eines immer wieder erneuerten Gespürs für die Bedeutung
der kirchlichen Gemeinschaft. Bei der Gründung Eures Bistums zeigte sich dies
darin, daß Bonifatius wie auch Burkhard als erster Bischof von Würzburg sowohl
die spezifischen Belange der Ortskirche kannten, aber genauso um die Wichtigkeit
der Verbindung mit dem Petrusamt als Dienst an der universalen Einheit des
Glaubens wußten. So konnte der heilige Bonifatius sagen: ”Man darf die Kirche,
die wie ein großes Schiff durch das Meer dieser Welt fährt und durch
verschiedene Wogen der Versuchungen in diesem Leben bedrängt wird, dennoch nicht
im Stich lassen, sondern man muß sie lenken“. Dieser Satz scheint wie für die
Gegenwart geschrieben zu sein, in der die Zugehörigkeit zur Kirche für viele
Menschen an Bedeutung verloren hat und nicht mehr selbstverständlich ist. Auch
Ihr spürt das bisweilen sehr schmerzhaft bis in den Kries der Verwandten und
Bekannten hinein. Doch gerade solche herausfordernden Erfahrungen können uns neu
den Blick dafür öffnen, daß nicht wir es sind, die Kirche ”machen“ können,
sondern daß Jesus Christus auf seinem Weg durch die Zeit sich immer neu an
schwache und sündige Menschen bindet und sie zu einer Gemeinschaft
zusammenführen will. Laßt Euch also nicht durch Widerstände entmutigen! Entdeckt
in Eurem Bistum, in den Pfarreien, in den geistlichen Gemeinschaften neu den
Reichtum der Begabungen und Berufungen, die oft nur darauf warten, bestärkt und
ermutigt zu werden.
Ein solches Mühen um Stärkung und Erneuerung der Gemeinden lenkt aber
gleichzeitig den Blick vom persönlichen Glauben über das Leben der Kirche zu den
großen Herausforderderungen, die den Menschen in der heutigen Gesellschaft
betreffen. Die Sorge um das menschliche Leben umfaßt alle Dimensionen: soziales
und kulturelles Bemühen ist nicht vom Glauben zu trennen. Auch dafür gibt es in
der Geschichte Eurer Diözese sprechende Beispiele. Schon bald nach seiner
Errichtung erhielt das Bistum Würzburg neue Aufgaben und sollte über seine
Grenzen hinaus missionarisch tätig werden bei den Sachsen und Slawen. Was es
empfangen hatte, wurde nun weitergeschenkt. Untrennbar damit verbunden waren
auch kulturelle Leistungen. Darin wird deutlich, daß der Glaube nie Privatbesitz
ist, sondern immer Geschenk, das weitergegeben werden will, um sich in den
vielfältigen Lebensbereichen der menschlichen Gesellschaft zu entfalten. Die
Sorge um den Menschen unserer Zeit darf sich also nicht auf die Schaffung und
Sicherung sozialen Wohlstandes beschränken, sondern muß darauf abzielen, den
Menschen für Gott zu öffnen. Auch wenn das heute oft nicht leicht zu sein
scheint, so dürfen wir um der Menschen willen von Gott nicht schweigen. Nur in
einem solch umfassenden missionarischen Bemühen werdet Ihr den Menschen in ihren
Sorgen wirklich gerecht. Laßt Euch in Eurem christlichen Leben von der Mahnung
aus dem ersten Petrusbrief leiten, wo der Apostel dazu auffordert, stets bereit
zu sein, ”jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die
euch erfüllt“.
Dazu wünsche ich Euch, liebe Schwestern und Brüder, die Kraft und den Beistand
des auferstandenen Herrn, der uns seinen Heiligen Geist verheißen hat, einen
Geist der ”Liebe und der Besonnenheit“. der uns in die Wahrheit einführt und in
der täglichen Bewährung auf dem Weg unseres Glaubens hilft und führt. Mit meinen
aufrichtigen Wünschen für das Bistum Würzburg erteile ich Euch, Euren lieben
Angehörigen daheim sowie allen Gläubigen in Eurer Diözese von Herzen meinen
Apostolischen Segen.
©
Copyright 1992 - Libreria Editrice Vaticana
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