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KREUZWEG KOLOSSEUM Karfreitag, 13.
April 2001 ERÖFFNUNGSGEBET
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.
Heute ist der erste Karfreitag des dritten Jahrtausends.
Die Nacht hat sich ausgebreitet.
Hoch am Himmel scheint der Mond.
Die Gläubigen von Rom und unzählige Pilger
haben sich versammelt,
um mit Jesus den Kreuzweg zu gehen: Das Kolosseum,
erhabenes Denkmal des Römischen Reiches,
ist nun die »Statio Urbis et Orbis«.
Wir gehen den Kreuzweg,
den Weg der Solidarität.
Jesus, der Sohn Gottes, geboren von einer Frau,
ist solidarisch mit seinen Brüdern und Schwestern,
mit der Menschheit, die leidet und den Weg verloren hat:
Er geht den Weg des Verbannten und Deportierten,
des Menschen, der in seiner Enttäuschung umherirrt
ohne Sicherheit;
er nimmt den wankenden Schritt des Kindes auf,
des Kranken und Alten
und auch dessen, der an den Galgen gehen muß.
Doch wenn sich Jesus der Schädelhöhe nähert,
dann zieht er die Menschheit mit in den Glanz
der Herrlichkeit.
Wir gehen den Kreuzweg,
den Weg der Jüngerschaft.
Jesus, der einzige Lehrer, hat gesagt:
»Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach« (Mt 16,24).
Er folge mir immer. Er folge mir auf dem Weg des Leidens.
So stehen beim Kreuz die Mutter als erste Jüngerin
und der Jünger, den er liebte.
Beim Aufstieg zur Schädelhöhe ist sich Jesus bewußt,
daß er auf den obersten Lehrstuhl steigt,
um seine Lehre mit seiner Selbsthingabe zu bestätigen:
»Es gibt keine größere Liebe,
als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt«
(Joh 15,13).
Wir gehen den Kreuzweg,
den Weg des Priesters und Königs.
Vom Heiligen Geist geweiht, ist Jesus König und Priester.
Doch auf dem Leidensweg trägt er weder
königliche Insignien noch ein priesterliches Kleid.
Und trotzdem weiß er,
daß sein Reich anbricht in der einzigen Form,
die für ihn möglich ist:
Er herrscht mit der Kraft der Liebe.
Jetzt beginnt sein Priestertum:
Das sanfte und unschuldige Lamm
gibt sich selbst hin als Sühnopfer für die Sünde der Welt.
Wir gehen den Kreuzweg,
den Weg der Hoffnung.
Wenn der Tag zur Neige geht,
gibt es schon die Sicherheit,
daß die Sonne wieder aufgehen wird.
Am Abend des Lebens
ist Jesus sich der Liebe des Vaters sicher
und hofft, obwohl die Niederlage offensichtlich ist;
er ist sich sicher, daß aus dem dunklen Schoß der Erde
der »strahlende Morgenstern« (Offb 22,16) aufgehen wird.
Jesus weiß, daß er auf dem Weg zum Tod
schneller der Auferstehung entgegengeht.
Wir gehen den Kreuzweg,
den Weg der Fülle:
des Schmerzes und der Liebe ohne Grenzen,
der vollkommenen Erniedrigung
und der höchsten Verherrlichung;
Fülle des Geistes,
der aus der offenen Seitenwunde des Erlösers hervorgeht
als Fluß des Lebens und der Gnade,
Fülle des Erbarmens und Verzeihens,
der Versöhnung und des Friedens.
Stunde des lauten Schreiens (vgl. Mk 15,37)
und der Stille des Alls,
das den Tod seines Schöpfers beweint.
Stunde, da das Haupt sich neigt und Ruhe eintritt.
Und, im Herzen der Mutter,
Stunde des tiefen Mitleids und der ängstlichen Erwartung.
– Stille –
Allmächtiger Gott,
stärke mich mit deiner Kraft,
tröste mich mit deinem Frieden,
bescheine mich mit der Schönheit deines Angesichts,
erleuchte mich mit dem Licht,
das deinem unerschaffenen Glanz entspringt,
reinige mich mit dem Duft deiner
unaussprechlichen Heiligkeit,
bade mich in dir und gib mir zu trinken,
so weit ein sterblicher Mensch darum bitten kann,
von den Strömen der Gnade,
die vom Vater und vom Sohn ausgehen,
der Gnade deiner wesensgleichen Liebe,die ewig ist.
O mein Herr, du bist alles für mich,
du allein genügst mir. O mein Herr Jesus
dein Blut reicht aus für die ganze Welt.
Du genügst mir
und der ganzen Nachkommenschaft Adams.
O mein Herr Jesus
gib, daß dein Kreuz ausreicht für die ganze Menschheit.
Gib, daß es Wirkung zeigt.
Gib, daß es für mich mehr wirkt als alles,
um zu vermeiden, daß ich alles im Überfluß habe,
ohne vollkommene Frucht zu bringen. Amen.
----- (J.H.Newman,Meditations on Christian Doctrine
8,504,505.)
ERSTE STATION
Jesus wird zum Tod verurteilt
Der Heilige, Gerechte und Wahre wurde von Sündern gerichtet und zum Tode
verurteilt. Doch während sie ihn verurteilten, wurden sie gegen ihren Willen
genötigt, ihn freizusprechen. Judas, der
ihn verraten hat, sagt: »Ich habe gesündigt, denn ich habe einen unschuldigen
Menschen ausgeliefert.« Pilatus, der den Urteilsspruch gefällt hat, beteuert:
»Ich bin unschuldig am Blut dieses Gerechten« und schiebt die Schuld auf die
Juden. Der Hauptmann, der gesehen hat, wie er gekreuzigt wurde, ruft aus:
»Wahrhaftig, das war ein gerechter Mann.«
* * * So,
Herr, bist du immer gerecht, wenn du sprichst, und siegst, wenn
du verurteilt wirst. Ebenso und noch mehr werden sie am Jüngsten Tag »auf
den blicken,den sie durchbohrt haben «. Und er, verurteilt in Schwäche, wird
die Welt machtvoll richten, und selbst jene, die verdammt wurden, werden
bekennen, gerecht verurteilt worden zu sein.
ZWEITE
STATION
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern Jesus
trägt die ganze Welt mit seiner göttlichen Kraft, weil er Gott ist, doch jene
Last ist weniger schwer als das Kreuz, das unsere Sünden ihm bereitet haben.
Unsere Sünden haben ihm diese Demütigung abverlangt. Er mußte unsere Natur
auf sich nehmen, unter uns als Mensch erscheinen und ein großes Opfer für uns
bringen. Er mußte ein Leben in Buße führen und für uns das Leiden und
schließlich den Tod ertragen. * * * Herr,
allmächtiger Gott, der du die Last des Universums trägst, ohne zu
ermatten, und die Last unserer Sünden auf dich genommen hast, obgleich
diese dich so matt macht. Wie du unseren Leib durch deine
Vorsehung aufrecht erhältst, so rette unsere Seelen durch dein
kostbares Blut.
DRITTE
STATION Jesus fällt zum ersten Mal unter der Last des
Kreuzes Am Anfang fiel Satan aus dem Himmel; er fiel
auf Grund des gerechten Richterspruches des Schöpfers, gegen den er sich
aufgelehnt hatte. Als es ihm gelungen war, den Menschen in sein aufrührerisches
Treiben hineinzuziehen, und der Schöpfer kam, um die Nachkommenschaft Adams zu
retten, da brach für Satan die kurze Zeit seines Triumphes an, und er nützte
sie nach Kräften aus. Als der Heilige Mensch wurde und in seiner Gewalt war, da
beschloß er in seinem bösen Verlangen nach Rache: Wie er vom Arm des
Allmächtigen gestürzt worden war, so würde er nun ihm einen harten Schlag
versetzen. Deshalb fällt Jesus so schnell zu Boden. * * * O
guter Herr, durch diesen deinen ersten Zusammenbruch befreie
uns alle von der Schuld, die wir unter ihrer Gewalt so elend
zu Fall gekommen sind.
VIERTE
STATION
Jesus begegnet seiner Mutter Es gibt
keine Phase im irdischen Leben Jesu, an der Maria nicht teilhatte. Manche, die
sich als Diener Christi bekennen, meinen, ihre Aufgabe habe in dem Augenblick
ihr Ende gefunden, da sie Jesus zur Welt gebracht hatte. Später sei ihr nichts
anderes übriggeblieben, als sich zurückzuziehen und vergessen zu werden. So
denken wir nicht über die Mutter Christi. Sie hat den neugeborenen Jesus in den
Tempel gebracht; sie hat ihn in ihren Armen gehalten, als die Magier kamen, um
ihn anzubeten. Sie ist mit ihm nach Ägypten geflohen, sie hat den
Zwölfjährigen nach Jerusalem begleitet. Mit ihr hat er dreißig Jahre in
Nazaret gelebt, und mit ihm ist sie bei der Hochzeit von Kana zugegen gewesen.
Auch als Jesus sie verließ, um seine Verkündigungstätigkeit aufzunehmen, hat
Maria ihn nicht aus den Augen verloren. Und nun zeigt sie sich ihm, während er
sich erschöpft mit dem Kreuz auf den Schultern durch die Heilige Straße
schleppt. * * * Sanftmütige
Mutter, laß uns immer auch an dich denken, wenn wir an Jesus
denken, und wenn wir zu ihm beten, stehe uns bei durch deine
machtvolle Fürsprache.
FÜNFTE
STATION
Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen Jesus
hätte das Kreuz allein tragen können, wenn er es so gewollt hätte. Doch er
erlaubt dem Simon, ihm zu helfen, um uns daran zu erinnern, daß wir an seinen
Leiden teilnehmen und an seinem Werk mitwirken müssen. Sein Verdienst ist
unermeßlich, doch er läßt zu, daß wir, sein Volk, unser Verdienst dem seinen
hinzufügen. Die Heiligkeit der seligen Jungfrau, das Blut der Märtyrer, die
Gebete und Bußübungen der Heiligen, die guten Werke aller Gläubigen haben
Anteil an jenem Werk, das auch ohne diese menschlichen Beiträge dennoch
vollkommen wäre. Er rettet uns mit seinem Blut; aber er rettet uns auch durch
uns und mit uns. * * * Geliebter
Herr, lehre uns leiden mit dir; laß es für uns wohltuend
sein, aus Liebe zu dir zu leiden, und heilige durch deine
Verdienste all unser Leiden.
SECHSTE
STATION
Veronika trocknet Jesus das Antlitz Jesus
gewährte einer frommen Frau, auf einem Leinentuch den Abdruck der Umrisse
seines heiligen Antlitzes zu bewahren, damit sie für künftige Zeiten erhalten
blieben. Er hat dies getan, um uns alle daran zu erinnern, daß sein Bild für
immer in unsere Herzen eingeprägt bleiben muß. Wer immer wir sind, in welcher
Erdenregion oder Geschichtsepoche wir leben, Jesus muß immer in unserem Herzen
wohnen. Wir können in vielen Dingen verschiedener Meinung sein, aber darin
müssen wir alle übereinstimmen, wenn wir seine treuen Jünger sind: Wir
müssen das Schweißtuch der Veronika mit uns tragen; wir müssen immer über
den Tod und die Auferstehung Christi nachdenken und stets seine göttliche
Vollkommenheit in dem Maß nachahmen, das uns gegeben ist. * * * Herr,
laß unser Angesicht immer ein Anblick für dich sein, der dich
erfreut: nicht von der Sünde befleckt, sondern von deinem
kostbaren Blut gereinigt und weiß gewaschen.
SIEBTE
STATION
Jesus fällt zum zweiten Mal Satan
erlebte einen zweiten Sturz, als unser Herr auf die Erde kam. Schon seit langem
hatte er sich die Herrschaft über die ganze Welt angeeignet und betrachtete
sich als ihr König. Da wagte er es, den heiligen Erlöser auf seine Arme zu
nehmen und ihm alle Reiche zu zeigen und ihm in gotteslästerlicher Weise zu
versprechen, sie ihm, seinem Schöpfer, geben zu wollen, wenn er ihn anbete.
Jesus antwortete: „Weg mit dir, Satan!«, und Satan stürzte von dem hohen
Berg hinab. Jesus bezeugte das, als er sagte: »Ich sah den Satan wie einen
Blitz vom Himmel fallen.« Der Bösewicht erinnerte sich dieser zweiten
Niederlage und warf den unschuldigen Herrn nun, da er ihn in seiner Gewalt hatte,
ein zweites Mal zu Boden. * * * Geliebter
Herr, lehre uns leiden mit dir und uns vor den Schlägen
Satans nicht fürchten, wenn sie die Folge unseres Widerstands gegen
ihn sind. ACHTE
STATION
Jesus begegnet den Frauen von Jerusalem, die über ihn weinen
Seitdem
die alte Prophezeiung verkündet hatte, der Erlöser würde von einer Frau aus
dem Geschlecht Abrahams geboren werden, hatten sich alle jüdischen Mädchen
diese Mutterschaft gewünscht. Doch jetzt, da er endlich gekommen war, stellt
sich die Wirklichkeit, die das Evangelium erzählt, so anders dar, als sie es
erwartet hatten! Er sagt zu den Frauen: »Es kommen Tage, da man sagen wird:
Selig die Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt
haben.« * * * Ach Herr, wir
wissen nicht, was für uns gut ist und was schlecht. Wir können die
Zukunft weder voraussagen noch wissen wir, wann du uns heimsuchen
und in welcher Gestalt du kommen wirst. Darum vertrauen wir
alles dir an. Wirke mit uns und in uns nach deinem
Wohlgefallen.
Lenke unsere Augen stets auf dich und
laß deinen Blick immer auf uns gerichtet sein;
schenke uns die Gnade deines bitteren Kreuzes und Leidens
und tröste uns,wann und wie du willst. NEUNTE
STATION
Jesus fällt zum dritten Mal
Satan wird beim
Weltuntergang einen dritten und letzten Sturz erleben, wenn er für ewig in das
Gefängnis des Feuers eingeschlossen wird. Er weiß, daß das sein Ende sein
wird; er kennt keine Hoffnung, nur Verzweiflung .Er weiß, daß ihn keines der
Leiden, die er dem Erlöser der Menschen jetzt zufügen kann, der unvermeidbaren
Verdammnis entreißen kann. Trotzdem beschließt er in seiner schrecklichen Wut
und in seinem Haß, den König der Könige, dessen Reich ewig ist, zu schmähen
und zu quälen, solange er kann. Deshalb wirft er ihn grimmig ein drittes Mal zu
Boden. * * * Jesus, eingeborener Sohn Gottes,
fleischgewordenes Wort,
wir bewundern mit Furcht und Zittern und mit grenzenloser
Dankbarkeit die erschütternde Demütigung, mit der du dich,
Allerhöchster, wenn auch nur für eine Stunde, hingegeben
hast als Gespött und Beute des Teufels.
ZEHNTE
STATION
Jesus wird seiner Kleider beraubt
Jesus wollte sich von allen Dingen dieser Welt freimachen, bevor er sie
verließ. So lebte er die vollkommenste Armut. Als er das Heilige Haus in
Nazaret verließ und auszog, um zu predigen, hatte er nichts, wohin er sein
Haupt legen konnte. Er lebte von der bescheidensten Nahrung und von dem, was ihm
die gaben, die ihn liebten und ihm dienten. Er wählte daher einen Tod, der ihm
nicht einmal die Kleider ließ. Er trennte sich auch von dem, was nach dem
Naturgesetz seit dem Sündenfall am allernotwendigsten erscheint und Teil des
menschlichen Daseins ist.
* * * In
ähnlicher Weise, o guter Herr,
laß nicht zu, daß wir uns Sorgen machen
um irgendwelche irdischen Dinge;
laß uns den Verlust von allem annehmen,
und sogar Schande, Tadel, Verachtung und Spott ertragen,
damit du dich am Jüngsten Tag
unserer nicht zu schämen brauchst.
ELFTE STATION
Jesus wird ans Kreuz genagelt
Mit spitzen Nägeln werden
Jesus Hände und Füße durchbohrt. Seine Augen sind blutverschleiert unter den
durch die Schläge seiner Peiniger angeschwollenen Lidern und blauunterlaufenen
Brauen. Sein Mund wird mit Essig und Galle getränkt. Sein Haupt ist umgeben von
einer Krone aus stechenden Dornen. Sein Herz wird von einer Lanze durchbohrt.
Alle seine Sinne werden gedemütigt und gekreuzigt, um für jede Art
menschlicher Sünde zu sühnen. * * * Jesus,
demütige und kreuzige uns mit dir.
Laß uns niemals sündigen mit den Händen
oder mit den Füßen, mit den Augen oder mit dem Mund,
mit dem Verstand oder mit dem Herzen.
Laß alle unsere Sinne ein dir dargebrachtes Opfer sein;
laß jedes unserer Glieder dich preisen.
Laß das heilige Blut,das aus deinen fünf Wunden floß,
uns mit der heiligmachenden Gnade umgeben,
auf daß wir für die Welt sterben können
und nur für dich leben.
ZWÖLFTE STATION
Jesus stirbt am Kreuz
»Consummatum est.« Es ist
vollbracht, alles hat voll und ganz sein Ende gefunden. Das Geheimnis der Liebe
Gottes zu uns hat sich erfüllt. Der Preis ist gezahlt, und wir sind erlöst.
Der Ewige Vater hat bestimmt, uns nicht ohne einen Preis zu vergeben, um uns ein
besonderes Wohlwollen zu zeigen. Er hat sich herabgelassen, um uns für ihn
wertvoll zu machen. Wir messen dem einen Wert bei, was wir kaufen und wofür wir
bezahlen. Er hätte uns auch ohne einen Preis erlösen können, durch ein
bloßes »fiat« seines Willens. Aber um seine Liebe zu uns zu zeigen, hat er
einen Preis festgelegt; und wenn es überhaupt einen Preis für uns geben
sollte, wenn überhaupt ein Lösegeld als Sühne für unsere Sünden gefordert
werden sollte, dann konnte das nur der Tod seines Sohnes in unserer Natur sein. * * * Mein
Gott und Vater,
du hast uns solche Achtung entgegengebracht,
daß du für unsere Sünden den höchsten
aller nur möglichen Preise bezahlt hast.
Sollen wir nicht dich lieben und vor allen anderen Dingen
dich erwählen als unser einziges und notwendiges Gut?
DREIZEHNTE STATION
Jesus wird in die Arme seiner Mutter gelegt
Nun gehört
Jesus wieder dir, jungfräuliche Mutter, weil nach seiner Begegnung mit der Welt
er und die Welt sich wieder getrennt haben. Er hatte sich von dir entfernt, um
das Werk seines Vaters zu
erfüllen. Unter Leiden hat er es zu Ende geführt. Satan und die bösen
Menschen haben jetzt keinerlei Anspruch mehr auf ihn – zulange ist er in ihren
Händen gewesen. Satan hatte ihn auf den hohen Berg erhoben; böse Menschen
haben ihn am Kreuz erhöht. * * * Er
war nicht mehr in deinen Armen gewesen,
Muttergottes, seitdem er ein Kind war,
aber du kannst ein Recht auf ihn geltend machen,
jetzt, wo die Welt ihm das Schlimmste,
was sie konnte, zugefügt hat.
Denn du bist die Mutter des Höchsten,
reich an göttlichem Wohlgefallen,
allzeit gebenedeit und voll der Gnade.
Wir freuen uns über dieses große Geheimnis.
Er war in deinem Schoß verborgen,
er hat an deinem Herzen gelegen, an deiner Brust gesaugt,
auf deinen Armen wurde er getragen.
Und nun, da er tot ist, wird er dir in den Schoß gelegt.
Jungfrau und Muttergottes, bitte für uns.
VIERZEHNTE STATION
Jesus wird ins Grab gelegt
Als Jesus seinem ewigen Triumph
am nächsten ist, scheint er weit entfernt vom Sieg. Ganz kurz bevor er in sein
Reich eintritt, um alle Herrschaft im Himmel und auf Erden auszuüben, liegt er
tot in einer Felsenhöhle. Er wurde in ein Leichentuch gehüllt und in ein
steinernes Grab verbannt. Doch bald wird er einen verherrlichten geistlichen
Leib haben, der alle Elemente zu durchdringen und sich
schneller als Gedanken zu bewegen vermag; einen Leib, der kurze Zeit später zum
Himmel auffahren wird. * * * Laß uns, Jesus,
dir vertrauen,
daß du für uns eine ähnliche Vorsorge treffen willst.
Gib uns die Gewißheit, Herr.-
je größer unser Elend ist,
um so näher sind wir dir,-
je mehr uns die Menschen verspotten,
um so mehr ehrst du uns;
je mehr die Menschen uns verachten,
um so mehr wirst du uns erhöhen;
je mehr sie uns vergessen,
um so mehr erinnerst du dich unser;
je mehr sie uns verlassen,
um so näher wirst du uns an dich heranführen. * * * SCHLUßGEBET Gott,
du hast das Banner des Kreuzes
durch das kostbare Blut deines
eingeborenen Sohnes geheiligt, wir bitten dich:
Laß uns, die wir uns über die Herrlichkeit
dieses heiligen Kreuzes freuen,
immer und überall deinen Schutz erfahren.
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
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