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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II. AN
DEN PRÄSIDENTEN DER ÖSTERREICHISCHEN HANDELSKAMMER
Samstag, 25. Januar 1992
Herr Präsident,
meine Damen und Herren!
Zu Ihrem Besuch im Vatikan heiße ich Sie herzlich willkommen. Angesichts Ihrer
hiesigen Begegnungen, die Sie auch mit Vertretern der Politik und der Wirtschaft
zusammenführen, tue ich dies in Erinnerung an das zurückliegende Jahr der
Katholischen Soziallehre mit besonderer Freude.
Die Organisation, die Sie vertreten, geht zurück auf eine Epoche Österreichs, in
der die gesellschaftliche Neuordnung auf der Basis des damaligen
Entwicklungsstandes der Katholischen Soziallehre ein wesentliches Anliegen der
Politik war. Die Grundlage war der Versuch, eine Kompatibilität zwischen
ständestaatlichem Denken und den Prinzipien der Katholischen Soziallehre
herzustellen. Bis in die späte Nachkriegszeit konnte sich die
Sozialpartnerschaft durchaus positiv entwickeln. Außerdem wurden der
Handelskammer in Österreich sowohl staatlich–ordnungspolitische wie auch
ständepolitische Aufgaben zugewiesen.
Infolge gewandelter wirtschaftlicher Bedingungen und aufgrund der Konsequenzen
aus der Internationalisierung des Marktes ergeben sich notwendige Veränderungen
für das unternehmerische Handeln. Wie ich in meiner jüngsten Enzyklika
”Centesimus Annus“ bereits ausgeführt habe, ist die ”Wurzel“ der modernen
Betriebswirtschaft ”die Freiheit des Menschen, die sich in der Wirtschaft wie
auf vielen anderen Gebieten verwirklicht. Die Wirtschaft ist ein Teilbereich des
vielfältigen menschlichen Tuns, und in ihr gilt, wie auf jedem anderen Gebiet,
das Recht auf Freiheit sowie die Pflicht, von ihr verantwortlichen Gebrauch zu
machen. Aber hier gibt es spezifische Unterschiede zwischen den Tendenzen der
modernen Gesellschaft und jenen der Vergangenheit“.
Ich bin davon überzeugt, dab es Ihnen, Herr Präsident, in den nächsten Jahren
gelingen wird, die Schwierigkeiten, die sich aus der Diskussion um die
monopolisierte volle Pflichtmitgliedschaft ergeben, zu meistern und im
Interessenvertretungsbereich der Mitglieder sowie in staatlich–ordnungspolitischen
Fragen eine allseits zufriedenstellende Lösung zu finden.
Ihnen allen, sowie Ihren Familienangehörigen und allen Mitgliedern der
Handelskammer Österreichs erteile ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.
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Copyright 1992 - Libreria Editrice Vaticana
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