Liebe Freunde,
es ist mir eine große Freude, Sie während dieser Tage Ihres
Treffens hier in Rom begrüßen zu können. Sie befinden sich nun in der dritten
Phase des »Internationalen Dialogs« zwischen dem »Reformierten Weltbund« und der
katholischen Kirche, jenes Dialogs also, der kurz nach dem II. Vatikanischen
Konzil begann und bereits zu bedeutenden Ergebnissen geführt hat.
Im Umfeld der ökumenischen Bewegung ist der theologische Dialog
für uns der geeignete Rahmen, um zusammen jene Fragen anzugehen, deretwegen es
zur Spaltung der Christenheit gekommen ist, und um gemeinsam die Einheit
aufzubauen, zu der Christus seine Jünger aufruft (vgl. Joh 17,21). In
diesem Dialog klären wir unsere jeweiligen Positionen und untersuchen die Gründe
für die gegenseitigen Unterschiede. Somit wird unser Dialog zu einer
Gewissenserforschung und einem Aufruf zur Bekehrung, durch den beide Seiten ihre
Verantwortung vor Gott überdenken und dann alles ihnen Mögliche tun, um die
Konflikte der Vergangenheit zu überwinden. An diesem Punkt angelangt, erfüllt
uns der Geist mit dem Verlangen, gemeinsam zu bekennen, daß es »ein Leib und ein
Geist« ist, »ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der
über allem und durch alle und in allem ist« (Eph 4,46). Wir empfinden
dies als unsere Pflicht, als etwas, das getan werden muß, »damit die Welt
glaubt« (Joh 17,21). Aus diesem Grund ist das Engagement der katholischen
Kirche für den ökumenischen Dialog unwiderruflich.
In dieser dritten Phase steht euer Dialog unter dem Thema
»Kirche und Reich Gottes«. In der jüngeren Geschichte haben wir großes Leid
erlebt, verursacht von Ideologien, die Gott und sein Reich ins Abseits drängen
wollten.
Wie wichtig ist es daher für alle Christen, die nun schon so
lange voneinander getrennt sind, sich zu Beginn des neuen Jahrtausends zutiefst
von der Mahnung des Herrn herausgefordert zu fühlen: »Die Zeit ist erfüllt, das
Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!« (Mk
1,15). Möge euer Dialog den Geist brüderlicher Liebe und Achtung verkörpern, der
nötig ist, um diesen Worten unseres Erlösers Folge zu leisten.
»Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem
Herrn Jesus Christus« (1 Kor 1,3).