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ANTWORTEN VON JOHANNES
PAUL II.
BEIM TREFFEN MIT DEN JUGENDLICHEN DER DIÖZESE ROM
Donnerstag, 25.
März 1999
ANTWORTEN AUF FRAGEN VON JUGENDLICHEN
Erste Frage:
Heiligkeit, in Ihrer Botschaft zum Weltjugendtag 1999 haben Sie uns, zusammen
mit der ganzen Kirche, eingeladen, uns »an Gott Vater zu wenden und voll
Dankbarkeit und Bewunderung die erstaunliche Offenbarung Jesu aufzunehmen:
›Der Vater liebt euch!‹« Und weiter haben Sie uns versichert: »Nie wird seine
Liebe von euch weichen, nie wird der Bund des Friedens mit euch wanken« (vgl.
O.R. dt., 22.1.99, S. 10). Ja, dessen sind wir gewiß. Manchmal jedoch fällt es
uns etwas schwer, zu verstehen, wie denn der Vater uns liebt: Wenn wir dem
Leiden gegenüberstehen und dem Tod von Jugendlichen gleich uns, wenn
Naturkatastrophen unschuldige Menschen dahinraffen, wenn – schlimmer noch –
der Mensch die Torheit des Krieges zu spüren bekommt. Wir stehen tatsächlich
am Ende eines Jahrhunderts, das tief von Kriegen und Haß unter den Völkern
gezeichnet ist. Auch heute, und gerade in diesen Stunden, gehen Haß und Krieg
in den uns so nahen Gebieten von Ex-Jugoslawien weiter. Heiligkeit, können Sie
uns verstehen helfen, wie der Vater nicht aufhört, uns zu lieben, auch wenn
wir dem Leiden rechtschaffener und unschuldiger Menschen begegnen, wenn viele
unserer Altersgefährten von zerstörenden Elementen, wie der Drogenabhängigkeit,
mitgerissen werden und wenn die Menschen auf Grund von Haß und Krieg einander
töten?
Liebe Jugendliche!
Liebe Jugend, willkommen im Vatikan, in der Aula Paul VI. Ich
heiße alle willkommen, die in der Aula sind, und alle, die draußen im Regen
stehen. Es scheint aber nicht sehr stark zu regnen. Jedenfalls sind die, die
draußen stehen, stärker als der Regen.
Das große Problem, das ihr mir vorlegt, hat seine Wurzeln im Herzen des
Menschen selbst. Ich höre in der Frage, die mir ein Vertreter von euch
gestellt hat, ein Echo des Einwandes, den wir in Dostojewskijs »Legende vom
Großinquisitor« lesen: »Wie kann ich an Gott glauben, wenn er den Tod
eines unschuldigen Kindes zuläßt?« Im Leben eines jeden Tages sehen wir, ja
greifen fast mit Händen das Problem des Bösen. Die großen Überlegungen zu
diesem Problem scheinen nicht unmittelbar zu überzeugen, vor allem dann nicht,
wenn man Krankheit und Leid in erster Person erfährt oder vom Tod eines
nahestehenden lieben Menschen betroffen wird.
Doch ich entziehe mich nicht der Herausforderung, die in dieser Frage steckt.
Ich möchte an erster Stelle auch meinerseits eine herausfordernde Frage an
euch stellen: Ihr fragt mich, wie soll man die Liebe des Vaters verstehen
angesichts von Haß, Zwietracht, Zerstörung der Persönlichkeit auf vielerlei
Weise und Tod? Ganz zu Recht wurde eben der Konflikt erwähnt, der Jugoslawien
mit Blut befleckt und der so viel Sorge bereitet wegen seiner Opfer und der
Folgen, die daraus für Europa und für die ganze Welt entstehen können. Ich
wünsche von Herzen, daß die Waffen so bald wie möglich schweigen und daß der
Dialog und die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, damit endlich mit dem
Beitrag aller ein ger echter und dauerhafter Friede in der ganzen Balkanregion
zustandekommt.
Meinerseits sage ich zu euch: Warum sich fragen: Wo bleibt denn die Liebe
Gottes? – ohne daß man sich die Verantwortung klarmacht, die der Sünde der
Menschen zukommt? Warum schließlich sollten wir Gott für schuldig halten, wenn
hingegen die in ihren Entscheidungen freien Menschen verantwortlich sind? Die
Sünde ist keine abstrakte Theorie. Man kann vielmehr ihre Folgen feststellen.
Das Böse, worüber ihr mich um eine Erklärung bittet, hat seinen Grund in der
Sünde und in der Weigerung, nach den Weisungen Gottes zu leben. Sie läßt das
Leben in die Brüche gehen, und es kommt so weit, daß man das Gute ablehnt.
Dann verschließt man sich in Haß, Eifersucht und Egoismus, ohne sich darüber
klar zu werden, daß solche Verhaltensweisen in die Einsamkeit führen und dem
Leben seinen wahren Sinn nehmen. Trotz alledem könnt ihr sicher sein, daß die
Liebe des Vaters nie nachläßt. Gott selbst hat ja mit uns Leid und Tod teilen
wollen. Daran müssen wir uns in dieser Fastenzeit und in der Heiligen Woche
wieder erinnern. Und das, was von Ihm gelebt wurde, ist auch erlöst und
gerettet worden. Das Böse wird durch die Kraft der Liebe besiegt, wie der
Apostel Paulus mit voller Überzeugung betont: »Was kann uns scheiden von der
Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr
oder Schwert? … All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat (Röm
8,35.37). Das also ist der Weg, dem man folgen muß, um das Böse zu besiegen:
wachsen in der Liebe des Vaters, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat.
Zweite Frage:
Heiliger Vater, in Ihrer Botschaft steht eine kräftige Aufforderung zu Umkehr
und zum Empfang des Bußsakramentes. Wir fragen Sie: Von wo muß der Wunsch
ausgehen, sich zu bekehren? Es wird uns oft gesagt, wir müßten uns bekehren,
aber manchmal empfinden wir kein Bedürfnis dazu und sehen die Notwendigkeit
dazu nicht ein: Können Sie uns erklären, warum? Ferner bitten wir Sie um ein
Wort über das Bußsakrament, denn es ist nicht immer leicht, es als den Ort zu
sehen, an der sich der Weg der Rückkehr zum Vater vollzieht, von dem man sich
durch die Sünde entfernt hat.
Es stimmt, heute wird im allgemeinen die Notwendigkeit zur Bekehrung nicht so
empfunden wie in früherer Zeit. In Wirklichkeit besteht jedoch eines der
grundlegenden Erfordernisse, um zu einer vollen, reifen Persönlichkeit
heranzuwachsen, darin, daß man sich in Frage stellt. Der Mensch kommt auf dem
mühsamen Weg der Selbsterkenntnis nur voran durch einen beständigen
Bekehrungs- und Erneuerungsprozeß, nur wenn er seinen Willen beherrscht und
fähig ist, das Böse zu meiden und das Gute zu tun.
Das Leben ist, so können wir sagen, eine beständige Veränderung. Dies erlebt
ihr als persönliche Erfahrung in erster Person. Stimmt es denn nicht, daß,
wenn ihr einen Menschen liebt, ihr alles tut, nur um seine Liebe zu gewinnen?
Kommt es dann nicht etwa vor, daß es euch gelingt, euch zu ändern, sogar in
Ausdrucks- und Verhaltensweisen, von denen ihr nie gedacht hättet, sie ändern
zu können? Wenn nicht ein Akt der Liebe zugrundeliegt, kann man unmöglich
begreifen, daß man sich ändern muß.
Dasselbe geschieht im geistigen Leben, besonders durch das Sakrament der
Versöhnung, das genau auf dieser Linie liegt. Es ist in der Tat das wirksame
Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, der allen entgegengeht. Es ist das Zeichen
der Liebe des Vaters, der, obschon der Sohn for tgegangen ist und sein Hab und
Gut verschwendet hat, bereit ist, ihn mit offenen Armen wieder aufzunehmen und
einen ganz neuen Anfang zu machen. In der Beichte erleben wir ganz persönlich
das Wesentliche der Liebe Gottes: Er kommt uns entgegen in der Art und Weise
seines größten Wohlwollens: in Vergebung und Barmherzigkeit.
Damit will ich nicht sagen, daß der Weg der Bekehrung leicht sei. Jeder weiß,
wie schwierig es ist, seine Fehler einzugestehen. Man hat tatsächlich stets
Gründe genug bei der Hand, nur um seine Fehler nicht zuzugeben. Auf diese
Weise aber erfährt man nicht die Gnade Gottes, seine Liebe, die umgestaltet
und konkret werden läßt, was unmöglich zu sein scheint. Wie kann man ohne die
Gnade Gottes ins tiefste Innere seiner selbst eindringen und begreifen, daß es
notwendig ist, sich zu bekehren? Die Gnade ist es, die das Herz umwandelt und
es die Liebe des Vaters konkret und nahe empfinden läßt.
Vergeßt dann aber auch nicht, daß niemand imstande ist, den andern zu
verzeihen, wenn er nicht zuerst selbst die Erfahrung gemacht hat, daß ihm
verziehen wurde. Die Beichte erscheint in dieser Weise als der Hauptweg, um
wirklich frei zu werden und Verstehen von seiten Christi, Vergebung durch die
Kirche und Versöhnung mit unseren Brüdern und Schwestern zu erfahren.
Dritte Frage:
Heiligkeit, Sie erinnern uns an die Worte aus dem ersten Brief des
Johannes: »Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht
lieben, den er nicht sieht« (1 Joh 4,20). Mit anderen Worten: Sie lassen
uns verstehen, daß aus der Liebe zum Vater Taten der Liebe, der Vergebung, des
Friedens und der Solidarität gegenüber den Brüdern und Schwestern hervorgehen
müssen. Hinsichtlich dieser Notwendigkeit, zu lieben und zu vergeben, stimmen
wir ganz mit Ihnen überein, und wir werden alles daran setzen, dies besonders
als Zeichen unserer Bekehrung zu tun, wenn wir durch die Heilige Pforte des
Jahres 2000 gehen. Einigen unter uns fällt es jedoch schwer, zu sehen, wie die
Kirche zu lieben und zu verzeihen versteht. Können Sie uns über dieses so
wichtige Thema Aufschluß geben? Sie selbst sind ja ein Zeuge für die Vergebung,
haben Sie doch auch dem zu vergeben gewußt, der Ihnen physisch Böses zugefügt
hat, und Sie haben den Mut gehabt, für die Sünden der Kirche um Vergebung zu
bitten.
Auch diese eure dritte Frage findet ihre Antwort im Licht der Liebe. Ich
möchte euch ganz offen sagen, daß die Vergebung das größte Wort im Munde dessen
ist, der wirklich liebt. Die Vergebung ist das vornehmste Zeichen für die
Fähigkeit, nach der Weise Gottes zu lieben, der, eben weil er uns liebt, uns
beständig verzeiht. Im Hinblick auf das nun schon nahe Jubiläum, die günstige
Gelegenheit zur Bitte um Vergebung und Nachlaß der Strafe, wollte ich, daß die
Kirche, gestärkt durch die Lehre Jesu, des Herrn, als erste wieder diesen Weg
ständiger Bekehrung ginge. Es ist der ihr eigene Weg bis zu dem Tag, an dem sie
vor den Herrn hintreten wird. Darum habe ich geschrieben, daß die kirchliche
Gemeinschaft an der Schwelle des dritten Jahrtausends sich »mit stärkerer
Bewußtheit der Schuld ihrer Söhne und Töchter« annehmen soll (vgl. Tertio
millennio adveniente, 33).
Der Weg zur Heiligen Pforte ist ein wahrer Pilgerweg
für den, der sein Leben ändern und sich von ganzem Herzen zum Herrn bekehren
will. Wenn er diese Tür durchschreitet, darf er nicht die Bedeutung vergessen,
die sie hat. Die Heilige Pforte weist hin auf den Eintritt ins neue Leben, das
Christus uns anbietet. Und das Leben ist, wie ihr gut wißt, keine Theorie,
sondern alle Tage etwas Konkretes. Das Leben ist ein Ganzes aus Taten, Worten,
Verhaltensweisen und Gedanken: Teile, aus denen unser Dasein sich
zusammensetzt, und die uns kenntlich machen als das, was wir sind.
Liebe Jungen und Mädchen der
Diözese Rom, ich danke euch für das Versprechen, das ihr mir gegeben habt,
nämlich: das ständige Bemühen, daß auch ihr lebendige Zeichen der Versöhnung und
Verzeihung sein wollt. Es bieten sich, besonders in eurem Alter, viele
Gelegenheiten, Zeugnis für aufrichtige, selbstlose Freundschaft zu geben. Macht
diese Gelegenheiten noch zahlreicher, und die Freude, das Geschenk der Gegenwart
Christi, wird in euch zunehmen. Ihr seid berufen, diese Freude an die
weiterzugeben, die ihr kennt, und sie mit ihnen zu teilen. Jesus ist der einzige
Erlöser der Welt; Er ist das Leben, das dem Dasein jedes Mannes und jeder Frau
echten Sinn gibt.
Liebe Jugendliche, werdet nie müde, in berechtigter Neugier
und Lernbegierde Fragen zu stellen. Es ist ganz recht, daß ihr in eurem Alter,
wenn die Welt euch immer mehr in den Blick kommt, von dem Wunsch erfüllt seid,
stets Neues und Interessantes kennenzulernen. Bewahrt euch diesen Wunsch, das
Leben zu begreifen. Liebt das Leben; es ist das Geschenk und die Sendung, die
Gott euch anvertraut, um mit Ihm zum Heil der Welt zusammenzuarbeiten.
WORTE ZUM ABSCHLUß DES TREFFENS
Meine Lieben!
1. Am Ende dieses
Zusammenseins, das nun zu einem jährlichen Treffen mit der Jugend der Diözese
Rom geworden ist, möchte ich euch für eure so zahlreiche und lebhafte Teilnahme
danken.
Ich danke eurem Vertreter, der mich eingangs begrüßt hat, und den
Freunden, die mir in euer aller Namen wesentliche Fragen gestellt haben, um
sagen zu können: »Credo«, nämlich: Ich glaube, daß der Vater mich liebt! Und ich
danke auch denen, die auf verschiedene Weise dazu beigetragen haben, daß dieser
festliche und besinnliche Nachmittag zustande kommen konnte. Insbesondere danke
ich auch Frau Caterina Muntoni für das eindrucksvolle Zeugnis der Vergebung, das
wir eben gehört haben. Wir versichern sie unseres Naheseins und unseres Gebetes
für ihren grausam ermordeten Bruder, und wir bitten den Herrn um das Geschenk
zahlreicher Priesterberufungen für die Kirche: Menschen, die wie Don Graziano
sich mit großem Edelmut für die Sache des Evangeliums und den Dienst an den
Brüdern zu verschwenden verstehen.
2. Ehe wir uns mit dem Gebet, das Jesus uns
gelehrt hat, an den Vater wenden, möchte ich euch an ein Treffen und eine
wichtige Aufgabe erinnern.
Wahrscheinlich habt ihr schon verstanden, welches
Treffen ich meine: Es handelt sich um den XV. Weltjugendtag, der vom 15. bis 20.
August des Jahres 2000 hier in Rom stattfinden und das Thema haben wird: »Das
Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt« (Joh 1,14).
Niemand soll
bei diesem Treffen fehlen, das eine »Zeit der Gnade« für die Jugendlichen sein
soll. Eine Zeit der Gnade für euch und für alle eure Altersgefährten, die ihr zu
Hause, in euren Pfarren und Schulen, in Ordenshäusern und Zeltstädten und wo
sonst noch eure Phantasie es euch eingibt als Gäste aufnehmen werdet. Zeit der
Gnade für die Kirche Roms: Sie wird aus der Anwesenheit zahlreicher Jungen und
Mädchen, die hierherkommen werden, um zu Beginn des neuen Jahrtausends das
Glaubenszeugnis mit euch zu teilen, großen geistlichen und pastoralen Nutzen
ziehen.
Ich vertraue euch eine doppelte Aufgabe an: zunächst die, zur Teilnahme
am Weltjugendtag auch eure jungen Freunde und Freundinnen einzuladen, die dem
Glauben vielleicht gleichgültig gegenüberstehen, die aber, gerade weil sie jung
sind, auf der Suche nach der Wahrheit und dem Guten sind. Die Jubiläumsfeier der
Jugendlichen wird auch für sie eine Gnadenzeit sein und vielleicht – wie es bei
ähnlichen Gelegenheiten schon der Fall war – ein günstiger Moment, um Christus
und seiner Kirche näherzukommen. Ich vertraue euch diese eure Altersgefährten an.
Ferner vertraue ich euch die Aufgabe an, die Gäste, die von weither kommen,
hochherzig aufzunehmen. Ich weiß, was alles von der Diözese Rom und dem
Italienischen Komitee für den Weltjugendtag unter der Leitung des Päpstlichen
Rates für die Laien getan wird, und ich freue mich mit ihnen über die gut
angelaufene Arbeit. Aber dieses Werk ist auf die Mitarbeit und den Eifer aller
angewiesen: Priester und Ordensleute, Erwachsene und Jugendliche der
Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, Studentenseelsorge und Bewegungen und
Vereinigungen der Diözese. Ich wünsche und hoffe, daß viele Familien ihr Haus
den Jugendlichen aus aller Welt öffnen, damit diese das Herz, das große Herz der
Römer kennenlernen. Ich bin überzeugt, daß die römische Jugend der französischen
Jugend in Paris, der Jugend in den Philippinen, den Amerikanern in Denver und
all den anderen nicht nachsteht, auch nicht den jungen Polen in Tschenstochau.
Das Wort »Roma« wird, umgekehrt gelesen, zum Wort »Amor« (Liebe). Mögen doch
alle diese »Amor«, diese römische Liebe, spüren!
3. Um euch auf den Empfang dieser eurer Altersgefährten aus vielen Ländern der
Welt vorzubereiten, seid selbst darauf bedacht, die vielen Orte christlicher
Heiligkeit und Spiritualität, die Rom hütet, neu zu entdecken. So werdet ihr
imstande sein, die Freunde, die kommen werden, dorthin zu begleiten und zusammen
mit ihnen den Glauben zu vertiefen, der durch die Jahrhunderte von Generationen
gläubiger Menschen weitergegeben wurde. Manche haben diesen Glauben um den Preis
ihres Blutes verteidigt und bezeugt. Es ist der Glaube von gestern, heute und
immer, und durch euch wird er auch im neuen Jahrtausend voranschreiten.
Heute erlebt ihr
ein glückliches Zusammentreffen, insofern der Jugendtag Roms mit dem Hochfest
der Verkündigung des Herrn zusammenfällt. Ich möchte euch sagen, daß dieses
Hochfest, dieses Geheimnis, den Horizont für die ganze Menschheit aufgetan hat,
weil in der Verkündigung Gott selbst sein Kommen angekündigt hat, das Kommen
seines Sohnes, seinen Eintritt in die Geschichte des Menschen. Und so erinnert
uns das Fest der Verkündigung an diese großartige Eröffnung von Horizonten in
der Geschichte des Schicksals der Menschheit. Es trifft sich also wirklich gut,
daß euer Treffen in Rom gerade an diesem Hochfest stattfindet.
Und nun noch ein
letztes Wort. Aus einem bestimmten Grund beten wir dreimal am Tag den Angelus.
Das ist nicht einfach Tradition, sondern eine tief fundierte Praxis. Wir beten
dreimal am Tag den Angelus, um uns an den Horizont zu erinnern, den die
Verkündigung uns geöffnet hat: »Angelus Domini nuntiavit Mariae, et Verbum caro
factum est« – »Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und das Wort
ist Fleisch geworden.« Diese Worte sprechen wir, um daran zu denken, welche
Aussicht unser Leben hat. Eine von Gott selbst gegebene Aussicht. Eine
Perspektive, in die der menschgewordene Sohn Gottes eintritt. Das gibt
wahrhaftig Grund zu großem Vertrauen. Und ihr jungen Leute müßt Vertrauen haben.
Darum sage ich euch auch: Sucht, wenn es möglich ist, den »Engel des Herrn« zu
beten.
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