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JUBILÄUM DER ARBEITER

BEGEGNUNG VON JOHANNES PAUL II.
MIT VERTRETERN AUS DER WELT DER ARBEIT
 
Tor Vergata, 1. Mai 2000

 

1. Am Schluß dieser Jubiläumsbegegnung will ich noch einmal meinen herzlichen Gruß an euch alle richten. Dank gesagt sei den Organisatoren dieser wichtigen Veranstaltung an diesem Ort, der im Lauf des Jubiläums Schauplatz weiterer Begegnungen sein wird, vor allem beim Weltjugendtag.

Besonderer Dank gilt Herrn Juan Somavía, dem Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, und Frau Dr. Paola Bignardi, der nationalen Präsidentin der Katholischen Aktion Italiens, für die freundlichen und tiefen Worte, die sie im Namen aller an mich gerichtet haben. Ich grüße alle anwesenden Vertreter der Behörden, unter ihnen den italienischen Ministerpräsidenten, Prof. Giuliano Amato. 

Durch euch, die ihr hier anwesend seid, möchte ich der Welt der Arbeit in ihrer Gesamtheit mein aufrichtiges Gedenken übermitteln. 

2. Das Fest der Arbeit erinnert an die Tatkraft der Menschen, die nach dem Gebot des Herrn des Lebens Baumeister einer Zukunft der Hoffnung, Gerechtigkeit und Solidarität für die ganze Menschheit sein wollen. Auf diesem Weg der Zivilisation eröffnen sich heute dank der neuen Techniken und der Telematik ungeahnte Möglichkeiten des Fortschritts. Doch fehlt es nicht an neuen Problemen, die zu den schon bisher bestehenden hinzukommen und zu berechtigter Sorge Anlaß bieten. In der Tat dauern Phänomene wie Arbeitslosigkeit, Ausbeutung von Minderjährigen, unzureichende Entlöhnung weiter an und verschlimmern sich bisweilen in einigen Gebieten der Erde. Man muß zugeben, daß die Organisation der Arbeit nicht immer der Würde der menschlichen Person Rechnung trägt, noch der universalen Bestimmung der Vorräte die nötige Beachtung geschenkt wird. 

Die Verpflichtung, diese Probleme in jeder Region der Welt zu lösen, ruft alle auf den Plan. Sie geht euch an, Unternehmer und Führungskräfte; euch, Männer der Finanzwelt, und euch, Handwerker, Kaufleute und abhängige Arbeitnehmer. Alle müssen wir uns dafür einsetzen, daß das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, die grundlegende Ordnung des Vorranges der Arbeit vor dem Kapital und des Gemeinwohls vor den Privatinteressen nicht zerrüttet. Mehr denn je ist es notwendig, daß – wie Herr Juan Somavía soeben gesagt hat – sich in der Welt eine globale Koalition für »würdige Arbeit« bildet. 

Die Globalisierung ist heute ein mittlerweile in jedem Lebensbereich der Menschen anzutreffendes Phänomen; allerdings ein mit Weisheit zu behandelndes Phänomen. Es ist nötig, daß wir die Solidarität globalisieren

3. Das Jubiläum bietet eine günstige Gelegenheit, die Augen zu öffnen für die Armut und Ausgrenzung nicht nur von einzelnen Personen, sondern auch von Gruppen und Völkern. In der Verkündigungsbulle des Jubiläums habe ich geschrieben: »Nicht wenige Nationen, besonders die ärmsten, werden von einer Schuldenlast förmlich erdrückt, die solche Ausmaße angenommen hat, daß eine Rückzahlung praktisch unmöglich ist« (Incarnationis mysterium, 12). Diese Schuldenlast zu vermindern oder gar zu erlassen: Das wäre eine äußerst wünschenswerte Jubiläumsgeste! 

Dieser Aufruf ist für die reichen und entwickelten Nationen bestimmt; er gilt auch denen, die über große Kapitalmengen verfügen, und denen, die die Leistungsfähigkeit besitzen, Solidarität unter den Völkern anzuregen. 

Er soll aufgenommen werden in dieser historischen Begegnung, die gläubige Arbeiter und konfessionell nicht gebundene Arbeiterorganisationen in einem gemeinsamen Anliegen vereint.

Liebe Arbeiter, Unternehmer, Betriebsmitglieder, Finanzmanager, Kaufleute, vereint eure Hände, euren Verstand, eure Herzen, um zu einer Gesellschaft beizutragen, die den Menschen und seine Arbeit achtet. Der Mensch hat einen höheren Wert durch das, was er ist, als durch das, was er hat. Was im Dienst an einer größeren Gerechtigkeit, einer umfassenderen Brüderlichkeit, einer menschlicheren Ordnung in den gesellschaftlichen Beziehungen vollbracht wird, zählt mehr als jeder Fortschritt auf technischem Gebiet. 

Liebe Brüder und Schwestern, der Papst hat eure Probleme, eure Sorgen, eure Erwartungen und Hoffnungen sehr wohl im Sinn. Er anerkennt eure Mühe, eure Bindung an die Familie, euer berufsständisches Bewußtsein. Er ist euch nahe in eurem Engagement für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft. Er ermutigt euch und segnet euch von Herzen. 

Zum Schluß möchte ich den Organisatoren der schönen Feier von heute danken. Ich danke der römischen Universität »Tor Vergata«, der Gemeinde Rom, dem Vikariat von Rom und der italienischen Regierung für die Bereitstellung dieser großen Fläche, die ich schon jetzt für den kommenden August gefüllt sehe mit Jugendlichen aus aller Welt. Ich danke vor allem euch, die ihr hier versammelt seid. Ich danke dem Ministerpräsidenten, dem Bürgermeister und allen Vertretern der staatlichen Behörden. Ich habe erfahren, daß viele von euch lange Wege zu Fuß zurücklegen mußten, um diesen Platz zu erreichen. Das tut mir leid, aber wir hoffen alle, daß in Zukunft diese Schwierigkeiten zum Nutzen aller, vor allem der Pilger, überwunden werden können. Ich bin mir sicher, daß Rom sich auch in Zukunft allen ihren Besuchern gegenüber aufgeschlossen und aufnahmebereit zeigen wird – besonders gegenüber den Pilgern des Großen Jubiläumsjahrs 2000.


Grußworte

... auf deutsch:

Ein herzliches Willkommen rufe ich den Pilgern deutscher Sprache zu. Jeden Tag überschreitet ihr
verschiedene Türen zu eurem Arbeitsplatz: in den Fabriken und Büros, in den Betrieben und
Geschäften. Die Heilige Pforte, die in diesem Jahr weit offen steht, ist eine besondere Tür: Sie steht
für Christus, der die Tür zum Leben ist. Ich wünsche euch Leben in Fülle, das uns Christus gebracht hat.

... zum Abschluss:

Euch allen wünsche ich ein frohes Fest, einen frohen Ersten Mai wünsche ich allen arbeitenden Menschen der Welt.

 

 

© Copyright 2000 - Libreria Editrice Vaticana

 

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