 |
PASTORALBESUCH VON
JOHANNES PAUL II. ANLÄSSLICH DER EINWEIHUNG DES METROPOLITANSEMINARS
"JOHANNES PAUL II."
Herr Kardinal, ehrwürdige Brüder im Bischofsamt, sehr geehrte
Vertreter der Behörden, liebe Priester, Ordensleute und Seminaristen, liebe
Brüder und Schwestern!
1. Mit großer Freude bin ich heute nun unter euch zur Einweihung des neuen
Metropolitanseminars und des Hauses für den Klerus »St. Matthäus«, Werke,
die von der Diözesangemeinschaft von Salerno mit Hilfe der Italienischen
Bischofskonferenz und der tatkräftigen Unterstützung der Bischöfe dieser
Region geplant und ausgeführt wurden.
Ich danke euch für die Einladung zu einem so bedeutenden Anlaß und für den so
herzlichen Empfang.
Ich grüße die altehrwürdige und edle Kirche von Salerno und die Gemeinschaft
von Pontecagnano-Faiano. Ich danke Bischof Gerardo Pierro, dem geliebten und
eifrigen Hirten dieser Diözese, für die Worte, mit denen er das gemeinsame
Empfinden gegenüber dem Nachfolger Petri zum Ausdruck gebracht hat. Mein
liebevolles Gedenken gilt sodann dem Diözesanklerus, den Ordensmännern und
Ordensfrauen, den anwesenden Obrigkeiten und allen, die an diesem Glaubens- und
Gemeinschaftsereignis haben teilnehmen wollen.
Ich danke Kardinal Michele Giordano, Erzbischof von Neapel und Präsident der
Bischofskonferenz von Kampanien. Im Geist umarme ich mit ihm alle Bischöfe
Kampaniens und die Bevölkerung dieser Region, vor allem die aus dem schwer
geprüften Sarno.
Auf dem Weg hierher nach Salerno bin ich ja über dieses Gebiet geflogen, das im
vorigen Jahr von einer schrecklichen, Zerstörung und Tod verursachenden Flut
heimgesucht wurde. Ich habe für die zu Tode Gekommenen gebetet, insbesondere
aber habe ich Gottes Hilfe für die am schwersten betroffenen Menschen und
Familien angerufen. Mögen sie in der christlichen Hoffnung die Kraft finden,
um, auch von der Gemeinschaft der Nation unterstützt, eine ungetrübte Zukunft
aufzubauen, besonders für die jungen Generationen. Diesen Brüdern und
Schwestern, die meinem Herzen besonders nahe sind, sende ich einen innigen
Gruß.
2. Meine Lieben, dieses neue Metropolitanseminar und das Haus für den Klerus
»St. Matthäus«, das die Kirche von Salerno in liebevoller Sorge bauen wollte,
bilden ein Geschenk der Vorsehung für die zum priesterlichen Dienst Berufenen
und für die Priester. Insbesondere stellt sich das Seminar in seiner modernen
und funktionellen Struktur in eine Linie mit der langen Tradition, wodurch die
Erzdiözese Salerno, die jahrelang Sitz des Päpstlichen Regionalseminars »Pius
XI.« war, den Nachbardiözesen gedient hat.
In idealer Fortführung dieser Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit wird auch das
Metropolitanseminar auf Antrag der betreffenden Bischöfe für Seminaristen
anderer Diözesangemeinschaften Kampaniens zur Verfügung stehen.
Die Eröffnung eines Seminars setzt vor allem ein großes Vertrauen in das
Wirken Christi voraus. Er fährt fort, viele junge Menschen einzuladen, und wenn
sie seinen Ruf gehört haben, fragen sie, wie die beiden Jünger im Abschnitt
des Evangeliums, den wir eben gehört haben: »Rabbi (das heißt: Meister), wo
wohnst du?« Dieses Seminar tut sich heute auf, damit Jesus den Jugendlichen aus
dieser Gegend antworten kann: »Kommt und seht« (vgl. Joh 1,38–39).
Das Seminar nämlich ist dazu bestimmt, die Atmosphäre zu schaffen, in der eine
besondere Erfahrung der Gemeinschaft mit Christus gelebt werden soll. Mögen die
jungen Menschen, die sich hier dem Studium und dem Gebet widmen, die Worte des
Andreas zu seinem Bruder Simon: »Wir haben den Messias gefunden!« (Joh
1,41) zu ihren eigenen Worten machen können.
3. In dieser Hinsicht möchte ich mich insbesondere an euch, liebe Seminaristen,
wenden. Es ist ja in erster Linie an euch, diesen Tag zu feiern. Dieses Seminar
ist vor allem für euch bestimmt und für alle, die auch in Zukunft bereit sein
werden, auf den Ruf Gottes zu antworten, und die hier Jahre der notwendigen
Ausbildung verleben werden.
Ich wünsche euch, daß ihr willig auf die Stimme des
Herrn hört und euch ihm hochherzig hingebt. Mögt ihr hier wachsen können im
Eifer für Gebet und Studium und die täglichen Verzichte und Schwierigkeiten
als Akte der Liebe leben zugunsten derer, zu denen der Herr euch senden wird.
Ihr werdet auf die kluge und hingebende Führung eurer Vorgesetzten wie auch auf
das Gebet der christlichen Gemeinschaft zählen können und vor allem auf die
mütterliche Anwesenheit der Königin der Apostel, der ganz besonders die
anvertraut sind, die berufen werden, »in persona Christi« zu handeln.
4. Liebe Erzieher, euch ist die Aufgabe anvertraut,
den künftigen Priestern das Erleben des Abendmahlssaales wieder lebendig werden
zu lassen, der in gewissem Sinn das erste Seminar war. Im Abendmahlssaal wusch
der Herr den Zwölfen, nachdem er sie belehrt hatte, die Füße. Er nahm das
blutige Kreuzesopfer voraus und gab sich unter dem Zeichen des Brotes und des
Weines ganz und für immer hin. Und dann fanden sich die Apostel in Erwartung
des Pfingstfestes wiederum im Abendmahlssaal zusammen und »verharrten dort
einmütig im Gebet, zusammen […] mit Maria, der Mutter Jesu« (Apg
1,14).
Meine Lieben, laßt euch bei der Vorbereitung derer,
die das Evangelium im dritten Jahrtausend verkünden werden, von diesem so
vielsagenden Bild anregen. Weckt in den Alumnen die Liebe zum Herrn und die
Leidenschaft für sein Evangelium, damit sie sich ganz und gar Christus, dem
Lehrer, Priester und Hirten angleichen (vgl. Optatam totius, 5). Erzieht
sie zur brüderlichen Gemeinschaft. Sichert ihnen eine solide theologische und
kulturelle Vorbereitung. Seid vor allem darauf bedacht, daß sie »Männer
Gottes« seien und gerade deshalb auch Männer der Nächstenliebe, der Armut,
der Bereitschaft zum Teilen, und daß sie morgen fähig seien, hochherzig ihren
Dienst unter den Menschen dieser Gegend auszuüben, die, wie der ganze Süden
Italiens, von alten und neuen Herausforderungen gezeichnet ist. Sie hat, wie
noch nie, Hirten notwendig, die unbescholten für das Evangelium Zeugnis geben.
5. Von weiser Überlegung geleitet, wünschte euer
Erzbischof neben dem Seminar das Haus für den Klerus »St. Matthäus«. Es ist
für die Priester als eine Hilfe bestimmt, Brüderlichkeit zu leben und die
zahlreichen Vorzüge des gemeinsamen Lebens zu erfahren, wie es in seinen
verschiedenen Formen vom II. Vatikanischen Konzil empfohlen wurde (vgl. Presbyterorum
Ordinis, 8) und zur Erfüllung des Dienstes so wertvoll ist.
Möge, das ist mein Wunsch, die Nähe der beiden
Einrichtungen für jene, die darin Wohnung nehmen, eine kostbare Gelegenheit zu
brüderlicher Begegnung sein, zur Gemeinschaft in der Bruderliebe, zu
gegenseitigem Gebetsgedenken und zur Ermutigung im Dienst des Herrn.
6. Nun möchte ich auch noch an die anderen jungen
Leute, die ich hier sehe, einen Gedanken richten.
Liebe Jungen und Mädchen, nehmt die Botschaft Christi
an, und gebt Antwort auf seine Liebe. Er lädt jeden und jede von euch ein, ihm
in persönlicher und besonderer Weise zu folgen. Von der Antwort auf seinen Ruf
hängt das Gelingen eures Lebens ab. Laßt euch nicht von illusorischen und
vergänglichen Vorspiegelungen bezaubern: Christus beruft euch zur Heiligkeit,
auch unter den gewöhnlichen Bedingungen des Lebens als Laien. Und wenn er
einige darauf anspricht, sich ganz dem Dienst des Evangeliums auf dem Weg des
Priestertums oder des geweihten Lebens zu widmen, habt keine Angst, seinen
Vorschlag mutig anzunehmen. Er eröffnet begeisternde Perspektiven der Gnade und
Freude. Die Kirche erwartet den Beitrag eurer Kreativität, eurer Gaben, eures
jugendlichen Enthusiasmus.
7. Liebe Brüder und Schwestern, der Gebäudekomplex, vor
dessen Eröf fnung wir stehen, ist die Frucht der Mühen und der
Zusammenarbeit vieler Menschen. Ich möchte alle beglückwünschen, die mit
ihrer Energie, ihrer Intelligenz und ihrer Kompetenz dazu beigetragen haben:
diejenigen, die geplant haben und die gebaut haben, die Meister und die
Arbeiter, alle!
Als konkretes Zeichen eurer Liebe zu Christus und zur
Kirche wolltet ihr das neue Seminar nach dem Papst benennen, der jetzt zu euch
spricht. Ich danke euch von Herzen für diese liebenswürdige Geste. Sie
festigt aufs neue die alten Bande der Kirche von Salerno mit dem Nachfolger
des Petrus, dem sichtbaren Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der
Gemeinschaft (vgl. Lumen gentium, 18).
Maria, der Königin der Apostel und Mutter der Priester,
deren Bild auf dem neuen Seminar als Wachtposten angebracht wurde, vertraue
ich alle an, die in dieser Hochburg des Glaubens und der Kultur leben,
studieren und arbeiten werden. Sie möge liebevoll über den Mühen aller
wachen und sie auf ihrem Weg unterstützen, damit sie mit Großmut auf das
Wort ihres Sohnes Antwort geben und mit unentwegter Treue ihren Brüdern und
Schwestern dienen.
In diesem Sinn erteile ich von Herzen jedem und jeder von
euch, die ihr hier anwesend seid, der Diözesangemeinschaft und der ganzen
Region Kampanien meinen Apostolischen Segen.
Vor dem Abschied sagte der Papst:
Zum zweiten Mal bin ich nach Salerno gekommen. Aber in
diesen Teil der Stadt, wo das Seminar steht, komme ich zum ersten Mal. Alle
guten Wünsche für eure Gemeinschaft, die immer an die Zukunft denkt, weil
das Seminar, die Seminaristen von der Zukunft sprechen, vom dritten
Jahrtausend.
Viele gute Wünsche für das dritte Jahrtausend eurer
Diözese. Gelobt sei Jesus Christus! Auf Wiedersehen!
Salerno, 4. September 1999
|