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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
BEI DER SEGNUNG DER RESTAURIERTEN
FASSADE DES PETERSDOMES

Donnerstag, 30. Oktober 1999

 

Meine Herren Kardinäle und verehrte Brüder im Bischofsamt,
Herr Präsident der Republik Italien, Herr Ministerpräsident,
meine Herren Botschafter beim Hl. Stuhl und in Italien,
sehr geehrte Herren vom Leitungsgremium und Techniker der E.N.I.,
meine Damen und Herren!

1. Heute steht die Fassade der Vatikanischen Basilika im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Seit Jahrhunderten ist sie Zeugin großer Ereignisse, die ihre Spur in der Geschichte hinterlassen haben. Wir sind hier versammelt, um den glücklichen Abschluß der Restaurierungsarbeiten zu feiern, mit denen Ingenieure, Architekten, Marmorfacharbeiter, Steinmetzen, Stukkateure, Schmiede und andere Handwerker mehr als zwei Jahre lang beschäftigt waren. Ihrer mit großer Meisterschaft und Sachkenntnis durchgeführten Arbeit ist es zu verdanken, daß die Vatikanische Basilika, so schön schon in ihrem Inneren, sich nun in der ganzen majestätisch-feierlichen Schönheit ihrer Fassade darbietet, mit der Maderno sie auszustatten wußte.

Meinen herzlichen Gruß richte ich an alle Anwesenden – und besonders auch an den Kardinal Erzpriester, der das gemeinsame Empfinden vortrefflich zum Ausdruck gebracht hat. Denen, die ihre ganze Tatkraft dafür eingesetzt haben, diesem architektonischen Meisterwerk seine ursprüngliche Pracht zurückzugeben, möchte ich meine tiefempfundene Dankbarkeit aussprechen. Der Dank gilt in besonderer Weise der E.N.I., Ente Nazionale Idrocarburi [Staatsunternehmen für Brennstoffe], die mit edelmütiger Großzügigkeit das Werk der Restaurierung ermöglicht und die modernsten technischen Verfahren dabei angewandt hat.

2. Während wir bewundernd vor dem eindrucksvollen Ergebnis dieser Arbeiten stehen, steigt im Herzen spontan der Wunsch auf, den Herrn zu loben, der dem Menschen die Fähigkeit gegeben hat, die Materie zu beherrschen und zu veredeln, indem er das Siegel des Geistes in sie einprägte.

Wieviel Mühe hat das Werk gekostet, das wir hier bewundern! Die mit ungezählten Hammerund Meißelschlägen bearbeiteten und dann mit äußerster Sorgfalt und Geduld geglätteten Marmorstücke sind schön zusammengefügt worden, um den Giebel der Fassade zu zieren. In einer Abwandlung der Vision vom Tempel Gottes kann man die verschiedenen Elemente als Symbol und Bild der vielfältigen Gaben und Charismen deuten, mit denen der göttliche Künstler die Kirche, seine mystische Braut, hat schmücken wollen.

3. Der bewundernde Blick, den wir heute abend zu den architektonischen Strukturen der Fassade erheben, nimmt den der zahllosen Pilger voraus, die während des nun schon nahen Heili - gen Jahres aus allen Teilen der Welt hierherkommen werden. Vor der Herrlichkeit und der ausgewogenen, maßvollen Festigkeit in der Struktur dieser beeindruckenden Basilika werden sie etwas von der Begeisterung der Pilger früherer Zeiten nachempfinden können angesichts dieses Gotteshauses, das der Glaube der Vorfahren »zu Ehren des Apostelfürsten« errichtete, wie die Widmungsinschrift besagt, die Papst Paul V. im Jahre 1614 anbringen ließ.

Für Petrus und für sein glorreiches Grab wurde diese Kirche erbaut und mit der Kuppel Michelangelos gekrönt. Papst Clemens VIII. weihte sie, dem Gedanken seines Vorgängers Sixtus V. Ausdruck gebend, »sancti Petri gloriae«, zur Ehre des hl. Petrus. Das bestätigen die zahlreichen Darstellungen des Apostels, die in jedem Teil des Gebäudes in Erscheinung treten. Auch an dieser Fassade fehlt sie nicht. Im Hochrelief des Mailänders Ambrogio Bonvicino sehen wir das Bild des Petrus, der von Christus die Schlüssel empfängt.

4. So setzt gewissermaßen der Apostel Petrus seine Sendung als »Stellvertreter der Liebe Christi « fort und bekennt demütig, aber fest seinen Glauben. »Und jede Zunge, die den Herrn bekennt, macht sich – wie Leo d.Gr. sagt – die in diesem Ausspruch enthaltene Lehre zu eigen« (Sermones 3,3; Bibliothek der Kirchenväter, Bd. 54, München 1927, S. 9).

So versteht man leicht, wie unsere Freude angesichts dieses restaurierten Meisterwerks nicht nur ein ästhetischer Genuß sein sollte, sondern sich für das innerlich Faszinierende der dargestellten geistigen Wirklichkeit öffnen müßte. Petrus erinnert uns und alle, die heute abend geistig um sein Grab versammelt sind, daran, wie er eines Tages im Jahr 63 oder 64 von Rom aus an die Christen von Kleinasien schrieb, denen er das Evangelium verkündet hatte: »Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um […] geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen« (1 Petr 2,5).

Liebe Brüder und Schwestern, laßt uns diese Einladung annehmen, lebendige Steine zu sein, regsame Glieder des geistigen Gebäudes, das heißt: der Kirche. Das nahe bevorstehende Jubiläum möge uns bereit finden, unseren Glauben mit noch hochherzigerer Hingabe zu verkünden und zu bezeugen. Die Restaurierungsarbeiten erinnern uns daran, daß jeder Gläubige, jeder von uns, zu beständiger Bekehrung und zu einer mutigen Überprüfung des Lebens aufgerufen ist, um Christus in einer tiefen Weise begegnen zu können und in den vollen Genuß der Früchte des Heiligen Jahres zu kommen.

So sei es für alle. Mit diesem Wunsch rufe ich die Fürbitte Marias und der hll. Apostel Petrus und Paulus auf alle Anwesenden herab und auf alle, die auf verschiedene Weise zu diesem außerordentlichen Werk der Restaurierung beigetragen haben. Allen erteile ich gern den Apostolischen Segen.

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