ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II. AN DIE PILGER AUS DER DIÖZESE REGENSBURG
Samstag, 16. Dezember 1995
Lieber Herr Bischof, Liebe Schwestern und Brüder!
Mit dem Christbaum, den Ihr aus Eurer Heimat in der Oberpfalz auf den
Petersplatz gebracht habt, fühlen wir uns alle reich beschenkt. Bereits seit
einigen Tagen ragt dieser prächtige Nadelbaum in den römischen Himmel. Er ist
ein Zeichen Eurer Solidarität mit dem Nachfolger Petri und auch ein Gruß der
Kirche von Regensburg an die Pilger, die an Weihnachten aus aller Welt nach Rom
kommen.
Der Christbaum ist für Euch auch ein Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Licht der
Welt. Wie die Hirten von Betlehem müssen wir niederknieen. Sie standen als erste
im Lichtstrahl des Geheimnisses, das die Finsternis in der Geschichte des
Menschen auf dieser Erde erhellt, wie bereits Jesaja geschrieben hat: ”Das Volk,
das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht“ (Jes 9, 1).
Jenes Licht von Betlehem war von überirdischer Art; es war mehr auf das Herz und
die Seele des Menschen gerichtet als auf seine Augen. Das Geheimnis des Lichtes
ist den Hirten zugänglich geworden: sie haben es angenommen, sie haben sich ihm
genähert. Das Licht, das sie erleuchtet hat, ist der ”Glanz des Herrn“. Gott
wohnt ”in unzugänglichem Licht“ (1 Tim 6, 16), und auch der Gott, der als kleines Kind in der
Krippe liegt, wohnt in solchem Licht.
Die Geburt des Herrn ist ein Licht der Sinngebung: das Licht, in dem alle Dinge
ihren Sinn wiederfinden und vor allem der Mensch und sein Leben. Dieser
leuchtende Sinn überstrahlt die ganze Erde.
Symbolisch für dieses Licht strahlen die Lichter am Christbaum. Sie erhellen die
staunenden Augen von Kindern und Erwachsenen aus aller Welt. Und diese
strahlenden Augen stellen den schönsten Dank dar für alle, die sich um dieses
Weihnachtsgeschenk des Christbaumes verdient gemacht haben.
Vertreter von all diesen Menschen Eurer Heimat in der Oberpfalz sind hier
zugegen. Euch alle möchte ich herzlich begrüßen; ich nenne vor allem die
Vertreter der Diözese Regensburg mit ihrem Bischof Manfred Müller und dem für
die Organisation verantwortlichen Domkapitular Grabmeier, Frau Staatssekretärin
Hohlmeier in Vertretung des geschätzten Herrn Ministerpräsidenten Stoiber des
Freistaates Bayern, Herrn Regierungspräsident Metzger aus Regensburg, Herrn
Bürgermeister Grass aus Obertraubling sowie den Mitgliedern des Schützenvereins
Oberhinkofen, der Blaskapelle Obertraubling und dem Akkordeon-Club Regensburg,
die diese Tage noch zusätzlich mit ihren christlichen weihnachtlichen Liedern
verschönern.
Neben der Diözese Regensburg, den Stiftern des Christbaumes und den Schützen,
gilt mein besonderer Dank den Behörden der Republik Italien für ihr großzügigstes
Entgegenkommen bei der Beförderung des Baumes, das vor allem dank des Einsatzes
des Herrn Abgeordneten Hans Widmann und seiner Mitarbeiter ermöglicht wurde,
sowie der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl mit Herrn
Botschafter Doktor Jenninger an der Spitze.
Nehmt meine besten Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches
Neues Jahr mit zu Euren Familien und Gemeinden, die ebenfalls durch das
Aufstellen von Christbäumen und Krippen ihrer Freude auf das Kommen des Herrn
Ausdruck verleihen.
Mögen die kommenden Festtage bei allen den Glauben an Gottes barmherzige Nähe
und Liebe neu beleben und bestärken. Dazu erteile ich Euch und allen Euren
Angehörigen und Freunden zu Hause von Herzen den Apostolischen Segen.
© Copyright 1995 - Libreria Editrice Vaticana
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