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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
Meinem verehrten Bruder im Bischofsamt 1."Ich freute mich, als man mir sagte, zum Haus des Herrn wollen wir pilgern" (Ps 122,1).
Seit 1200 Jahren findet der freudige Ruf
des Psalmisten in Aachen lebendigen Widerhall, als Karl der Große seine
Palastkapelle vollendete und Maria, der Hilfe der Christen, weihte. Im Laufe der
Geschichte sind unzählige große und kleine Pilger in den Mariendom gepilgert,
um beim Gnadenbild innezuhalten und den mütterlichen Schutz Mariens für Kirche
und Welt zu erbitten. 2.Zwar ist es mir nicht möglich, persönlich bei der 1200-Jahr-Feier der Aachener Kathedrale dabei zu sein, doch habe ich in Seiner Eminenz, dem Hochwürdigsten Herrn Kardinal Darío Hoyos Castrillón, einen Sondergesandten zu Euch geschickt, der als mein persönlicher Vertreter bei diesem festlichen Anlaß meinen Platz einnehmen soll. Auf diese Weise kommt die katholische Gemeinschaft zum Ausdruck, die in der Kirche von Rom ihren Mittelpunkt findet und wie ein Netz den ganzen Erdball umspannt. Der Notwendigkeit dieser engen Bande zum Nachfolger Petri war sich schon der Erbauer des Gotteshauses, Karl der Große, bewußt. Mit seiner Krönung zum Kaiser am Weihnachtsfest des Jahres 800 durch Papst Leo III. hat er dafür einen zeichenhaften Höhepunkt gesetzt, nachdem er bereits wenige Jahre zuvor im Schatten von Sankt Peter die "Schola Francorum" ins Leben gerufen hatte. Sie sollte eine Herberge sein für die Pilger, die über die Alpen in die Ewige Stadt gekommen waren, um die Gräber der Apostelfürsten aufzusuchen.
3.Über das Band nach Rom knüpft die Kathedrale von Aachen noch eine
weitere Verbindung. Sie birgt Kostbarkeiten, die unsere Herzen und Sinne nicht
nur in die Ewige Stadt, sondern vor allem in die Heilige Stadt wandern lassen.
Jerusalem hatte einst Karl dem Großen vier Tuchreliquien geschenkt, die auf
feinfühlige Weise und mit tiefer Ehrfurcht auf bedeutende Ereignisse der
Heilsgeschichte zeigen und gleichsam als Pilgerkleid des Volkes Gottes auf dem
Weg durch die Zeit auszulegen sind.
Wer auf die Windeln Jesu schaut, der wird
daran erinnert, daß Glaubensgemeinschaft zugleich Lebensgemeinschaft mit Jesus
ist. Denn Christus hat so angefangen, wie jeder Christ seinen Lebensweg beginnt:
als kleines Kind. Wie Jesus heranwuchs und bei Gott und den Menschen Gefallen
fand (vgl. Lk 2,52), so ist es auch uns aufgetragen, für das Wachstum
und die Reife unseres Glaubens Sorge zu tragen. Denn Jesus in der Krippe war
nicht nur eines Menschen Kind, sondern Gottes Sohn. So sind seine Windeln eine
Einladung, mit unserem Leben Ihm die Ehre zu geben und andere auf diesen Weg der
Anbetung mitzunehmen: Venite adoremus! Kommt, laßt uns anbeten den König den
Herrn!
Der Thron des Königs ist das Kreuz. Darauf
deutet das wertvollste der Heiligtümer in der Ordnung der Heilsgeschichte hin,
das im Dom zu Aachen verehrt wird: Jesu Lendentuch. Nichts außer dieses Tuch
hat man dem König am Kreuz gelassen, damit er alles werden konnte für Gott und
die Welt. Wie er sich ganz dem Vater hingehalten und zugleich sein Werk Maria
und Johannes anvertraut hat, so ist es auch der Kirche auf ihrer Pilgerschaft
durch die Zeit aufgetragen, ihren Weg ohne Vorbehalte auf Gott hin auszurichten
und vor ihn "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von
heute" zu tragen (Gaudium
et spes, Nr. 1).
Damit ist das Zeugnis verbunden, das die
Rechtgläubigkeit der Lehre durch die Glaubwürdigkeit des Lebens einlöst. Das
Enthauptungstuch Johannes' des Täufers soll daran erinnern. Den Glauben
bekennen kostet den Christen in der modernen Gesellschaft nicht den Kopf. Doch
das Zeugnis kostet manche schlaflose Nacht und unzählige Schweißtropfen in
Anbetracht eines sozialen Umfeldes, in dem Christus vielerorts ein Fremder
geworden ist. Gerade in einer Zeit, da Gott nicht selten totgeschwiegen wird,
braucht es Kraft und Mut, um der unveräußerlichen Würde aller Menschen willen
für Gott einzustehen, der seinen Sohn gesandt hat, "damit sie das Leben
haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10).
Das Stichwort vom Leben lenkt die Gedanken
schließlich auf Maria, die erwählt
war, um Christus, das Leben der Welt, auszutragen. Die vierte Tuchreliquie im
Aachener Dom erinnert an jenes Kleid, das die Gottesmutter in der Heiligen Nacht
umhüllte. Wie Maria ihren Sohn verborgen in ihrem Leib getragen hat, so trägt
ihr Abbild, die Kirche, Christus gleichsam im Pilgerkleid durch die
Jahrhunderte. Woraus und wofür Maria lebte, das soll auch der Antrieb sein, der
den Weg der Kirche durch die Geschichte weist: das "Geheimnis des
Glaubens" an Jesus Christus, den "Erlöser des Menschen" gestern,
heute und in Ewigkeit. Es ist eine hohe Ehre und eine vornehme Pflicht der
Kirche, mit einem Geheimnis leben zu dürfen, das Gott selbst ihr anvertraut
hat. Als göttliche Geheimnisträgerin ist sie gesandt, das Mysterium des Heils
zu enthüllen "bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1,8).
4.Dieser Missionsauftrag der Kirche ist ihre Sendung zu jeder Zeit,
besonders aber im Heiligen Jahr 2000, das wir als Großes Jubiläum der
Menschwerdung Gottes feiern. Wir danken dem Geber alles Guten dafür, daß wir
nicht nur zweitausend Jahre nach Christus innehalten, sondern zweitausend
Jahre mit Christus gehen durften. Auch im neuen Jahrtausend hat das
Christentum eine große Zukunft. Daran hat schon der verehrte, leider viel zu früh
verstorbene Bischof Klaus Hemmerle erinnert, als er wenige Monate vor seinem Tod
in einer Art "Zeitansage" Bilanz zog: "Wir sind nicht Nachlaßverwalter
einer noch so kostbaren und heiligen Vergangenheit, sondern Wegbereiter für
eine Zukunft, die nicht wir machen können, aber die kommen wird, weil Er
kommt" (Homilie am 7. 11. 1993 an seinem 18. Weihetag zum Bischof).
Möge das 1200-jährige Jubiläum der Hohen
Domkirche zu Aachen alle Christen daran erinnern, daß sie sich als lebendige
Steine einfügen in Gottes Bau (vgl. 1 Petr 2,5). Die
Heiligtumswallfahrt, die mit dem Jubeljahr zusammenfällt, sei für die Kirche
von Aachen und darüber hinaus ein Anstoß, sich noch tiefer als pilgerndes
Gottesvolk zu verstehen und frohen Herzens einen neuen Aufbruch zu wagen. Auf
dem Weg dem Herrn entgegen sei Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche,
eine treue Begleiterin. Im Geist verbunden, bin ich allen nahe,
die sich um den Bischof scharen, um das Jubiläum des Aachener Mariendomes zu
feiern, und erteile von Herzen den Apostolischen Segen. Aus dem Vatikan, am 25. Januar 2000
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