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BOTSCHAFT DES HL. VATERS JOHANNES PAUL II.
AN DIE MISSIONARE VON MARIANNHILL
ANLÄßLICH IHRES GENERALKAPITELS

 

Liebe Missionare von Mariannhill! 

Aus Anlaß Eures Generalkapitels möchte ich Euch meine herzlichen Grüße im Herrn übermitteln und in meine Worte der Ermutigung auch den neu gewählten Generaloberen, Pater Dieter Gahlen, einschließen. Zu Beginn des dritten christlichen Jahrtausends ist die Kongregation der Mariannhiller Missionare ebenso wie die ganze Kirche aufgerufen, »neu bei Christus anzufangen« (vgl. Novo Millennio ineunte Teil III). In Übereinstimmung mit dem Thema, das Ihr für Euer Generalkapitel gewählt habt – »Überprüfung unserer Identität und Spiritualität zu Beginn einer neuen Ära« –, besteht der Weg in die Zukunft in einer echten Erneuerung Eures geweihten Lebens, in einer neuen Zeit des geistlichen und apostolischen Wachstums (vgl. Neubeginn in Christus, 19). 

Eure Kongregation ist die Frucht der reichen Gaben, mit denen Euer Gründer, Abt Franz Pfanner, von Gott beschenkt wurde. Diese Gaben formen Eure Gemeinschaft auch weiterhin, und – wie ich die Institute des gottgeweihten Lebens in meinem nachsynodalen Apostolischen Schreiben Vita consecrata eingeladen habe – auch Ihr seid aufgerufen, »als Antwort auf die in der heutigen Welt auftretenden Zeichen der Zeit mutig den Unternehmungsgeist, die Erfindungsgabe und die Heiligkeit «Eures Gründers» wieder hervorzuheben« (Nr. 37). Nur in der erneuerten Treue zu ihrem Gründungscharisma wird Eure Kongregation in der Lage sein, vertrauensvoll den Verkündigungsauftrag der Heilsbotschaft des Evangeliums in Angriff zu nehmen, in einer immer stärker globalisierten Welt, die auf vielerlei Weise von der »Sinneskrise «und dem »zweideutigen Denken « beunruhigt wird (Fides et ratio, 81). 

Aus diesem Grund sollen die Worte, die Jesus an Petrus gerichtet hat, nämlich »hinauszufahren« (»Duc in altum«, Lk 5, 4), auch in Eurem Leben als Missionare widerhallen. In der neuen Ära, die nun beginnt, sollt Ihr echte Missionare und Heilige sein, denn Heiligkeit ist die Herzmitte Eurer Berufung (vgl. Redemptoris missio, 90). Wie Euer Gründer wußte, muß die Heiligkeit aktiv gesucht und erbetet werden. Er unterstrich dies durch sein Leitwort: »Currite Ut Comprehendatis« – »Ich strecke mich nach dem aus, was vor mir ist, das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt« (Phil 3, 13-14). Abt Pfanner, ein Mann, der Feuer und Flamme war für die Errichtung des Reiches Gottes und der im Angesicht der Hindernisse mutig durchhielt, ruft Euch dazu auf, voll Hoffnung voranzugehen (vgl. Novo Millennio ineunte, 58), wenn Ihr auf Gottes Ruf in Jesus Christus antwortet. 

In der Treue gegenüber der benediktinisch-trappistischen Tradition, auf die Euer geweihtes Leben gegründet ist, wird Euer missionarisches Apostolat blühen und Früchte bringen in dem Maß, in dem es fest im Grundsatz »Ora et labora« verankert bleibt. Auf diesem Weg werdet Ihr auch das erreichen, was in Eurem Instrumentum laboris bezeichnet wird als »Gleichgewicht des kontemplativen Missionars, des Zeugen, der in das Gebet versunken bleibt, auch wenn er sich um den dringend notwendigen aktiven Einsatz bemüht«. Ich möchte Euch daher dazu ermutigen, Eure Ausbildung in diesem zentralen Aspekt Eurer Berufung zu intensivieren. Gebet und Kontemplation können nicht als etwas Selbstverständliches vorausgesetzt werden. Das Beten muß erlernt werden, damit wir als enge Vertraute zu Christus sprechen können (vgl. Novo Millennio ineunte, 32), und die tägliche Betrachtung des Antlitzes Christi soll in Euch die Realität Eurer Weihe stärken. 

Liebe Brüder in Christus, in einer Welt, in der das menschliche Dasein nur allzu oft von Armut, Spaltung und Gewalt gekennzeichnet ist, erfordert die Nachfolge Christi, daß die geweihten Personen mutig auf den Ruf des Geistes zu einer ständigen Bekehrung antworten, um der prophetischen Dimension ihrer Berufung neue Kraft zu verleihen (vgl. Neubeginn in Christus, 1). Für Euch als Missionare bedeutet Euer Zeugnis für Christus, das Kreuz aus Liebe zum Herrn und zu Euren Nächsten auf Euch zu nehmen. Dies ist die Herzmitte aller echten Verkündigung des Evangeliums. 

Die Kirche zählt auf Euren Einsatz und Eure Begeisterung für die Mission »ad gentes«, im Vertrauen darauf, daß Ihr dadurch »in einer besonders tiefen Weise zur Erneuerung der Welt« beitragt (Vita consecrata, 25). 

Die allerseligste Jungfrau Maria, Eure Patronin, die Christus als Licht für die Völker dargebracht hat, führe Euch auch weiterhin bei all Euren missionarischen Bemühungen. Ihre Mutter Anna, die Ihr von Anfang an verehrt habt, möge zusammen mit der Schar der Glaubenszeugen aus Eurem eigenen Institut Euch beschützen und ermutigen auf Eurem Weg zur Heiligkeit. Indem ich Euch meines Gedenkens im Gebet versichere, erteile ich allen Mariannhiller Missionaren meinen Apostolischen Segen. 

Aus dem Vatikan, am 26. Oktober 2002 

 

JOHANNES PAUL II.

 

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