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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE GLÄUBIGEN DER DIÖZESE GÖRLITZ

Donnerstag, 8. Juni 1995

 

Lieber Herr Bischof,
liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder aus dem Bistum Görlitz,
liebe Mitglieder der Schönstattfrauenliga!

Es ist mir eine besondere Freude, Euch, die Gläubigen aus der jüngst errichteten Diözese Görlitz hier im Vatikan begrüßen zu können. Euch alle heiße ich im Hause des Bischofs von Rom sehr herzlich willkommen. Mein besonderer Gruß gilt Eurem Bischof Rudolf Müller und durch ihn seinem verehrten Vorgänger in der Leitung der damaligen Apostolischen Administratur, Bischof Bernhard Huhn.

Darüber hinaus geht mein Willkommensgruß an Euch, liebe Mitglieder der Schönstattfrauenliga, die Ihr mit diesem Euren Besuch in Rom den Höhepunkt der Feiern zum 75-jährigen Bestehen Eurer Gemeinschaft berufstätiger Frauen begeht. Ich freue mich, dass ich Euch heute zusammen mit den Pilgern aus Görlitz empfangen kann.

Ihr seid nach Rom gepilgert, um Eure Verbundenheit mit der Weltkirche und dem Nachfolger des Heiligen Petrus zu bekunden. Gleichzeitig bringt Ihr auf diese Weise Euren Dank und Eure Freude über die Errichtung des Bistums Görlitz zum Ausdruck. Für viele Menschen haben sich in den vergangenen Jahren die Ereignisse regelrecht überstürzt, manchen fällt es auch heute noch schwer, sich unter neuen Bedingungen in ihrem alltäglichen Leben zurechtzufinden. In der Tat sind nicht alle Errungenschaften, die im Namen von Freiheit und individueller Gestaltungsmöglichkeit angepriesen werden, dazu angetan, dem menschlichen Leben die Sinnerfüllung zu verleihen, derer es zutiefst bedarf. Zu heftig begegnen sich mitunter bis heute zügelloser Veränderungswille von außen und die beschränkten Möglichkeiten des einzelnen, sich diesem Herausforderungsdruck zu stellen. Dazu ist die geistliche Lebenslunge, die für eine humane Gesellschaft unabdingbare Voraussetzung für eine gerechte und lebenswerte Zukunft ist, durch Jahrzehnte atheistischer Propaganda schmerzlich geschwächt worden.

Ihr, liebe Schwestern und Brüder, bildet nunmehr als junge Diözesangemeinschaft ein einheitliches Ferment in Eurer Region. Der große Vorteil eines überschaubaren Bistums besteht in der Möglichkeit, das geistliche Leben nah an den Sorgen und Hoffnungen des einzelnen auszurichten. Nutzt diese Chance, als geistliche Keimzelle vor der Gesellschaft Zeugnis zu geben von einem Leben, das in Gott seinen Ursprung und sein letztes Ziel hat.

Nur wenn Ihr mit Euren Gemeinden und Gruppen ein Bild der Einheit abgebt (Joh 17,21), werdet Ihr die Herausforderung einer Neuevangelisierung im Hinblick auf das anbrechende dritte christliche Jahrtausend bestehen. Verbindet Euch in diesem Bemühen in Gebet und konkreten Zeichen praktischer Zusammenarbeit mit den heute noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Schwestern und Brüdern. Bemüht Euch, gemeinsam mit ihnen ”die Anwesenheit und die Wirksamkeit“ des Heiligen Geistes zu entdecken (Tertio Millennio Adveniente, 45). Denn ”wie kann man das Evangelium von der Versöhnung verkünden, ohne sich gleichzeitig tätig für die Versöhnung der Christen einzusetzen?“ (Ut unum sint, 98). Wie Ihr Euch also bisher schon für eine grenzüberschreitende Verständigung mit Euren polnischen Nachbarn engagiert habt, so fördert den Geist geschwisterlicher Liebe auch weiterhin, ”lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes und lebt in Frieden. Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein“(2 Kor 13, 11).

Mit diesen Worten des Apostels Paulus, die ich auch an den Schluss meiner jüngsten Enzyklika Ut unum sint gestellt habe, bringe ich für Euch und für die Zukunft des Bistums Görlitz meine besten Wünsche zum Ausdruck. Auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, der Königin von Schönstatt, und der heiligen Hedwig, die Ihr zur Diözesanpatronin von Görlitz erwählt habt, erteile ich Euch allen von Herzen meinen Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1995 - Libreria Editrice Vaticana

 

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