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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE KRANKEN, DIE AN DER PILGERFAHRT DES
MALTESER-HILFSDIENSTES TEILNEHMEN

Donnerstag, 9. November 1995

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Zu unserer Begegnung heiße ich Euch alle herzlich willkommen und verleihe meiner tiefen Dankbarkeit Ausdruck über das Geschenk Eurer Anwesenheit. Sie ist für die Kirche, die dazu berufen ist, das Heilswerk inmitten der Welt fortzusetzen, so wertvoll, denn Ihr verleiht ihr eine besondere Kraft bei ihrem heilbringenden Wirken.

Mein besonderer Gruß gilt allen Schwestern und Brüdern im Rollstuhl sowie allen, die von einem Leiden befallen sind. Von Herzen begrüße ich auch alle, die Euch Hilfe leisten: alle Verantwortlichen, die Ärzte, Pfleger und alle freiwilligen Mitarbeiter und Helfer des Malteser-Hilfsdienstes. Ihr belebt durch Euer leuchtendes Beispiel die uralte Tradition des Malteserordens: ”tuitio fidei et obsequium pauperum“.

Der Malteser-Hilfsdienst, der aus einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit des Malteser-Ordens mit dem Deutschen Caritasverband entstanden ist, zeichnet sich aus durch sein hochherziges und edles Engagement, das von den vielen jungen freiwilligen Mitarbeitern und Helfern getragen wird, die ihren Urlaub und ihre Freizeit opfern und außerdem selbst für die Reisespesen aufkommen.

Ihr gebt eine konkrete Antwort auf die Frage aus dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter: ”Wer ist mein Nächster?“. Dieses Gleichnis ”gehört zum Evangelium vom Leiden. Es zeigt in der Tat, wie die Beziehung eines jeden von uns zu seinem leidenden Nächsten sein sollte. Es ist uns nicht erlaubt, gleichgültig "weiterzugehen", sondern wir müssen bei ihm "stehenbleiben". Ein barmherziger Samariter ist jeder Mensch, der vor dem Leiden eines Mitmenschen, was auch immer es sein mag, innehält. Dieses Innehalten bedeutet nicht Neugier, sondern Bereitschaft“ (Salvifici Doloris, 28).

Der barmherzige Samariter ”bleibt nicht bei Mitgefühl und Mitleid stehen. Sie werden für ihn Ansporn zu einem Handeln“, zu ”wirksamer Hilfe, soweit es möglich ist. Dafür setzt er sein Herz ein; doch er spart auch nicht mit materiellen Mitteln. Man kann sagen, er gibt sich selbst, sein eigenes "Ich", indem er dieses "Ich" dem anderen öffnet“ (ebd.).

Der Kranke und Behinderte steht im Mittelpunkt Eures Dienstes, der geprägt ist von Güte und Kompetenz. Ihr leistet ohne viel Worte einen praktischen Dienst; und gerade dies ist es, was vor allem auf junge Menschen ausstrahlend wirkt.

Zu Euch allen sage ich: ”Gnade sei mit euch und Friede in Fülle“ (1 Pt 1, 2), und ich wünsche Euch, dass diese Begegnung zu einer fruchtbaren Besinnung werde, damit Ihr immer besser die Bedeutung der erlesenen Mission an der Seite der kranken und leidenden Schwestern und Brüder begreift.
Krankheit und Leid sind kein unnützes Missgeschick; sie sind nicht etwas, was niederdrückt, ohne etwas Positives zu hinterlassen. Im Gegenteil, wenn sie in Gemeinschaft mit Christus getragen werden, werden sie zur Quelle der Hoffnung, des Heils und der Auferstehung für Euch und für die ganze Menschheit.

Aus diesem Glauben heraus erteile ich Euch allen sowie Euren lieben Angehörigen zu Hause von Herzen den Apostolischen Segen.

 

© Copyright 1995 - Libreria Editrice Vaticana

 

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