Liebe Freunde der »Comunità Incontro«!
1. Seid willkommen! Gerne empfange ich euch zu dieser
Sonderaudienz und grüße euch herzlich.
Meine Gedanken gelten vor allem dem Gründer eurer Gemeinschaft,
dem lieben Don Pierino Gelmini, dem ich von Herzen zu seinem 50.
Priesterjubiläum gratuliere, das er vor kurzem feierte. Ich möchte ihm für die
freundlichen Worte danken, die er in euer aller Namen an mich gerichtet hat.
Zusammen mit ihm grüße ich die hier anwesenden Bischöfe, Priester, Mitarbeiter
und all die Freiwilligen, die ihren großherzigen Dienst in der Gemeinschaft
verrichten. Außerdem begrüße ich die vielen aus verschiedenen Ländern kommenden
Autoritäten jeden Ranges, die uns heute mit ihrer Anwesenheit beehren wollten.
Jedem einzelnen gilt meine Ehrerbietung. Mit denselben Empfindungen wende ich
mich an die Eltern, Freunde, Verwandten und an die Hilfs- und
Unterstützungsgruppen, die heute anläßlich dieses bedeutsamen Treffens im
Jubiläumsjahr nicht fehlen wollten.
Mit ganz besonderer Zuneigung grüße ich jedoch euch, liebe junge
Männer und Frauen, die ihr in den Zentren der »Comunità Incontro« wohnt. Ihr
habt euch auf den Weg eines geistlichen und körperlichen Neuanfangs begeben,
nachdem ihr die traurige Erfahrung der Drogen gemacht hattet. Mit Christus eine
Zukunft der Zuversicht aufbauen
2. Ihr seid aus vielen Städten und Ländern hierhergepilgert, um
die Heilige Pforte zu durchschreiten. Ihr seid gekommen, um Christus zu begegnen
und euren Willen zu bekräftigen, mit ihm zusammen in eine frohe
und verantwortungsvolle Zukunft zu gehen. Viele von euch haben den Stock
mitgebracht, den sie während der Fastenzeit mit Gravuren versehen haben.
Er ist ein Zeichen für die geistliche Unterstützung, die nötig ist, damit die
Mühsal des Weges gemildert wird. Für euch ist er ein Zeichen der inneren
Pilgerschaft, die ihr unternommen habt und die euch zu einem Leben führen soll,
das immer reicher an Glauben, Hoffnung und Liebe wird.
Der Papst hat euch lieb und begleitet euch mit seinem steten
Gebetsgedenken. Ich nutze die Gelegenheit, um euch, die ihr hier versammelt
seid, und all jenen, die in der Welt gegen Drogen und für das Leben kämpfen,
erneut zu sagen: Die Kirche ist mit euch, sie begleitet euch auf eurem Weg!
3. Liebe junge Männer und Frauen, eure geistliche Familie heißt
»Comunità Incontro«, weil sie vor 37 Jahren aufgrund einer bedeutsamen Begegnung
auf der Piazza Navona entstanden ist. Sie möchte denen, die in die Sackgasse der
Drogen geraten sind, die Möglichkeit bieten, den Weg der Hoffnung
wiederzufinden. Die Zentren, die euch aufgenommen haben, sind eine wertvolle
Hilfe in euren Bemühungen um eine persönliche Erneuerung. Es sind Orte der
Geschwisterlichkeit, die jedem eine letzte Möglichkeit anbieten, das kostbare
Gut »Leben« nicht sinnlos zu verschwenden.
Wer von euch die traurige Erfahrung der Drogen gemacht hat, weiß
nur allzu gut, daß sie Einsamkeit und Verlassenheit, ja oft Verzweiflung
hervorbringen. Angesichts eines solchen Dramas, das den Menschen und seine
körperliche Existenz in Mitleidenschaft zieht und ein besorgniserregendes
Phänomen unserer Zeit darstellt, hat die Kirche mehrfach betont, daß der
Konsum von Drogen niemals eine Lösung sein kann. Die Kirche möchte
angesichts der Stimmen, die eine Legalisierung der Drogen bzw. deren teilweise
Legalisierung wünschen – weil angeblich hierdurch die Schäden für Menschen und
Gesellschaft geringer würden – ihre entschiedene Ablehnung betonen.
4. Drogen bekämpft man nicht mit Drogen. Wer
bedauerlicherweise in die Fänge berauschender Mittel geraten ist, kann Zeugnis
davon geben, daß diese Erfahrung eine Flucht vor sich selbst und vor der
Wirklichkeit ist. Drogen sind oft die Folge von innerer Leere: einer
Ablehnung, die einen Verzicht oder den Verlust von Orientierung darstellt und
häufig in die Verzweiflung führt. Daher ist klar, daß man Drogen nicht mit
Drogen bekämpfen kann. Es sind weitreichende Vorbeugungsmaßnahmen
nötig, die die Kultur des Todes durch die Kultur des Lebens ersetzen. Daher
müssen den jungen Menschen und den Familien konkrete Möglichkeiten gegeben
werden, sich zu engagieren; zudem müssen sie in ihren täglichen Schwierigkeiten
wirksam unterstützt werden.
Liebe Freunde, die wirkliche Alternative zu solchen Mitteln, die
den Menschen berauschen, habt ihr in eurer Gemeinschaft gefunden, die weniger
technische Lösungen anbietet als vielmehr einen Weg der menschlichen und
geistlichen Erneuerung. In der Welt gibt es glücklicherweise viele
Strukturen wie die eure, wo nicht wenige eurer Freunde die Gelegenheit haben,
aus dem Abgrund der Drogen herauszukommen. All denen, die in diesem Bereich
arbeiten, möchte ich sagen, daß ich an sie denke und ihnen Mut machen möchte.
Für die Familien, die sich in schwierigen Situationen befinden,
sind diese Strukturen eine wertvolle Hilfe, die sie unterstützt. Die
Kirche ist all jenen dankbar, die eine solche fachkundige und uneigennützige
Arbeit im Dienst am Leben und der Würde des Menschen leisten.
5. Meine Lieben, ich danke euch für die beiden Geschenke, die
Don Pierino mir in eurem Namen überreicht hat: zum einen das Geschenk der
Eröffnung der neuen Zentren in New York und in Kasachstan, zum anderen diese
schöne Statue des auferstandenen Christus. Jesus ist auferstanden und zeigt euch
allen, daß es möglich ist, mit seiner Hilfe mit neuem Mut in die Zukunft zu
blicken. Er führt euch in die liebevollen Arme des himmlischen Vaters. Sein
Erbarmen mache euch Mut, auf dem Weg weiterzugehen, den ihr begonnen habt, damit
ihr – die ihr zum Leben wiedergeboren seid – als Hauptakteure euren Beitrag zum
Aufbau einer freien Gesellschaft, ohne jede Art von Drogen, geben könnt. Tragt
in eure Gemeinschaften die Freude, die ich heute auf euren Gesichtern sehe. Seid
immer Zeugen jenes Mutes, der euch nach jedem Fall wiederaufstehen und
unverzüglich auf eurem Weg weitergehen läßt, auch wenn dies Opfer und Verzicht
bedeutet. Christus, der Arzt der Seele, ist euer Freund. Er ist der einzige
Erlöser.
Maria, die ihr unter dem bedeutungsreichen Titel »Madonna del
Sorriso« [Muttergottes des Lächelns] verehrt, stärke euch mit ihrer mütterlichen
Fürsprache. Sie nehme diejenigen auf, die in diesen Jahren an Drogen oder an
deren Folgen gestorben sind, und sie sei den Familien nahe, die von diesem Drama
heimgesucht sind. Sie begleite euch alle mit ihrem machtvollen Schutz.
In diesem Sinn versichere ich euch meines Gebetes und erteile
einem jedem von euch und allen Menschen, die euch lieb sind, meinen besonderen
Segen.