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BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS 
JOHANNES PAUL II. ANLÄßLICH DES 10. GRÜNDUNGSTAGES DER STIFTUNG
POPULORUM PROGRESSIO


An Msgr. Paul Josef Cordes
Titular-Erzbischof von Naisso
Präsident des Päpstlichen Rates "Cor unum"
Präsident der Stiftung Populorum progressio

Es drängt mich, durch Ihre Vermittlung den bischöflichen Mitgliedern des Verwaltungsrates der Stiftung "Populorum progressio" und deren Mitarbeitern, die sich in diesem Jahr in Sucre, Bolivien, zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung versammeln, meinen aufrichtigen Gruß zu senden. 

Den Notleidenden zu helfen, ist ein Imperativ des Evangeliums. Er zielt nachdrücklich auf alle Christen, die nie an einem vom Unglück getroffenen Mitmenschen achtlos vorübergehen dürfen (vgl. Lk 10, 33-35). Mit Trauer muß ich leider feststellen: Wenn in manchen Entwicklungsländern schon ein Großteil der Durchschnittsbevölkerung unter Armut leidet, so fehlt es erst recht den gesellschaftlichen Randgruppen dort, und zwar am Existenzminimum. Um die Folgen dieser unerträglichen Lage lindern zu helfen, rief ich vor zehn Jahren am 13. 2. 1992 die Stiftung Populorum progressio ins Leben. Sie gilt vor allem den Urbewohnern, sowie den Mestizen und Afro-Amerikaner Lateinamerikas. Besonders gegenüber diesen von der Gesellschaft und ihren Autoritäten oft vernachlässigten Menschen möchte ich Zeichen meiner Anteilnahme an ihrer Not setzen, gegen die sie selbst oft nichts tun können. Populorum progressio ergreift konkrete Initiativen zur Lebensverbesserung; sie möchte Zeichen der Liebe sein, die Gott für alle Menschen, besonders für die Armen, hat (vgl. Lk 7,22). 

Die Stiftung finanziert in jedem Haushaltsjahr eine größtmögliche Anzahl von Projekten zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung von bedürftigen Landarbeitergemeinden. In den Jahren 1993 bis 2001 wurden 1.596 Vorhaben mit einem Gesamtwert von US-$ 13.142.529,- durchgeführt, vor allem dank der Freigebigkeit der Katholiken Italiens und deren Bischofskonferenz, sowie der Spenden von anderen Wohltätern und kirchlichen Organisationen.

Es ist beachtenswert, daß auch die lateinamerikanischen Ortskirchen beginnen, die Finanzierung mitzutragen. Originell ist ferner für das Hilfswerk als solches, daß die Projekte von den Einheimischen selbst bestimmt werden: Sechs Ordinarien aus Lateinamerika und der Karibik bilden den Verwaltungsrat, der über die eingehenden Petitionen befindet. 

Unglücklicherweise besteht die soziale Not in vielen Teilen Lateinamerikas fort. Staat und Kirche eines jeden Landes müssen in je ihrem Bereich daran arbeiten, die Lebensbedingungen aller ohne Ausnahme zu verbessern. Die Situation wird verschärft durch fehlende politisch-soziale Ordnung, die von Ungerechtigkeit und Korruption niedergehalten wird. Auch verhindern in manchen Ländern astronomische Auswärtsschulden jeden wirtschaftlichen Aufschwung. Der Apostolische Stuhl kann darum nicht nachlassen, auf diese Geißel hinzuweisen, die Energie und Zukunftshoffnung lähmt. Alle Katholiken sind zur Mitarbeit aufgerufen - wie ich es in der Apostolischen Exhortation Ecclesia in America anmahnte: "Die Liebe zum Bruder nimmt alle Bedürfnisse des Mitmenschen ernst. 'Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?' (1 Joh 3,17)" (Nr. 27). 

Gottes Wort läßt uns Christen keinen Zweifel über die Unabdingbarkeit des Helfens. Es trägt uns unüberhörbar auf, daß wir uns der notleidenden Brüder und Schwestern annehmen. Doch neben dem Gehorsam gegen Gottes Willen nötigt uns der Dienst der Verkündigung selbst zur helfenden Tat an den Notleidenden: Das Gute wird zur Brücke für die Annahme des Gotteswortes. So entzündet sich die Glaubwürdigkeit der Botschaft an der Tat der Nächstenliebe.

Darum sei denn all denen Dank, die sich in den vergangenen zehn Jahren für den Aufbau und das Wirken von Populorum progressio eingesetzt haben - den Bischöfen, Priestern und Laien. Sie haben auf administrativer Ebene eine saubere Durchführung von Projekten ermöglicht, ihre Finanzierung im Auge behalten bzw. sichergestellt. Ihr Engagement hat schließlich auch die Kenntnis der Arbeit dieser Stiftung verbreitet. So konnten sie bei Helfern und Gemeinden Vertrauen in Gottes Hilfe mehren sowie Hoffnung auf die Zukunft wecken. 

Ich bete um ein fruchtbringendes Gelingen dieser Zusammenkunft, erflehe den Beistand des Heiligen Geistes, damit der beste Weg für eine Fortsetzung dieser dringenden Aufgabe erkannt werde, und empfehle die Arbeit des Rates der mütterlichen Fürsprache der Jungfrau Maria, die als Unsere Frau von Guadalupe im gesamten amerikanischen Kontinent verehrt wird. Zum Erweis kirchlicher Dankbarkeit erteile ich den Gliedern dieser Stiftung und allen ihren Wohltätern einen besonderen Apostolischen Segen.

Vatikanstadt, 14. Juni 2002

JOHANNES PAUL II.

 

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