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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DER VOLLVERSAMMLUNG DES PÄPSTLICHEN RATES FÜR DIE LAIEN

Samstag, 21. November 2002

 

1. »Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!« (2 Kor 13, 13). 

Diesen Gruß des Apostels Paulus an die Korinther richte ich an euch alle, liebe Brüder und Schwestern, die ihr in diesen Tagen zur 20. Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Laien zusammengekommen seid. 

Vor allem grüße ich den Präsidenten, Kardinal James Francis Stafford, den Sekretär, den Untersekretär und alle Mitarbeiter des Dikasteriums. Auch euch grüße ich, liebe Mitglieder und Konsultoren dieses Päpstlichen Rates, die ihr aus verschiedenen Ländern und Kontinenten kommt.

Ein ganz besonderer Gruß gilt euch, liebe Brüder und Schwestern, die ihr die verschiedenen Erfahrungen der »christifideles laici« verkörpert und dem Nachfolger Petri im Zuständigkeitsbereich eures Dikasterium dient. Jeden von euch heiße ich herzlich willkommen und bringe meine tiefe Dankbarkeit für die hochherzige Bereitschaft zum Ausdruck, mit der ihr eure treue und sachkundige Mitarbeit zur Verfügung stellt. 

2. Diese Vollversammlung findet 40 Jahre nach der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils statt, jenes bedeutendsten kirchlichen Ereignisses unserer Zeit, das in der Kirche jenem Fluß des neuen kirchlichen Bewußtseins, Geheimnis missionarischer »Communio« zu sein, einen breiten Strom zur Förderung des Laienapostolats zugeführt hat. Bei der Heiligjahrfeier des Laienapostolats im Jahr 2000 habe ich alle Getauften aufgefordert, zum Konzil zurückzukehren, um anhand der Dokumente des II. Vaticanum den Reichtum theologischer und pastoraler Anregungen neu zu entdecken. 

Wie vor zwei Jahren lade ich die Laiengläubigen auch heute erneut dazu ein. Sie sind es, »denen das Konzil außerordentliche Perspektiven der Teilnahme und Mitarbeit an der Sendung der Kirche eröffnet hat«, indem es an ihre besondere Teilhabe am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi erinnerte (vgl. Predigt zur Heiligjahrfeier des Laienapostolats, 26. November 2000, O.R. dt., Nr. 49, 8.12.2000, S. 7,3). Zum Konzil zurückzukehren bedeutet demnach, entsprechend den in den Apostolischen Schreiben Christifideles laici und Novo millennio ineunte gegebenen Richtlinien, zu seiner fortdauernden Umsetzung beitragen. Heute brauchen wir Christgläubige, die sich ihrer evangelischen Berufung und ihrer Verantwortung als Jünger Christi bewußt sind, um die Liebe und Solidarität in allen Bereichen der modernen Gesellschaft zu bezeugen. 

3. Das Thema eurer Versammlung lautet: »Weiterhin bei Christus, das heißt bei der Eucharistie, neu anfangen.« Dieses Thema vervollständigt die Reflexion über die Sakramente der christlichen Initiation, die mit der Vertiefung der Taufe und der Firmung im Laufe der beiden vorherigen Vollversammlungen begonnen hatte. Die Reflexion über die Sakramente der christlichen Initiation richtet die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die Pfarrei, jene Gemeinschaft, in der diese großen Geheimnisse gefeiert werden. Die Pfarrei ist das Herz des liturgischen Lebens; sie ist ein besonders geeigneter Ort für die Katechese und die Erziehung zum Glauben (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2226). Über die Pfarrgemeinde führt der Weg der Initiation und Erziehung aller Christen. Wie wichtig ist es doch, den Wert und die Bedeutung der Pfarrei als jenen Ort zu erkennen, an dem die Inhalte der katholischen Tradition weitergegeben werden! 

Viele Getaufte scheinen, auch durch die Konfrontation mit starken Tendenzen der Entchristlichung, den Kontakt mit diesem religiösen Gut verloren zu haben. Oft wird der Glaube auf Episoden und Fragmente des Lebens eingegrenzt. Ein gewisser Relativismus bewirkt die Förderung von Haltungen der Unterscheidung im Hinblick auf den Inhalt der katholischen Lehre und Moral, die aufgrund von subjektiven und willkürlichen Entscheidungen angenommen oder aber zurückgewiesen werden. Der empfangene Glaube wird somit nicht mehr als Geschenk Gottes gelebt, als außerordentliche Gelegenheit menschlicher und christlicher Bereicherung, als eine den Sinn und die Verwandlung des Lebens betreffende Erfahrung. Allein ein im sakramentalen Gefüge der Kirche verwurzelter und an den Quellen des Gotteswortes und der Tradition genährter Glaube, der zu einem neuen Leben und einer neuen Erkenntnis der Wirklichkeit wird, kann den Getauften wirklich ermöglichen, der Konfrontation mit der vorherrschenden verweltlichten Kultur standzuhalten. 

4. Die Eucharistie, »Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens« (Lumen gentium, 11), vervollständigt und krönt die christliche Initiation. Sie vertieft unsere Bindung an Christus, sie trennt und bewahrt uns vor der Sünde, sie festigt die Bande der Liebe, stärkt uns auf dem Pilgerweg des Lebens und läßt uns die Herrlichkeit vorauskosten, für die wir bestimmt sind. Am priesterlichen Amt Christi Anteil gewinnend, bringen die Laien im Rahmen der Eucharistiefeier ihr ganzes Leben - ihre Gefühle und Schmerzen, ihr Ehe- und Familienleben, ihre Arbeit und die Aufgaben, die sie in der Gesellschaft übernommen haben - als geistiges Opfer dar, wohlgefällig vor dem Vater, dem sie so die Welt selbst weihen (vgl. Lumen gentium, 34). 

Kirche und Eucharistie sind miteinander verwoben im Geheimnis der »Communio«, jenes Wunders der Einheit zwischen den Menschen in einer Welt, in der die menschlichen Beziehungen häufig durch Entfremdung verschleiert, wenn nicht sogar durch Feindschaft zerrissen sind. 

Meine Lieben, ich bestärke euch, diese vorrangige Stellung der Eucharistie bei der Erziehung und der Teilnahme am Leben der Pfarr- und Diözesangemeinschaften immerfort zu berücksichtigen. Stets müssen wir neu anfangen bei Christus, bei der Eucharistie in der ganzen Bedeutungsfülle ihres Geheimnisses. 

5. Ein Gebet, das uns dabei hilft, das Geheimnis Christi mit dem Blick der Jungfrau zu durchdringen, ist der Rosenkranz, der für mich und unzählige Gläubige zu einer vertrauten kontemplativen Erfahrung geworden ist. Liebe Brüder und Schwestern, möget ihr euch mit diesem Gebet der Jungfrau Maria anvertrauen. In ihrem unbefleckten Schoß wuchs der menschliche Leib jenes - gestorbenen und auferstandenen - Jesus von Nazaret heran, der uns in der Eucharistie entgegenkommt. 

Liebe Mitglieder und Konsultoren des Päpstlichen Rates für die Laien - ein Dikasterium, dem ich mich besonders verbunden fühle, da ich als Erzbischof von Krakau zu seinen Konsultoren gehörte - : Es ist die Eucharistie, die euch ermöglichen wird, eure wichtige Mission im Dienst einer »reifen und fruchtbaren ›Epiphanie des Laientums‹« zu erfüllen (Generalaudienz vom 25. November 1998, in O.R. dt., Nr. 49, 4.12.1998, 2). 

In diesem Sinne erteile ich euch und allen, die euch nahestehen, meinen besonderen Apostolischen Segen.

 

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