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HEILIGJAHRFEIER DER
SPORTLER
ANSPRACHE VON JOHANNES
PAUL II. AN DIE TEILNEHMER DES "INTERNATIONALEN SPORTTREFFENS" ZUM THEMA
"GESICHT UND SEELE DES SPORTS IM HEILIGEN JAHR"
Samstag, 28. Oktober 2000
Sehr geehrte Damen und Herren!
1. Es ist mir eine Freude, an eurem internationalen Treffen
teilzunehmen, das unter dem bedeutungsreichen Thema »Gesicht und Seele des
Sports im Heiligen Jahr« steht. In Erwartung des für morgen im
Olympiastadion vorgesehenen Treffens mit der gesamten Welt des Sports anläßlich
ihrer Heiligjahrfeier, nehme ich heute gerne die Gelegenheit wahr, euch, die
verschiedenen Vertreter aus dem Bereich des Sports, zu begrüßen.
Herzlichst grüße ich auch die Förderer dieses Treffens,
insbesondere den Präsidenten des Zentralkomitees für das Jubiläumsjahr, Kardinal
Roger Etchegaray, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees,
Herrn Juan Antonio Samaranch, und den Präsidenten des Italienischen Olympischen
Komitees, Herrn Giovanni Petrucci. Mein Gruß gilt auch den verschiedenen
Referenten und Vertretern aus der vielfältigen Welt des Sports. Insbesondere
danke ich Msgr. Crescenzio Sepe, der im Namen aller die Bedeutung dieses
Treffens erläutert hat.
Das Thema eurer Reflexion lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesen
und die Ziele des Sports in unserer von zahlreichen und gewichtigen
gesellschaftlichen Veränderungen gekennzeichneten Zeit. Der Sport ist
zweifelsohne eines jener bedeutenden Phänomene, die in der Lage sind,
grundlegende Werte in einer für alle verständlichen Sprache zu vermitteln. Er
kann erhabene menschliche und spirituelle Ideale weitergeben, wenn er unter
voller Respektierung seiner Regeln ausgeübt wird. Der Sport kann aber auch
seinen wahren Zweck verfehlen, wenn er Interessen zuläßt, die die zentrale
Stellung der menschlichen Person mißachten.
2. Im Thema eures Treffens ist vom »Gesicht« und der »Seele« des
Sports die Rede. In der Tat stellt der Sport nicht nur die reichen physischen
Möglichkeiten des Menschen heraus, sondern auch seine intellektuellen und
spirituellen Fähigkeiten. Es geht beim Sport nicht nur um rein körperliche Kraft
und die Leistungsfähigkeit der Muskeln, sondern es muß auch seine Seele und sein
ganzes Wesen zum Ausdruck kommen. Der wahre Athlet darf sich daher nicht von
einem zwanghaften Streben nach körperlicher Perfektion hinreißen lassen.
Ebensowenig darf er sich den harten Gesetzen der Produktion und des Konsums oder
rein utilitaristischen und hedonistischen Erwägungen unterwerfen.
Die Möglichkeiten, die dem Phänomen Sport innewohnen, machen ihn
zu einem bedeutsamen Element der ganzheitlichen Entwicklung der Person und zu
einem überaus nützlichen Faktor für den Aufbau einer Gesellschaft, die den
Bedürfnissen des Menschen entspricht. Der Sinn für Brüderlichkeit,
Großherzigkeit, Aufrichtigkeit und die Achtung des Körpers – Tugenden, die
zweifellos für jeden guten Sportler unerläßlich sind – tragen zum Aufbau einer
Gesellschaft bei, in der Antagonismus durch Kampfgeist ersetzt wird, die nicht
nach Konfrontation, sondern nach Begegnung sucht und erbitterte
Gegensätzlichkeit durch fairen Wettstreit ersetzt. So gesehen ist Sport kein
Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Er kann Zivilisation und wahre Unterhaltung
vermitteln, wenn er den Menschen dazu bringt, sein Bestes zu geben und all das
zu meiden, was für ihn selbst oder andere gefährlich oder ausgesprochen
schädlich sein kann.
3. Leider gibt es nicht wenige, stets offenkundiger werdende
Anzeichen eines Unbehagens, das zuweilen die grundlegenden ethischen Werte des
Sports selbst in Frage stellt. Neben jener Art des Sports, der die Person
fördert, gibt es eine andere Form, die ihr schadet; neben jenem Sport, der den
menschlichen Körper aufwertet, gibt es einen anderen, der ihn erniedrigt und
verrät; neben dem Sport, der hehre Ideale verfolgt, gibt es einen anderen, der
lediglich nach Profit strebt; neben dem Sport, der vereint, gibt es einen
anderen, der entzweit.
Liebe Verantwortliche, Leiter, Sportfreunde und Sportler, diese
Heiligjahrfeier des Sports möge allen die Gelegenheit schenken, neue kreative
und anregende Impulse zu finden durch eine Art von sportlicher Betätigung, die
in konstruktivem Geist jene komplexen Erfordernisse, die sich aus den
gegenwärtigen kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen ergeben, mit den
unabänderlichen Anforderungen des Menschen zu vereinbaren weiß.
4. Erlaubt mir noch eine weitere Überlegung. Der Sport, der die
Kraft und Widerstandsfähigkeit des Körpers fördert und den Charakter festigt,
darf nie all jene, die ihn aktiv betreiben, sowie jene, die ihn zu schätzen
wissen, von ihren spirituellen Pflichten ablenken. Wie der hl. Paulus schreibt,
würden wir so allein für einen »vergänglichen Siegeskranz« laufen, ohne zu
bedenken, daß die Christen nie den »unvergänglichen« aus den Augen verlieren
dürfen (vgl. 1 Kor 9,25). Die spirituelle Dimension muß gepflegt und mit
den verschiedenen, der Unterhaltung dienenden Aktivitäten – wozu auch der Sport
gehört – in Einklang gebracht werden.
Der Lebensrhythmus der modernen Gesellschaft und einiger
Sportveranstaltungen könnten den Christen gelegentlich die Pflicht der Teilnahme
am sonntäglichen Gottesdienst vergessen lassen. Die Anforderungen dieses
berechtigten und wohlverdienten Vergnügens dürfen jedoch die Pflicht des
Gläubigen, den Sonntag zu heiligen, nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil, am Tag
des Herrn sollte die sportliche Betätigung in einer Atmosphäre heiterer
Entspannung stattfinden, die das Zusammensein und das Wachsen in der
Gemeinschaft, insbesondere im familiären Kreis, fördert.
Mit meinen besten Wünschen begleite ich euer Treffen und erbitte
für euch den Schutz Mariens. Euch alle schließe ich in meine Gebete ein und
erteile einem jeden von Herzen meinen Segen.
© Copyright 2000 - Libreria Editrice Vaticana
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