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PASTORALREISE NACH ARMENIEN
GEBETSBESUCH

WORTE VON PAPST JOHANNES PAUL II.

Apostolische Kathedrale von Etschmiadzin
25. September 2001

 

Hochwürdigster Bruder, 
Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier,
liebe Brüder und Schwestern in Christus! 
Der Segen Gottes sei mit euch allen! 

1. Meine Schritte als Pilger haben mich nach Armenien geführt, um Gott zu loben für das Licht des Evangeliums, das sich vor 700 Jahren in diesem Land und von diesem Ort aus verbreitet hat, wo der hl. Gregorios der Erleuchter die himmlische Erscheinung des Sohnes Gottes in Form des Lichtes empfing. Der heilige Etschmiadzin erhebt sich als großes Symbol des Glaubens Armeniens an den eingeborenen Sohn Gottes, der vom Himmel herabgekommen und gestorben ist für unsere Erlösung von der Sünde und dessen Auferstehung den Anfang für den neuen Himmel und die neue Erde setzt. Der Etschmiadzin bleibt für alle Armenier ein Unterpfand der Standhaftigkeit in diesem Glauben trotz der Leiden und des Blutvergießens von gestern und heute, das eure leidvolle Geschichte als Preis für eure Treue gefordert hat. An diesem Ort möchte ich bezeugen, daß euer Glaube auch unser Glaube an Jesus Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch – ist: »Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe« (Eph 4, 5). 

Hier im heiligen Etschmiadzin erwidere ich mit freuderfülltem Herzen den Friedensgruß, den Eure Heiligkeit mir im November des vergangenen Jahres am Grab des Apostels Petrus in Rom ausgesprochen hat. Mit tiefer Ergriffenheit grüße ich Sie, die Erzbischöfe und Bischöfe, die Mönche, Priester und die Gläubigen der geliebten Armenischen Apostolischen Kirche. Als Bischof von Rom verneige ich mich voll Bewunderung vor dem himmlischen Geschenk der Taufe eures Volkes und bezeige meine Ehrerbietung gegenüber diesem Gotteshaus, das Symbol der Nation ist und seit den Anfängen gemäß der Vision des hl. Gregorios an seinen Säulen das Mal des Martyriums trägt. 

2. Danke, Heiligkeit, daß Sie mich in Ihrem Haus aufgenommen haben. Erstmals wohnt der Papst von Rom während seines ganzen Aufenthaltes in einem Land im Haus seines Bruders, der einer ruhmreichen Kirche des Orients vorsteht und mit ihm unter einem Dach den Lebensalltag teilt. Danke für dieses Zeichen der Zuneigung, das mich tief bewegt und den Herzen aller Katholiken Zeugnis gibt von der tiefen Freundschaft und brüderlichen Liebe. 

Ich denke in diesem Augenblick an Ihre ehrwürdigen Vorgänger. Ich beziehe mich auf Katholikos Vasken I., der sich so sehr darum bemühte, daß sein Volk das verheißene Land der Freiheit erblicken konnte, und der zu Gott gerade zu dem Zeitpunkt heimging, als die Unabhängigkeit erlangt wurde. Ich denke an den unvergeßlichen Katholikos Karekin I., der für uns wie ein Bruder war. Weil sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, konnte der geplante Besuch nicht durchgeführt werden, obwohl ich es von ganzem Herzen erhofft hatte. Dieser Wunsch erfüllt sich heute hier mit Eurer Heiligkeit, der Sie uns ein ebenso geliebter und geschätzter Bruder sind. Ich freue mich auf die kommenden Tage, wenn ich mit Ihnen Seite an Seite dem armenischen Volk begegnen kann und wir gemeinsam Gott dem Allmächtigen danken für die 700 Jahre der Treue zu Christus. 

3. Jesus Christus, Herr und Erlöser, gib, daß wir die wunderbare Wahrheit erfassen, die der hl. Gregorios an diesem Ort gehört hat: daß »die Pforten deiner Liebe für seine Geschöpfe offen sind … daß das Licht, das die Erde erfüllt, die Verkündigung deines Evangeliums ist«. 

Herr, mach uns der Gnade dieser Tage würdig. Nimm an unser gemeinsames Gebet; nimm an den Dank der ganzen Kirche für den Glauben des armenischen Volkes. Inspiriere uns zu Worten und Gesten, die die Liebe des Bruders zum Bruder bezeigen. Darum bitten wir dich auf die Fürsprache Marias, der großen Mutter Gottes, der Königin Armeniens, und des hl. Gregorios, dem hier das göttliche Wort in Form des Lichtes erschienen ist. Amen.

 

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